Linke-Fraktionschef Gysi knöpft sich die eigene Partei vor

Die Grünen setzen zu immer neuen Höhenflügen an, die Linke tritt auf der Stelle - das passt Fraktionschef Gregor Gysi überhaupt nicht. Er warf seiner Partei "Selbstbeschäftigung und Passivität" vor. Seit dem Abgang von Oskar Lafontaine fehle ein bekanntes Gesicht an der Spitze.

Linke-Fraktionschef Gysi: "Die Sache mit den drei Gehältern sah doof aus"
dpa

Linke-Fraktionschef Gysi: "Die Sache mit den drei Gehältern sah doof aus"


Berlin - Scharfe Worte vom Fraktionschef der Linken: Gregor Gysi hat seiner Partei schwere Versäumnisse vorgeworfen. "Wir sind seit der Bundestagswahl in Selbstbeschäftigung und Passivität verfallen", sagte Gysi der "Frankfurter Rundschau". Dass die Linke in Umfragen auf der Stelle trete, sei vor allem ihr eigenes Verschulden.

Der Protest gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 zeige, dass gerade ein rebellisches Bürgertum entstehe. "Das können wir nicht den Grünen überlassen, die vor allem das vornehme Bürgertum vertreten", so Gysi. "Wir haben uns zu lange ausgeruht auf der Basis, die wir hatten."

Seit dem Abgang des früheren Parteichefs Oskar Lafontaine fehle der Partei ein bekanntes Gesicht aus dem Westen. Der neue Vorsitzende Klaus Ernst sei zwar bekannt, aber nicht so wie Lafontaine. Auch habe die Kontroverse um die üppigen Bezüge Ernsts der Linken geschadet. "Die Sache mit den drei Gehältern sah doof aus, da kann man sagen, was man will", so Gysi.

Der 62-Jährige empfahl seine Partei als "Motor für linke Politik". SPD und Grüne könnten trotz ihrer guten Umfragewerte im Bund keine Mehrheit ohne die Linke erreichen. "Ich möchte nicht, dass SPD und Grüne wieder nur von rechts unter Druck stehen, so dass sie immer Kompromisse in diese Richtung machen. Wir müssen von links Druck machen", forderte Gysi.

hut/dapd

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.