Ausgangsbeschränkungen und geschlossene Schulen Berchtesgadener Land verhängt Lockdown

Mit 272 Neuerkrankungen auf 100.000 Einwohner ist das Berchtesgadener Land zum Corona-Hotspot geworden. Nun dürfen Bewohner ihre Wohnung nur noch mit "triftigem Grund" verlassen.
Maskenpflicht in einer Fußgängerzone im bayerischen Landkreis Berchtesgadener Land

Maskenpflicht in einer Fußgängerzone im bayerischen Landkreis Berchtesgadener Land

Foto: Peter Kneffel / dpa

Erstmals seit dem Shutdown im Frühjahr gelten wegen extrem gestiegener Corona-Zahlen im bayerischen Landkreis Berchtesgadener Land nun strikte Ausgangsbeschränkungen. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist ab diesem Dienstag von 14 Uhr an nur noch bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt, wie Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) am Montagabend nach einer Krisensitzung mit Landratsamt und Regierung von Oberbayern in Bad Reichenhall mitteilte. Die bayernweit ersten Ausgangsbeschränkungen gelten vorerst für 14 Tage.

Zudem müssen Schulen und Kitas schließen. Es soll lediglich eine Notbetreuung geben, wie Landrat Bernhard Kern sagte. Auch Freizeiteinrichtungen aller Art sowie Restaurants dürfen nicht mehr öffnen. Ausnahmen gibt es nach Angaben von Landrat Kern unter anderem für Mitnahme-Angebote in der Gastronomie. Veranstaltungen werden untersagt, mit Ausnahme von Gottesdiensten. Hotels müssen ebenfalls schließen, außer für Übernachtungen für Geschäftsreisende.

Zu triftigen Gründen für das Verlassen der Wohnung zählen beispielsweise die Ausübung beruflicher Tätigkeiten, nötige Einkäufe, aber auch Sport und Bewegung an der frischen Luft - dies aber nur allein oder mit Angehörigen des eigenen Hausstands, wie Landrat Kern sagte. Die "Daumenschrauben" müssten nun angezogen werden.

Nach Angaben von Ministerin Kaniber lag im Landkreis die sogenannte 7-Tage-Inzidenz bei 272,8. Allein seit gestern habe es 57 Neuinfektionen gegeben. Das Robert Koch-Institut hatte am Montag (Stand: 0.00 Uhr) für den Landkreis noch eine 7-Tage-Inzidenz von 252,1 gemeldet - das war zunächst ein bundesweiter Rekord.

"Ausgangspunkt war auch wieder eine entsprechende Party"

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte am Montagmittag bereits angekündigt, das öffentliche Leben müsse im Berchtesgadener Land heruntergefahren werden. "Anders geht es nicht", sagte Söder. Die Kontakte der Infizierten könnten dort nicht mehr verfolgt werden. "Also müssen Kontakte fundamental beschränkt werden", sagte er.

Der Landkreis ist mit einer Bevölkerungsdichte von 126 pro Quadratkilometer vergleichsweise dünn besiedelt. Wie es zu der Infektionswelle kommen konnte, ist nicht genau geklärt. "Ausgangspunkt war auch wieder eine entsprechende Party", sagte Söder. Möglicherweise kommen weitere Infektionsherde infrage.

Auch die Nähe zu Österreich dränge zu einschneidenden Maßnahmen, sagte Söder. Wenn jetzt nicht konsequent gehandelt würde, sei die hohe Zahl nicht mehr zu reduzieren.

mfh/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.