Linkspartei Kipping kokettiert mit Rückzug aus der Spitzenpolitik

Parteichefin? Fraktionsvorsitzende? Oder zweite Reihe? Katja Kippings künftige Rolle bei den Linken ist offen. Sie selbst gilt weiterhin als ambitioniert - öffentlich spricht sie nun aber vom Rückzug.

Linken-Chefin Katja Kipping
DPA

Linken-Chefin Katja Kipping


Katja Kipping habe nur eines im Sinn, sagen ihre Gegner bei den Linken seit Jahren: Sie wolle Fraktionsvorsitzende werden. Mittlerweile weist das die Parteichefin selbst auch längst nicht mehr so vehement von sich wie zu früheren Zeiten. Sie werde für den Posten in der Fraktion "diesen Sommer" nicht kandidieren, sagte sie kürzlich. Soll heißen: Zu einem späteren Zeitpunkt wäre sie durchaus bereit.

Doch so einfach ist das alles nicht: Zwar hat Kippings größte Kontrahentin, die bisherige Fraktionschefin Sahra Wagenknecht, ihren Rückzug angekündigt. Doch der jahrelange Dauerstreit bei den Linken hat auch Kipping jede Menge parteiinterne Feinde eingebracht. Eine Mehrheit wäre ihr überhaupt nicht sicher. Zugleich ist sie im kommenden Jahr acht Jahre Parteivorsitzende, die Satzung empfiehlt unverbindlich, dass dann jemand anderes übernehmen soll.

"Sehr verführerisch"

Gut möglich, dass Kipping am Ende ganz ohne Führungsposten dasteht. Das weiß sie auch selbst. Mittlerweile kokettiert sie sogar öffentlich mit ihrem Rückzug aus der Spitzenpolitik. "Ich finde ein Leben abseits der Führungsämter einfach sehr verführerisch", sagte sie der "Zeit".

Derzeit sehe sie für sich drei denkbare Szenarien: Eine Kandidatur als Spitzenkandidatin, was gleichbedeutend mit dem Fraktionsvorsitz wäre, eine erneute Kandidatur als Parteichefin - "oder ich ziehe mich aus der ersten Reihe zurück und agiere in der Linken als Freigeist und Fachpolitikerin".

Stand jetzt soll die neue Fraktionsspitze im Herbst gewählt werden. Die besten Chancen auf einen der beiden Führungsposten hat derzeit Dietmar Bartsch, der den Genossen im Bundestag mit Wagenknecht seit 2015 vorsteht - auch wenn sich manche in der Partei eine Kompletterneuerung wünschen. Offen ist derzeit aber vielmehr, welche Frau Bartschs Co-Fraktionschefin wird.

kev/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.