"Linke Anti-Kernkraft-Ideologie" Glos attackiert Gabriel in Klimadebatte

Innerhalb der Bundesregierung eskaliert der Streit über die weitere Nutzung der Atomenergie. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) warf Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) vor, allein aus ideologischen Gründen gegen die Kernkraft vorzugehen.


Hamburg - "Mit seinem Vorgehen beweist Umweltminister Gabriel, dass ihm die linke Anti-Kernkraft-Ideologie wichtiger ist als der Schutz des Weltklimas", sagte Glos der Zeitung "Bild am Sonntag" laut einem Vorabbericht.

Innerhalb der Bundesregierung wird schon seit längerem darüber gestritten, ob der von der Vorgängerregierung beschlossene Atomausstieg angesichts des Klimawandels vielleicht nicht doch noch einmal überdacht werden sollte. Atommeiler stoßen im Unterschied zu Kohle- oder Gaskraftwerken kein klimaschädliches CO2 aus.

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla hat im Kampf gegen den Klimawandel eine "Doppelstrategie" gefordert. Der "Passauer Neuen Presse" (Samstagausgabe) sagte er: "Die Laufzeiten der vorhandenen sicheren Atomkraftwerke müssen verlängert werden. Auf der anderen Seite brauchen wir den stärkeren Einsatz erneuerbarer Energien. Nur so lässt sich der CO2-Ausstoß in Deutschland deutlich verringern."

Pofalla fügte hinzu, wer Atomkraftwerke in Deutschland früher abschaltet, schadet dem Ziel, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Wenn die Kernenergie in Deutschland durch Kohle ersetzt würde, stiege der CO2-Ausstoß um bis zu 120 Millionen Tonnen pro Jahr an.

Zuvor war bekannt geworden, dass Gabriel den Antrag des Energiekonzerns RWE auf eine längere Laufzeit des hessischen Kernkraftwerks Biblis A ablehnen will. Nach den bisherigen Planungen müsste der älteste deutsche Atommeiler im kommenden Jahr abgeschaltet werden. RWE hatte im September jedoch beantragt, Reststrommengen des bereits stillgelegten pfälzischen Kernkraftwerks Mülheim-Kärlich auf Biblis A zu übertragen.

Umweltminister Gabriel wies die Forderung der Union, wieder stärker auf Kernkraft zu setzen, erneut zurück. Die Klimaschutzziele sollten stattdessen erreicht werden, indem der Anteil der erneuerbaren Energien auf mindestens 28 Prozent des Energiemixes steige, sagte er der "Berliner Zeitung".

hda/AP/ddp



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