Rettung im Mittelmeer "Lifeline"-Kapitän geht gegen Strafzahlung vor

Von einem maltesischen Gericht war der Kapitän der "Lifeline", Claus-Peter Reisch, zu einer Strafzahlung von 10.000 Euro verurteilt worden. Dagegen ist er in Revision gegangen.

Claus-Peter Reisch, Kapitän der "Lifeline" will die Strafe in Höhe von 10.000 Euro nicht akzeptieren
Darrin Zammit Lupi/REUTERS

Claus-Peter Reisch, Kapitän der "Lifeline" will die Strafe in Höhe von 10.000 Euro nicht akzeptieren


Claus-Peter Reisch ist Kapitän der "Lifeline" der deutschen Hilfsorganisation Mission Lifeline. Ihm wird vorgeworfen, ein nicht ordnungsgemäß registriertes Boot gesteuert zu haben. Reisch hatte vergangenen Juni mit der "Lifeline", die unter niederländischer Flagge fuhr, mehr als 230 Migranten vor der libyschen Küste aus dem Mittelmeer gerettet.

Von einem Gericht auf Malta wurde er vor einer Woche in Valletta zu einer Strafe von 10.000 Euro verurteilt, die er an lokale Hilfsorganisationen spenden soll. Dagegen ist er nun in Revision gegangen. Das bestätigte ein Sprecher der Organisation. Das Schiff "Lifeline" sei korrekt registriert gewesen, der Kapitän daher unschuldig.

Hilfsorganisation sieht politische Einflussnahme

"Wir müssen leider davon ausgehen, dass auch die Revision kein gerechtes Urteil zutage fördert", sagte Sprecher Axel Steier. Die Hilfsorganisation sieht politische Einflussnahme auf die Gerichtsentscheidung. "Der Beweis, dass die 'Lifeline' zum Zeitpunkt der Anklage richtig registriert war, wurde vom Gericht nicht gewürdigt. Ebenso wurde meine Einlassung und die Vorlage der Mails mit der Registrierungsstelle nicht gewürdigt. Daraus schließen wir, dass Malta keine unabhängige Justiz hat", so Steier.

Seit dem Amtsantritt der populistischen Regierung in Italien vor einem Jahr sind die Häfen dort für private Retter weitestgehend geschlossen. Auch Malta weigerte sich mehrmals, Migranten von Rettungsschiffen aufzunehmen, und verlangt eine gerechte Verteilung der Menschen auf alle EU-Staaten.

Seit Beginn des Jahres kamen laut der Uno-Migrationsorganisation IMO auf der zentralen Mittelmeerroute in Richtung Italien und Malta mehr als 300 Menschen ums Leben.

höh/dpa



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