Linken-Fraktionsspitze Gysi schmeichelt Wagenknecht

"Ich würde es ihr gönnen": Gregor Gysi kann sich vorstellen, dass ihn seine derzeitige Stellvertreterin Sahra Wagenknecht an der Fraktionsspitze der Linken beerbt. Die Lafontaine-Freundin entwickle sich positiv, lobt Gysi - und schwärmt von ihrer besonderen Wirkung auf Männer.
Fraktionschef Gysi, Stellvertreterin Wagenknecht: "Ich würde es ihr gönnen"

Fraktionschef Gysi, Stellvertreterin Wagenknecht: "Ich würde es ihr gönnen"

Foto: dapd

Berlin - Linken-Fraktionschef Gregor Gysi hält seine derzeitige Stellvertreterin Sahra Wagenknecht für eine geeignete Nachfolgerin. "Irgendwann steht der Generationswechsel an. Ich würde es ihr gönnen", sagte Gysi der Zeitschrift "Bunte". "Das Zeug dazu entwickelt sie."

Vor einigen Jahren habe er Wagenknechts Aufstieg nicht befürwortet, fügte der Fraktionschef hinzu. "Heute hat sie nicht nur Karl Marx, sondern auch Ludwig Erhard gelesen - und verstanden." Einen kleinen Seitenhieb konnte sich Gysi nicht verkneifen. Wagenknecht müsse nun noch lernen, ihre Erkenntnisse auch Leuten zu vermitteln, die sich kaum mit Politik beschäftigten.

Wagenknecht sitzt seit 2009 für die Linke im Bundestag. Seit November vergangenen Jahres ist sie Gysis erste Stellvertreterin. Sie gilt als prominenteste Vertreterin des linken Parteiflügels. Als Wortführerin der Kommunistischen Plattform hatte sie einst viel interne Kritik auf sich gezogen. Wagenknecht ist mit dem früheren Linken-Vorsitzenden Oskar Lafontaine liiert. "Sie hat einen distanzierten Charme, der Männer besonders reizt", schwärmte Gysi nun. "Und sie hat jetzt Zugang zu gehobenen Kreisen, deren Vertreter sie gern einladen."

Gysi äußerte sich zudem positiv über sein derzeitiges Verhältnis zu Lafontaine. Mit ihm verstehe er sich inzwischen gut. Die beiden sprächen "so deutlich miteinander wie nie zuvor, sagte der Fraktionschef. "Der Ton ist wieder besser geworden, wir meistern die Widersprüche." In Führungsstreit der Linken, bei dem es um die Rivalität zwischen Reformern und den radikaleren Kräften ging, hatten sich im Frühjahr auch Gysi und Lafontaine zerstritten.

phw/dpa/AFP