Lüneburg Polizei verbietet Aufmarsch von Neonazis

Sie sollten auf eine andere Route ausweichen, doch das kam nicht in Frage: Rund 250 Rechtsextreme haben in Lüneburg teilweise gewalttätig auf das Verbot ihrer geplanten Demonstration reagiert. Zuvor hatten 2000 Menschen größtenteils friedlich gegen den Aufmarsch der Neonazis protestiert.


Lüneburg - Am Samstagnachmittag wollten die rund 250 Rechtsextremen durch Lüneburg marschieren und vor einem Szeneladen Mahnwachen postieren. Eine Sitzblockade von rund 170 Gegendemonstranten versperrte allerdings die Route. "Wir zeigen Zivilcourage, das wird von der Gesellschaft verlangt", sagte eine Frau zu Polizisten, als die Beamten die Blockade auflösten und von vielen Demonstranten die Personalien aufnahmen.

Polizisten und rechtsextreme Demonstranten in Lüneburg: 190 Strafverfahren eingeleitet
DPA

Polizisten und rechtsextreme Demonstranten in Lüneburg: 190 Strafverfahren eingeleitet

Da sich die Rechtsextremen anschließend weigerten, eine Ausweichstrecke zu nutzen, sei der Aufmarsch verboten worden, sagte ein Polizeisprecher. Teilnehmer der geplanten Demonstration hätten daraufhin mit Übergriffen auf die eingesetzten Beamten reagiert, sagte der Sprecher. Ob es Verletzte gab, war zunächst unklar.

Es seien Feuerwerkskörper, Schlagwaffen und Reizgas sichergestellt worden, berichtete die Polizei. Insgesamt wurden 190 Strafverfahren eingeleitet. Elf Menschen wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen. Gegen mehrere Rechtsextreme wurde Strafanzeige erstattet. Ihnen wird Landfriedensbruch, Volksverhetzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und das Verwenden verfassungsfeindlicher Symbole vorgeworfen.

Zuvor hatten rund 2000 Menschen weitgehend friedlich gegen den geplanten Aufmarsch der Rechtsextremen demonstriert. Unter dem Motto "Lüneburg ist bunt - Gegen Rechtsextremismus und Rassismus" hatte ein breites Bündnis zu dem Protest aufgerufen. An dem Protestzug beteiligten sich Vertreter von Gewerkschaften, Kirchen und aus der Politik. Sie forderten auf Transparenten "Gebt den Nazis keine Chance" und "Keine Geschäfte mit Nazis". Rund 2000 Polizisten waren während der Demonstrationen im Einsatz.

hut/dpa/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.