Linke gegen Gauck Triumph der Geschichtsverdreher

Die Linkspartei begeht mit der Nominierung von Luc Jochimsen als Präsidentschaftskandidatin einen Riesenfehler. Eigentlich müsste sie den Stasi-Aufklärer Joachim Gauck unterstützen - als Zeichen der eigenen Läuterung.
Von Christoph Schwennicke
Linken-Parteivorsitzende Gesine Lötzsch und Klaus Ernst: Große Chance verstreichen lassen

Linken-Parteivorsitzende Gesine Lötzsch und Klaus Ernst: Große Chance verstreichen lassen

Foto: ddp

Die Linkspartei ist gerade dabei, eine riesengroße historische Chance verstreichen zu lassen. Mehr noch: Sie vertut die Chance ganz bewusst - mit der Aufstellung von Lukrezia "Luc" Jochimsen als eigener Kandidatin zur Bundespräsidentenwahl.

Vielleicht tut sie es aus Dummheit. Wahrscheinlich aber aus Kalkül. Was noch schlimmer ist.

Linkspartei

Joachim Gauck

Die hätte mittragen können, den bürgerlichen Gegenkandidaten von SPD und Grünen zum CDU-Favoriten Christian Wulff. Sie hätte damit eine Läuterung, eine Katharsis im Sinne des griechischen Dramas auf offener Bühne zelebrieren können. Denn Gauck steht mit seinem Namen für die unerbittliche Verfolgung von Stasi-Verbrechern. Wenn die Linkspartei ihn als Kandidaten akzeptiert hätte, hätte sie sich von ihrer eigenen unappetitlichen Vergangenheit lösen und vor aller Augen klarmachen können: Auch wir wollen damit nichts mehr zu tun haben. Auch wir verurteilen, was damals geschehen ist - nämlich jene Verbrechen, die in der Gauck-Behörde aufgearbeitet wurden und bis heute unter seiner Nachfolgerin Marianne Birthler aufgearbeitet werden.

Ein Riesenfehler, der empört

Man hätte Gesine Lötzsch, der neuen Parteivorsitzenden aus dem Osten, den Mut zu einer solchen Entscheidung gewünscht; das Problem betrifft sie mehr als ihren Westkollegen Klaus Ernst. Die Präsidentenpersonalie war Lötzsch' Chance. Dass sie sie nicht genutzt hat, zeigt leider, wes Geistes Kind auch diese vergleichsweise junge Generation der Ostlinken ist.

Um es auf den Punkt und einen Namen zuzuspitzen: Gregor Gysi, der sich seit langem gegen Stasi-Vorwürfe wehrt, gilt seinen Genossen als verfolgte Unschuld, und die Linkspartei nimmt derlei offensichtlich wichtiger als ihre eigene Zukunft. Das zeigt das Nein zu Gauck.

All das ist mehr als nur schade. Es ist empörend und ein Riesenfehler.

Schönfärberei statt Läuterung

Die Linke hatte gerade begonnen, sich in einem inzwischen festgefügten Fünf-Parteien-System als Koalitionspartner zu etablieren. Tatsächlich kann man eine Gruppierung, die bei Bundes- und Landtagswahlen durchgängig eine relevante Zahl von Stimmen bekommt, ja nicht per se vom Bündnisspiel ausnehmen. Prinzipiell wäre es richtig, sie für Koalitionen in Erwägung zu ziehen, das gebietet schon der Respekt vor dem Wähler. Wem aber das Schönfärben der eigenen fiesen Vergangenheit wichtiger ist als eine Zukunft in Läuterung - der hat es nicht anders verdient, als von SPD und Grünen weiter nur mit der Kneifzange angefasst zu werden.

Die Linkspartei hat an diesem Dienstag eine große Chance verstreichen lassen. Es kann lange dauern, bis sie ihre nächste bekommt. Bis zur Bundestagswahl 2013 hat sie sich für jegliches Bündnis diskreditiert.

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