Linke-Debatte Beck stürzt in Umfragen ab

SPD-Chef Beck ist nicht zu beneiden: heftige Kritik aus den eigenen Reihen wegen seines Linkskurses; eine Grippe, die ihn bis Ende nächster Woche außer Gefecht setzt - und miese Umfrageergebnisse. Demnach hat er massiv an Zustimmung verloren. Selbst die Mehrheit der SPD-Anhänger ist gegen seine Kanzlerkandidatur.

Berlin - Die SPD muss noch bis Ende nächster Woche auf ihren Vorsitzenden verzichten. Wegen einer hochfiebrigen Virusgrippe und einer eitrigen Mandelentzündung ließ Kurt Beck auf Anraten der Ärzte alle Termine absagen. Der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz hatte sich am Montag krankgemeldet und kann sich seitdem auch nicht in den Streit über die von ihm vorangetriebene Öffnung seiner Partei zur Linken einmischen.

Beck gerät dabei immer mehr unter Druck. Nicht nur Parteifreunde zweifeln an seinen Führungsqualitäten- auch der Wähler. Beim ZDF-"Politbarometer" rutschte der SPD-Chef auf der Liste der zehn wichtigsten Politiker auf den vorletzten Platz. Nur noch der nach seiner Wahlniederlage angeschlagene hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) liegt in diesem Ranking hinter ihm.

Beck wird hinsichtlich einer Zusammenarbeit mit der Linken Wortbruch vorgeworfen: 43 Prozent aller Befragten halten diesen Vorwurf für berechtigt. Nur 14 Prozent halten ihn für nicht berechtigt. Allerdings trauen sich dabei 43 Prozent kein Urteil zu.

Beck hatte vor den jüngsten Wahlen eine Zusammenarbeit mit der Linken in den westlichen Bundesländern ausgeschlossen, anschließend aber der hessischen SPD-Chefin Andrea Ypsilanti die Möglichkeit offen gelassen, sich von der Linken zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen.

Dass Beck Kanzlerkandidat der SPD werden sollte, meinen jetzt nur noch 27 Prozent aller Befragten, 60 Prozent wollen das nicht (weiß nicht: 13 Prozent). Im November 2007 hatten sich noch 40 Prozent aller Befragten für Beck als Kanzlerkandidaten ausgesprochen und nur 45 Prozent hatten ihn abgelehnt (weiß nicht: 15 Prozent). Auch unter den SPD-Anhängern findet sich inzwischen keine Mehrheit mehr für Beck. Hier sind 37 Prozent für ihn als nächsten Kanzlerkandidaten und 54 Prozent gegen ihn (weiß nicht: 8 Prozent).

Die am Freitag veröffentlichte Umfrage zum Politbarometer wurde von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Die Interviews wurden in der Zeit vom 26. bis 28. Februar bei 1280 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten telefonisch geführt.

Der Hamburger SPD-Spitzenkandidat Michael Naumann ist erschüttert darüber, dass Inhalte seines Beschwerdebriefes an Beck bekannt geworden sind. "Ich bin fassungslos", sagte Naumann dem Sender NDR 90,3. Er sei entsetzt, dass richtige Zitate aus dem absolut vertraulichen Brief erschienen. "Ich habe das nicht veröffentlicht", beklagte sich Naumann. An weiteren Spekulationen wolle er sich jedoch nicht beteiligen.

In dem mehrseitigen Protestbrief an Beck, der dem SPIEGEL vorliegt, zeigt Naumann gegenüber seinem Parteichef nur wenig hanseatische Zurückhaltung. Becks Kuschelkurs mit der Linken habe "uns womöglich auch den Wahlsieg gekostet", schreibt Naumann.

Unterstützung bekam Beck heute von der nordrhein-westfälischen SPD-Chefin. Sie nahm ihn gegen die Vorwürfe der Unglaubwürdigkeit in Schutz. "Ich sehe ein Glaubwürdigkeitsproblem bei Kurt Beck nicht", sagte Kraft im ZDF-"Morgenmagazin". Beck habe sich für sein Vorgehen entschuldigt, sagte Kraft. "Das kann passieren, wir sind auch in der Politik alle nur Menschen."

Kraft wiederholte, die SPD in ihrem Land werde nach der Landtagswahl in zwei Jahren selbst über einen möglichen Koalitionspartner entscheiden. Auch eine Zusammenarbeit mit der Linken halte sie sich offen. Die Partei sei zwar im Moment noch weit von der SPD entfernt, dies könne sich aber ändern. "Uns geht es um Inhalte, nicht um taktische Spielchen."

als/ddp/dpa/AFP/AP

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