Linkspartei Wagenknecht verzichtet auf Kandidatur

Wochenlang hat sie mit einer Kandidatur für das Amt der Vizevorsitzenden der Linkspartei geliebäugelt und damit Parteifreunde irritiert - jetzt zieht die Kommunistin Sahra Wagenknecht auf Druck der Partei zurück: Ihr Vorstoß sei als "Zerreißprobe mit gefährlichen Folgen hochstilisiert" worden.


Hamburg - Gregor Gysi dürfte an diesem Freitag aufatmen, vehement hat sich der Fraktionschef der Linken im Bundestag in den vergangenen Tagen gegen eine mögliche Kandidatur von Sahra Wagenknecht für das Amt der stellvertretenden Parteivorsitzenden ausgesprochen. "Das Signal wäre falsch", sagte Gysi dem "Rheinischen Merkur" und fügte hinzu: "Wir sind jetzt ein Jahr die Linke und nun soll Sahra Wagenknecht plötzlich das werden, was sie in der PDS nie geworden ist?"

Sahra Wagenknecht: Sorge vor "personalpolitischen Grabenkämpfen"
DDP

Sahra Wagenknecht: Sorge vor "personalpolitischen Grabenkämpfen"

Gysi war nicht der einzige, der Vorbehalte gegen eine Parteikarriere der Kommunistin und Europaabgeordneten äußerte. Auch Parteichef Lothar Bisky signalisierte zuvor seine Ablehnung. Zahlreiche Genossen fürchteten einen offenen Machtkampf auf dem Parteitag am 24. und 25. Mai in Cottbus - Wagenknecht, die einst als Vorstandsmitglied einen Beschluss der Partei zum Anti-Stalinismus nicht mittragen wollte, wäre aus Sicht vieler Genossen ein politischer Super-GAU gewesen.

Jetzt machte Wagenknecht ihren Rückzug öffentlich: "Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass meine mögliche Kandidatur zumindest von einigen nicht als normaler demokratischer Vorgang akzeptiert, sondern zur 'Zerreißprobe' mit gefährlichen Folgen hochstilisiert wird", heißt es in einer Presseerklärung der Politikerin. Sie wolle aber nicht, dass der erste Parteitag der neuen Linken "von personalpolitischen Grabenkämpfen" dominiert werde. Sie sei eines "unklaren Verhältnisses zum Stalinismus" bezichtigt worden - "ohne Belege, versteht sich, denn die wären schwerlich zu finden gewesen", schreibt Wagenknecht. Auf diese Weise sei "erheblicher Druck" erzeugt worden.

Wagenknecht gehört zur Kommunistischen Plattform der Linkspartei. Die Gruppierung mit rund 840 Mitgliedern wird vom Verfassungsschutz beobachtet und als "offen extremistischer Zusammenschluss" eingestuft.

hen



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