Linda W. Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen gegen deutsche IS-Anhängerin

Im Fall der mutmaßlichen deutschen Dschihadistin Linda W. wird jetzt die Bundesanwaltschaft aktiv. Gegen die 16-Jährige und drei weitere Frauen werde wegen Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung ermittelt.
Das Gebäude der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe

Das Gebäude der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe

Foto: Uwe Anspach/ dpa

Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen im Fall der im Irak gefassten mutmaßlichen Dschihadistin Linda W. aus Sachsen übernommen. Ermittelt werde zudem gegen drei weitere Frauen wegen des Tatvorwurfs der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, sagte ein Sprecher der Karlsruher Behörde am Montagabend. Details zu den Beschuldigten und zu den Tatvorwürfen nannte er nicht.

Die Staatsanwaltschaft in Dresden hatte zuvor am Montag mitgeteilt, dass Ermittlungen gegen das Mädchen wieder aufgenommen wurden. Ihr werde vorgeworfen, Beziehungen zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat aufgenommen zu haben. Die Anklagebehörde hatte die Ermittlungen erst vor wenigen Wochen eingestellt, da es bis dahin keine Kenntnis vom Aufenthaltsort der Jugendlichen gab.

Tweet der jesidischen Abgeordneten Vian Dakhil mit mutmaßlichem Bild von Linda W.

Tweet der jesidischen Abgeordneten Vian Dakhil mit mutmaßlichem Bild von Linda W.

Foto: Twitter/ Vian Dakhil

Die Schülerin Linda aus Pulsnitz in Sachsen war nach bisherigen Erkenntnissen am 1. Juli vergangenen Jahres aus ihrem Heimatort Richtung Türkei verschwunden. Sie hatte zuvor im Internet Kontakt zu Islamisten aufgenommen und sich zunehmend radikalisiert. Einem Journalisten sagte sie nach ihrer Festnahme, sie bereue, sich der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) angeschlossen zu haben.

Dem Auswärtigen Amt zufolge sitzt die 16-Jährige zusammen mit mindestens einer weiteren Deutschen im Irak in Haft. Irakische Sicherheitskräfte hatten angegeben, in den Tagen nach der Befreiung der Stadt Mossul vom IS 20 ausländische Dschihadistinnen festgenommen zu haben. Nach SPIEGEL-Informationen sollen dabei außer Linda W. noch mindestens drei weitere Deutsche aufgegriffen worden sein.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte, die zwei deutschen Frauen seien am 20. Juli von Angehörigen der Botschaft in Bagdad besucht worden. Zwei weitere inhaftierte Frauen, möglicherweise ebenfalls Deutsche, sollten am Montag besucht werden. Dabei sollte auch ihre Staatsangehörigkeit geklärt werden.

Zur Frage einer möglichen Auslieferung der Inhaftierten nach Deutschland sagte eine Sprecherin des Justizministeriums am Montag, mit den irakischen Behörden werde "über Möglichkeiten der Zusammenarbeit" gesprochen. Ein Auslieferungsabkommen mit dem Irak gebe es aber nicht.

sun/dpa
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