Liberia USA rüsten sich für Militäreinsatz

Das US-Verteidigungsministerium hat die Verlegung von 4.500 Soldaten in den Mittelmeerraum angeordnet. Dort sollen sie sich für einen möglichen Einsatz im westafrikanischen Liberia bereit halten.


Sollen die US-Botschaft schützen: Vorauskommando amerikanischer Soldaten landen in Monrovia
AP

Sollen die US-Botschaft schützen: Vorauskommando amerikanischer Soldaten landen in Monrovia

Monrovia - Wie ein Ministeriumssprecher am Montag in Washington mitteilte, wurde die entsprechende Anweisung bereits am Samstag von Ressortchef Donald Rumsfeld unterzeichnet. Demnach sollten die Soldaten vom Roten Meer und vom Horn von Afrika abgezogen werden. Sie sollten innerhalb weniger Tage an Bord von drei Amphibienbooten durch den Suez-Kanal ins Mittelmeer reisen.

Der Sprecher betonte, vom neuen Stationierungsort aus seien die Soldaten dann in der Lage, schnell zu reagieren: "Sollten sie gebraucht werden, könnten sie nach Liberia geholt werden." Für die Verlegung in das westafrikanische Land würden dann noch sieben bis zehn Tage gebraucht.

Zuvor hatte UN-Generalsekretär Kofi Annan die USA aufgefordert, der Gewalt in Liberia Einhalt zu gebieten. US-Präsident George W. Bush hatte unterdessen bei einer Pressekonferenz auf seiner Ranch in Texas noch keinen Termin für die mögliche Entsendung von Soldaten für die von der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS geplanten Liberia-Friedenstruppe genannt. Die USA haben allerdings bereits Elitesoldaten zum Schutz ihrer Botschaft in die liberianische Hauptstadt Monrovia geschickt. US-Diplomaten nahmen außerdem Kontakt zur Rebellenorganisation LURD auf, um diese zum Stopp ihres Angriffs auf Monrovia zu bewegen, wie aus dem US-Außenministerium verlautete. Die Gespräche mit der LURD wurden den Angaben zufolge in Ghana und Guinea geführt.

Bei den schweren Gefechten in Monrovia kamen am Montag nach Angaben von Hilfsorganisationen bis zu einhundert Menschen ums Leben, mindestens 360 wurden verletzt. "Bisher gibt es kein klares Bild", sagte der Chef der französischen Organisation Ärzte ohne Grenzen (Médecins sans Frontières, MSF). "Aber wir können wohl sicher sagen, dass Dutzende Menschen getötet wurden". Im Zentrum und im Diplomatenviertel der Stadt explodierten einer Gesandten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz zufolge rund 25 Granaten. Dabei geriet auch die schwer gesicherte US-Botschaft unter Beschuss.

Seit Tagen liefern sich in Monrovia Regierungstruppen von Präsident Charles Taylor und die vor vier Jahren gegründete Rebellengruppe Vereinigte Liberianer für Versöhnung und Demokratie (LURD) heftige Kämpfe. Die LURD startete im vergangenen Monat ihre bislang größte Offensive auf die liberianische Hauptstadt. In Liberia tobt seit Beginn der 90er Jahre ein blutiger Bürgerkrieg, bei dem bislang rund 200.000 Menschen ums Leben kamen.



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