#MeToo-Vorwürfe und Kritik an Außenpolitik Linke Landeschefin tritt aus und rechnet mit Wissler ab

Melanie Wery-Sims kandidierte für einen Führungsposten. Jetzt verlässt sie die Linken in Rheinland-Pfalz – auch, weil »ein spezieller Kreisvorsitzender« Bilder von ihr ungestraft als »Wichsvorlage« bezeichnen könne.
Ehemalige Linkenpolitikerin Melanie Wery-Sims

Ehemalige Linkenpolitikerin Melanie Wery-Sims

Foto:

Metodi Popow / IMAGO

Die Vorsitzende der rheinland-pfälzischen Linken, Melanie Wery-Sims, hat ihren Austritt aus der Partei verkündet. Auf Facebook geht sie mit der Partei hart ins Gericht. Hauptbeweggründe sind demnach der Umgang der Linken mit #MeToo-Vorwürfen und die außenpolitische Ausrichtung. Auch Parteichefin Janine Wissler wird in dem Beitrag massiv kritisiert.

Je höher sie in der Partei aufgestiegen sei, »desto hässlicher wurden jedoch die Auseinandersetzungen und Anfeindungen – gleichzeitig musste ich feststellen, wie wenig Mut und Rückgrat einige an den obersten Posten haben«, schreibt Wery-Sims auf Facebook.

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Der Umgang der Linken mit den #MeToo-Vorwürfen sei »unsäglich« und es gebe noch immer keine Konsequenzen. »So darf ein spezieller Kreisvorsitzender wohl weiterhin meine Fotos auf Facebook als Wichsvorlagen bezeichnen, einen anderen Genossen als ›behindert‹ betiteln (das Wort überhaupt als Beleidigung zu nutzen, ist schon ein Unding) und Mitarbeiter*innen beleidigen und bedrohen«, schreibt die Ex-Linke.

Im April hatte der SPIEGEL enthüllt, dass es im hessischen Linke-Landesverband über Jahre zu sexuellen Übergriffen gekommen sein soll . Zehn Männer und Frauen erhoben Vorwürfe gegen Mitglieder der Partei. Die Veröffentlichung erschütterte die Linke – zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Vorfälle war Wissler in führender Funktion in der Partei.

Wery-Sims geht in ihrem Facebook-Eintrag auch auf die Position der Linken zu Russland und dem Krieg in der Ukraine ein. In der Partei habe man ihr gesagt, als Landesvorsitzende müsse sie auch die »Putinversteher*innen« vertreten. »Das kann und möchte ich nicht, da es gegen all meine Prinzipien verstößt.« Als sie ein T-Shirt mit »FCK Putin« getragen habe, sei sie gefragt worden, wo denn ihr »FCK Obama«-T-Shirt sei.

Auseinandersetzung mit Wissler

Besonders heikel wird der Facebook-Post beim Thema der Kandidatur als Bundesschatzmeisterin. Wery-Sims hatte noch vor wenigen Wochen vor, das Amt auf dem Parteitag in Erfurt zu übernehmen. Doch vor dem Parteitag soll Wissler versucht haben, sie von einer Kandidatur abzubringen.

»Als ich für das Amt der Bundesschatzmeisterin kandidierte, sagte mir die Vorsitzende klipp und klar, dass sie mich dort nicht sieht. Denn ich müsse ja mit meinen Kindern nach Berlin ziehen, was sicherlich keine Option wäre«, schreibt Wery-Sims, und weiter: »Zudem könne man mich für das Amt nicht bezahlen, da nun alle finanziell zurückstecken müssen (aus dem Mund einer Bundestagsabgeordneten ist das eigentlich Realsatire).«

Wissler sitzt für die Linke im Bundestag. Auf eine Nachfrage des SPIEGEL sagte die Bundesparteivorsitzende zu den Vorwürfen: »Wie ich in der Austrittsbegründung wiedergegeben werde, weise ich zurück. Melanie Wery-Sims hatte mich vor dem Bundesparteitag um ein Telefonat gebeten wegen ihrer Kandidatur zur Bundesschatzmeisterin. In dem Telefonat habe ich ihr gesagt, dass ich den anderen Kandidaten Harald Wolf unterstütze. Für mich war es immer wichtig, in der Partei ehrlich in der Rückmeldung zu Kandidaturen zu sein. Das war ich auch in diesem Fall.«

Wery-Sims schreibt in ihrem Facebook-Eintrag: »Die Gründe sind noch viel komplexer, aber das würde nun zu weit führen. Aber alles zusammen brachte mich zu der Entscheidung, aus der Partei auszutreten.« Mit dem Wissen »vom Innersten« der Linken komme sie nicht klar. Ein simpler Rücktritt vom Landesvorsitz sei deshalb keine Option gewesen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, der Landesverband sei vorerst führungslos. Das ist nicht korrekt. Wir haben die entsprechende Stelle daher gestrichen.

til
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