Linke Frontfrau Sahra Wagenknecht bricht eine Lanze für die Liebe

Es ist tradiertes linkes Gedankengut: Auch das Private ist politisch. Linken-Frontfrau Sahra Wagenknecht hat dieses Argument nun in einem Gastbeitrag für die "Zeit" aufgegriffen. Wer die Liebe hochhalte, müsse gegen den Allmachtsanspruch der Wirtschaft angehen, schreibt die Lafontaine-Freundin.

Wagenknecht, Lebensgefährte Lafontaine: Liebe ist politisch
DPA

Wagenknecht, Lebensgefährte Lafontaine: Liebe ist politisch


Hamburg - Es war eine ungewöhnliche Aufgabenstellung: Ausgerechnet die als Wiedergängerin der Kommunistin Rosa Luxemburg bezeichnete Sahra Wagenknecht hat einen Gastbeitrag über ein Bibelbuch geschrieben - allerdings ein äußerst romantisches: das Hohelied der Liebe. In ihrem Artikel für die "Zeit"-Beilage "Christ & Welt" plädiert die 43-jährige Linken-Frontfrau denn auch dafür, die Liebe politisch aufzufassen.

Konkret sei die Vorherrschaft der kapitalistischen Wirtschaft eine Bedrohung für die Liebe. "Wo Brutalität herrscht, Ausbeutung zunimmt und Hass gepredigt wird, schwindet das Terrain, auf dem Liebe gedeihen kann", schreibt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende in dem Beitrag. Wer Liebe als das Wertvollste im menschlichen Leben verstehe, müsse deshalb Gesellschaftsverhältnisse mit Unbehagen sehen, "in denen das menschliche Zusammenleben mehr und mehr kommerzialisiert und ökonomisiert wird".

Das Hohelied der Liebe sei der unausgesprochene Vorwurf an eine Zeit, "in der es ungleich höher honoriert wird, sinnlose Finanzvehikel zu kreieren und damit in Millisekunden Milliardenbeträge zu verschieben, als sich darum zu kümmern, dass alte Menschen liebevoll versorgt werden", schreibt die Politikerin. Im Vorjahr hatten Wagenknecht und der frühere Linken-Chef Oskar Lafontaine ihre Liebesbeziehung öffentlich gemacht.

fdi/dpa



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
Olaf 25.07.2012
1.
Zitat von sysopDPAEs ist tradiertes linkes Gedankengut: Auch das Private ist politisch. Linken-Frontfrau Sahra Wagenknecht hat dieses Argument nun in einem Gastbeitrag für die "Zeit" aufgegriffen. Wer die Liebe hochhalte, müsse gegen den Allmachtsanspruch der Wirtschaft angehen, schreibt die Lafontaine-Freundin. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,846405,00.html
Kommunisten und die Liebe. Wäre eigentlich eine Steilvorlage für Fleischhauers Kolumne.
spon-facebook-10000362828 25.07.2012
2. Nicht so kleinkariert !
"Ausgerechnet die als Wiedergängerin der Kommunistin Rosa Luxemburg bezeichnete Sahra Wagenknecht hat einen Gastbeitrag über ein Bibelbuch geschrieben" Wieso "ausgerechnet?" Rosa Luxemburg war eine große Liebende - lesen Sie mal ihre Briefe. Das ist kein Widerspruch. Ich für mein Teil freue mich über die Möglichkeiten von Sarah, mal über den Tellerrand hinauszugucken. Und im übrigen hat sie Recht: In einer Gesellschaft, in der ALLES verkommerzialisiert wird, hat es die bedingungslose Liebe verdammt schwer... wäre schön, wenn so einige Leute mal ihre Scheuklappen ablegen und ganz objektiv diesen Beitrag in der ZEIT lesen würden. Im übrigen finde ich es eine Frechheit, wenn Sarah Wagenknecht hier auf die Rolle der "Lafontaine-Freundin" reduziert wird. Meine Herren vom Spiegel-Sie haben Verspätung! Wir Frauen definieren uns längst nicht mehr als Anhängsel eines Mannes!
dencner 25.07.2012
3. nichts für eine Kolumne
Eine sehr bedenkens- und nachahmenswerte Lebenseinstellung, klug und weitsichtig. Dafür muss man kein Kommunist sein, weder rechts noch links sein. Deswegen ist der erste Kommentar ziemlich dumm und die Äußerungen von Frau Wagenknecht nichts für eine Kolumne, schon gar nicht für eine, die ebenfalls nach dem rechts-links-Schema vorgeht.
G.Real 25.07.2012
4. Der Kapitalismus zeigt die Zähne
Die gesamte politische und intellektuelle Elite in Deutschland, einschließlich der "Linken", war restlos überfordert, als nach der Wende das ganze Ausmass des wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Desasters in der ehemaligen DDR allmählich bekannt wurde: sie verstummte nicht nur, sondern hörte offenbar auch auf zu denken. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks hat niemand ernsthaft nachgedacht über die Folgen für den anderen, marktwirtschaftlichen (kapitalistischen) Teil der Welt: erst jetzt fangen einige wenige an zu begreifen, in welch ungeahntem Ausmass der Kapitalismus tatsächlich zur Verelendung der arbeitenden Bevölkerung beiträgt - wenn auch noch auf erträglichem Niveau: Man mag es als Fortschritt ansehen, dass z.B. Mütter durch Kinderkrippen, Tagesmütter, Ganztagsschulen, Heimarbeitsplätze eine größere Freiheit haben und besser einen Beruf ausüben können. Sicher ist, dass die Anzahl der Arbeitssuchenden steigt und damit der Preis für die Arbeit sinkt: das Arbeitsentgelt für eine Frau ist zudem immer noch niedriger als das für einen Mann. Wirtschaftliche Probleme sind wahrlich Sprengstoff für jede Beziehung. Wagenknecht hat eine sehr humanitäre Sicht geäußert. Dafür gebührt ihr Dank.
Analogkäse 25.07.2012
5. Ein sehr sehr kluger Satz- Eines Philosophen würdig...
"Wo Brutalität herrscht, Ausbeutung zunimmt und Hass gepredigt wird, schwindet das Terrain, auf dem Liebe gedeihen kann", schreibt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende in dem Beitrag. Wer Liebe als das Wertvollste im menschlichen Leben verstehe, müsse deshalb Gesellschaftsverhältnisse mit Unbehagen sehen, "in denen das menschliche Zusammenleben mehr und mehr kommerzialisiert und ökonomisiert wird".
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