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Lohndebatte Lammert attackiert Gehälter beim FC Bayern

Erst die Manager, jetzt die Sportler: Bundestagspräsident Lammert hat in einem Interview die Millionengehälter im Profifußball kritisiert. Vor allem der Vorzeigeclub FC Bayern zahle maßlose Summen für seine Spieler. Eine unterbezahlte Berufsgruppe hat Lammert aber ausgemacht: Politiker.

Hamburg - In der Debatte um gerechte Löhne hat Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) die Gehälter von Fußballprofis heftig kritisiert. "Ich ärgere mich erheblich über die Gehaltsexzesse, die wir seit Jahren im Sport - insbesondere im Fußball - erleben", sagte Lammert der "Bild am Sonntag". "Da setzt mein Fassungsvermögen inzwischen fast ganz aus."

Die Bayern-Spieler nach dem 6:0-Sieg gegen Saloniki: Dank an die Fans

Die Bayern-Spieler nach dem 6:0-Sieg gegen Saloniki: Dank an die Fans

Foto: DDP

Den FC Bayern München griff Lammert direkt an: "Wenn der wohlhabendste deutsche Fußballclub einen brasilianischen Jugendlichen für 14 Millionen Euro kauft und mit einem Einkommen ausstattet, das die meisten Familienväter über Jahre in harter Arbeit nicht erwirtschaften können, sind Maßstäbe verloren gegangen."

Der Verein hatte jüngst die Verpflichtung des 18-jährigen brasilianischen Abwehrspielers Breno bekanntgegeben. Der FC Bayern war bislang für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL), die die 36 Erst- und Zweitligisten vertritt, wollte sich zu Lammerts Vorwürfen nicht äußern. "Kein Kommentar", so DFL-Mediendirektor Tom Bender auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE.

Politiker dagegen verdienten "im Vergleich zu anderen Tätigkeiten sicher" zu wenig, sagte Parlamentspräsident Lammert. Wenn man "die Besten auch für die Politik gewinnen will, darf sich die Bezahlung nicht beliebig weit von den übrigen Standards entfernen". Ausdrücklich verteidigte Lammert die jüngst beschlossene Diätenerhöhung für Bundestagsabgeordnete: "Wir werden für einen Zeitraum von sechs Jahren das Einkommen der Abgeordneten in zwei Stufen um insgesamt 9,6 Prozent erhöhen", sagte er. "Damit bleiben wir erneut hinter der allgemeinen Einkommensentwicklung."

Forderungen nach einem Systemwechsel bei der Altersversorgung von Bundestagsabgeordneten wies Lammert zurück: "Mich persönlich überzeugt die Erwartung nicht, die Bezüge der Abgeordneten müssten sich an den Beamten orientieren, ihre Altersversorgung aber wie bei Freiberuflern organisiert sein." Doch werde die Debatte sicherlich weitergehen.

"Wir folgen dem Leitbild des ehrbaren Kaufmanns"

Mit der jüngsten Diätenerhöhung steigen die Bezüge der 613 Parlamentarier bis 2009 in zwei Schritten von derzeit 7009 auf dann 7668 Euro im Monat. Zum 1. Januar 2008 sollen sie sich um 330 Euro und Anfang 2009 um weitere 329 Euro erhöhen. Die Mehrkosten für 2008 belaufen sich auf 2,4 Millionen Euro, 2009 kommen weitere 2,4 Millionen Euro hinzu. Seit 2003 waren die Bezüge der Abgeordneten nicht mehr angehoben worden.

Seit Wochen stehen die Multimillionengehälter von Managern in der Kritik. Ver.di-Chef Frank Bsirske forderte gestern höhere Steuern auf überhöhte Gehälter. Die SPD bemüht sich um Gesetzesänderungen. SPD-Chef Kurt Beck räumte aber ein, dass die Vorstellungen seiner Partei und der der CDU noch weit auseinander lägen.

Gegen eine gesetzliche Regelung hatte sich der Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann, in einem ungewöhnlichen Aufruf gewandt. Via "Bild"-Zeitung forderte er 15.000 Unternehmer zum Widerstand auf. "Moral lässt sich nicht in Zahlen gießen, aber wir folgen dem Leitbild des ehrbaren Kaufmanns." Die Koalition warnte er vor Überlegungen, die Bezüge von Managern gesetzlich zu begrenzen.

ffr/dpa/ddp