Luftschlag in Afghanistan Guttenberg bezweifelt Angemessenheit des Angriffs

Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg will den umstrittenen Luftangriff in Afghanistan neu beurteilen. Im ZDF sagte der Politiker, ihm seien "wesentliche Informationen" vorenthalten worden. Eine umfassende Aufklärung müsse unter Bundestagsbeteiligung erfolgen.

Verteidigungsminister zu Guttenberg: "Mangelhafte Information"
ddp

Verteidigungsminister zu Guttenberg: "Mangelhafte Information"


Berlin - Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat Zweifel geäußert, dass der von der Bundeswehr angeordnete Luftangriff in Afghanistan militärisch angemessen war.

Guttenberg sagte am Donnerstagabend im ZDF-"heute-journal", ihm seien "wesentliche Informationen" im Zusammenhang mit der Bombardierung von zwei Tanklastzügen Anfang September bei Kundus in Nordafghanistan "vorenthalten" worden. Seine frühere Beurteilung des Angriffs mit bis zu 172 Toten als "militärisch angemessen" habe auf dem einzigen ihm vorliegenden Bericht der Nato-Truppe Isaf beruht. Da nun neue Berichte vorlägen, werde er "mit Sicherheit" eine neue Beurteilung abgeben.

Warum es diese Vertuschung gegeben habe, müsse unter Beteiligung des Bundestages "umfassend aufgeklärt" werden, fügte Guttenberg hinzu. Es müsse aufgezeigt werden, welche Wege zu diesen "ungenügenden und mangelhaften Informationen" führten. Wegen ihrer möglichen strafrechtlichen Relevanz müssten die neuen Informationen an die Bundesanwaltschaft weitergeleitet werden, sagte Guttenberg. Auch hier seien "Transparenz und Klarheit" wichtig.

Guttenberg verteidigte die Demission von Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und Verteidigungs-Staatssekretär Peter Wichert. Zwar habe es "zwei verdiente Menschen" getroffen, die "harte Konsequenz" sei aber "notwendig" gewesen.

jok/AFP/AP

insgesamt 710 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
lebenslang 26.11.2009
1.
jung ist schnee von gestern !
ischrock 26.11.2009
2. Jungs Verhalten entspricht exakt
dem verwahrlosten Zustand dieser gebeutelten Republik. Mir stellt sich ernsthaft die Frage, warum deutsche Politiker es nicht fertigbringen, zu ihrem Versagen, ihrer mangelnden Verantwortung zu stehen und zurück zu treten. Das tut so weh, von verantwortungslosen Parteikadern fremdbestimmt und belogen zu werden. Eine meiner Antworten wäre, dass es sich wohl als Politiker, der sonst keine ordentliche Ausbildung und keine Qualifikation hat, in Deutschland vorzüglich leben läßt: die Knete stimmt und Verantwortung muß nicht getragen werden, egal was für eine Minderleistung erbracht wird: die fette Rente und alle anderen Privilegien winken. Da lohnt es sich schon, ehrlos zu sein! Wer will schon sein Luxusleben auf Kosten der Melkkuh Steuerzahler so einfach aufgeben? Ich sehen das mit großer Abscheu. Christlich nennt sich sowas auch noch - eine dreiste Verhöhnung Jesus.
SaT 26.11.2009
3. nichts falsch gemacht
Jung war einer der schlechtesten Verteidigungsminister (und das will was heißen nach Scharping). Sein Geschwätz vom "Stabilisierungseinsatz" mochte man am Ende gar nicht mehr hören. Aber ausgerechnet im Falle des besagten Luftangriffs hat er nichts falsch gemacht. Das er sich hinter seine Soldaten stellte war das mindeste was man von ihm erwarten konnte. Von zivilen Opfern brauch man nicht zu reden wenn man noch gar nicht weiß was Sache ist – hier hat eher MCChrystal einen schlechten Eindruck gemacht indem er seinem Verbündeten so in den Rücken gefallen ist. Übrigens weiß man auch heute nicht ob und wie viele Zivilisten unter den Opfer waren und wie viel Tote es gegeben hat. Frauen und Kleinkinder waren jedenfalls nicht darunter – ob andere Zivilisten oder Taliban waren wird man nie mit Sicherheit sagen können.
Gandhi, 26.11.2009
4. Jung ist ein guter Politiker
Als Kriegsminister, der nicht von Krieg sprach, hatte er viel Macht, Macht ueber Leben und Tod. Und er nutzte seine Macht, allerdings nicht so, wie es vorgesehen war, sondern er nutzte sie dazu, Fakten zu verschleiern (auch da ein guter Politiker). Man darf davon ausgehen, dass dem hoffentlich bald Minister a.D. sehr wohl die Berichte vorlagen, als er ganz nach dem US-Vorbild zivile Opfer noch ausschloss. Schliesslich war er der zustaendige Minister. Und wenn er die Berichte wirklich nicht sofort erhalten hatte, dann ist das ein Zeichen von inkompetenter Amtsfuehrung. Jedenfalls gab es keinen Grund (ausser Irrefuehrung) voreilig zu behaupten, es habe keine zivilen Opfer gegeben. Und wenn er sich heute noch verteidigt, dann ist das ein Beweis fuer seine Uneinsichtigkeit und Feigheit. Statt sich zu entschuldigen und zurueckzutreten versucht der Feigling sich zu verteidigen. So einer hat nichts in der Regierung verloren.
Knippi2006 26.11.2009
5.
Zitat von sysopDer jetzige Bundesarbeitminister Franz Josef Jung war unter Druck geraten, weil er im Zusammenhang mit dem Luftangriff in Afghanistan während seiner Amtszeit als Verteidigungsminister Angaben über Hintergründe und zivile Opfer zurückgehalten haben soll. Wie bewerten Sie Jungs Verhalten?
Inkompetenz gepaart mit Karrieregeilheit, Korruption und Verlogenheit kennzeichnen unsere politische Kaste seit vielen Jahren. Also wozu aufregen?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.