DDR-Vergangenheit Linke nimmt Merkel gegen Steinbrück in Schutz

Noch am Wochenende dienten sich die Linken der SPD als Koalitionspartner an. Doch jetzt kritisieren sie Peer Steinbrück massiv wegen Äußerungen des Kanzlerkandidaten über die DDR-Vergangenheit von Angela Merkel: "So jemand ist nicht wählbar", wettert Parteichef Bernd Riexinger.
Steinbrück: Für die Linken "nicht wählbar".

Steinbrück: Für die Linken "nicht wählbar".

Foto: Andreas Gebert/ dpa

Berlin - Die Linken nehmen Kanzlerin Angela Merkel gegen Kritik ihres Herausforderers Peer Steinbrück in Schutz. Steinbrück hatte in einer Diskussionsveranstaltung des Berliner "Tagesspiegels" kritisiert, der CDU-Chefin fehle es unter anderem wegen ihrer DDR-Herkunft an Leidenschaft für die Europapolitik. Steinbrück habe nicht die geringste Ahnung vom Osten, sagte Spitzenkandidat Gregor Gysi dem "Berliner Kurier". "Sowohl in der DDR als auch jetzt gab und gibt es einen ebenso großen Wunsch nach europäischer Integration wie in den alten Bundesländern."

Steinbrück war in der Diskussionsveranstaltung auf eine Äußerung von 2011 angesprochen worden, in dem er Merkels Europapolitik mit ihrer DDR-Herkunft in Zusammenhang bringt. "Ich halte daran fest: Die Tatsache, dass sie jedenfalls bis 1989/1990 eine ganz andere persönliche und politische Sozialisation erlebt hat als die, die diese europäische Integration seit Anfang der fünfziger Jahre erlebt haben, beginnend mit den Montanverträgen, das spielt in meinen Augen schon eine Rolle", sagte er, Steinbrück hatte aber hinzugefügt: "Das will ich nicht missverstanden haben als Vorwurf, denn sie konnte sich ja nicht aussuchen, ob sie auf der östlichen oder westlichen Seite Deutschlands und Europas aufgewachsen ist."

"Das ist eine bodenlose Unverschämtheit", wetterte auch Linken-Chef Bernd Riexinger. "Dafür muss sich Steinbrück entschuldigen, und wenn er es nicht tut, dann muss Gabriel nach Canossa gehen", sagte er der "Welt". "Das ist die schlimmste Entgleisung gegen Ostdeutsche seit Jahren." Mit seinen Äußerungen habe sich Steinbrück für die Kanzlerwahl "selbst aus dem Rennen genommen": "So jemand ist nicht wählbar." Die Linke werde jetzt offensiv im Osten um enttäuschte SPD-Wähler werben.

Noch am Wochenende hatten sich die Linken heftig als Koalitionspartner der SPD angedient. Bereits jetzt gebe es große inhaltliche Schnittmengen etwa bei Mindestlöhnen, gleicher Bezahlung von Männern und Frauen und der Abschaffung des Betreuungsgeldes, sagte Gysi. "Ihr Wahlprogramm kann die SPD mit uns am besten umsetzen."

Der CDU kamen Steinbrücks Äußerungen natürlich gelegen. Die Äußerung gehöre zur "Endloskette der Peinlichkeiten dieses Kandidaten", sagte Generalsekretär Hermann Gröhe. "Gerade Menschen, die in der früheren DDR, in Ost- und Mitteleuropa Freiheit, Demokratie und Menschenrechte schmerzlich vermisst haben, haben doch die Europäische Union stets als etwas verstanden, was mehr ist als Sicherheit fürs Portemonnaie."

als/dpa
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