Ringen um die Parteispitze Reichinnek kündigt Kampfkandidatur gegen Wissler an

Bei ihrer Kandidatur für den Linken-Parteivorsitz bekommt Janine Wissler Konkurrenz. Die niedersächsische Bundestagsabgeordnete Heidi Reichinnek will gegen die bisherige Parteichefin antreten.
Heidi Reichinnek: »Es darf kein Weiter-so geben«

Heidi Reichinnek: »Es darf kein Weiter-so geben«

Foto: Sebastian Gabsch / Future Image / IMAGO

Die Bundestagsabgeordnete Heidi Reichinnek kandidiert für den Bundesvorsitz der Linken. »Wenn wir die Krise unserer Partei überwinden wollen, muss sich die viel beschworene Erneuerung auch im Parteivorstand widerspiegeln. Es darf kein Weiter-so geben«, schreibt Reichinnek in einer Erklärung.

Die niedersächsische Landesvorsitzende warnt davor, viele Menschen würden nicht mehr zur Wahl gehen. »Diese zunehmende Spaltung der Gesellschaft ist gefährlich für die Demokratie. Genau diesen Menschen müssen wir zeigen, dass wir für sie da sind. Dass soziale Gerechtigkeit unser zentrales Anliegen ist«, so Reichinnek.

Reichinnek ist die zweite Kandidatin für die Linken-Doppelspitze, die aus mindestens einer Frau besteht. Sie ist damit Herausforderin der amtierenden Vorsitzenden Janine Wissler. Die hatte am Wochenende erklärt, auf dem Parteitag Ende Juni in Erfurt wieder antreten zu wollen. Für den Männerplatz in der Doppelspitze treten der EU-Co-Fraktionschef Martin Schirdewan und der Bundestagsabgeordnete Sören Pellmann an.

Die 34-jährige Reichinnek wurde im sachsen-anhaltischen Merseburg geboren, gehört aber dem niedersächsischen Landesverband an, den sie seit 2019 als Vorsitzende führt. 2021 rückte sie über den dritten Platz der Landesliste Niedersachsen in den Bundestag und ist frauenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion.

In der Partei wird Reichinnek nicht klar politisch verortet, gilt aber als enge Vertraute der Fraktionsvorsitzenden Amira Mohamed Ali, die eher dem linken Flügel um Sahra Wagenknecht zugerechnet wird. Aus der Partei heißt es jedoch, Reichinnek stehe politisch eher den gemäßigten Reformern um Dietmar Bartsch nahe.

Wie chancenreich Reichinneks Kandidatur ist, gilt als ungewiss. Wissler ist angeschlagen. In ihrer Zeit als Parteivorsitzende hat die Linke alle Wahlen verloren. Sie schaffte es nicht, ein Team mit ihrer Co-Vorsitzenden Susanne Hennig-Wellsow zu bilden, die schließlich ihren Posten abgab. Überdies gibt es Unklarheiten zu Wisslers Rolle in dem #MeToo-Skandal im hessischen Landesverband, in dem Wissler über Jahre Verantwortung trug.

Reichinnek findet in ihrer Erklärung klare Worte dazu: »Es muss unmissverständlich klar werden: Sexismus und erst recht sexualisierte Gewalt haben Konsequenzen und werden auf keiner Ebene unserer Partei toleriert!«

Zur viel kritisierten Vielstimmigkeit der Linken schreibt Reichinnek: »Mein Arbeitsstil ist kooperativ. Alles, was geklärt werden muss, muss zuerst in der Partei geklärt werden, damit wir nach außen mit einer Stimme sprechen. Erfolg braucht Geschlossenheit.« Dies ist auch als leichte Distanzierung von der Parteiikone Wagenknecht zu verstehen, die bei öffentlichen Äußerungen regelmäßig die Beschlusslage der Parteispitze ignoriert.