Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte "Ein Angriff auf uns alle"

Mit scharfen Worten hat Bundesjustizminister Maas die jüngsten Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte verurteilt. Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann sagte: "Bei uns ist kein Platz für Hass und Ausgrenzung."

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD): "Angriff auf uns alle"
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Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD): "Angriff auf uns alle"


Bayern, Sachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Hessen: In diesen Bundesländern wurden in diesem Jahr Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte verübt. Es wurden Häuser in Brand gesetzt, Scheiben eingeschlagen, Fassaden mit Schweineinnereien beschmiert und es fielen sogar Schüsse auf ein Asylbewerberheim. Die Attacken auf die Unterkünfte hatten in den vergangenen Wochen zugenommen.

Nun hat Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) die Anschläge scharf verurteilt. "Jeder Anschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft ist Angriff auf unsere Gesellschaft + ein Angriff auf uns alle. Es reicht!", twitterte der Minister.

Auch in der Nacht zum Sonntag sind Asylbewerber bedroht worden. Mutmaßliche Rechtsradikale griffen auf einem Dorffest im Landkreis Rostock sieben Menschen an. Die Angreifer, die offenbar betrunken waren und der rechten Szene angehören oder nahestehen sollen, umringten die Flüchtlinge, wie die Polizei mitteilte. Einer der Betrunkenen versetzte einem Asylbewerber einen Kopfstoß. Alarmierte Polizisten und Einheimische brachten die Migranten in Sicherheit. Dann gerieten die Beamten jedoch selbst in Bedrängnis, als die Angreifer auf sie losgingen. Die Polizei setzte Reizgas ein, die Angreifer flüchteten.

In Rostock-Warnemünde ist es am Samstagabend ebenfalls zu einem Angriff gekommen: Ein betrunkener Mann beschimpfte eine jamaikanische Urlauberin und ihren Sohn mit rassistischen Äußerungen. Als ein Begleiter der Frau dazwischen gehen wollte, wurde er laut Polizei von Männern, die mit dem Betrunkenen unterwegs gewesen waren, angegriffen und leicht verletzt. Die Täter flüchteten, als die Polizei alarmiert wurde.

"Niederträchtiger" Brandanschlag

Erst in der Nacht zum Samstag waren zwei Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte verübt worden: In einem Gebäude in Remchingen-Singen bei Karlsruhe verursachte ein Feuer einen Sachschaden in Höhe von rund 70.000 Euro. Die Polizei geht von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Das Haus sei als Asylbewerberunterkunft vorgesehen, habe aber noch leer gestanden.

Am frühen Samstagmorgen brannte es außerdem in der Garage einer Asylbewerberunterkunft in Waldaschaff im Landkreis Aschaffenburg. Niemand wurde bei den Anschlägen verletzt. Hinweise auf Täter gab es zunächst nicht, wie die Polizei am Sonntag mitteilte.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) bezeichnete den Brandanschlag in Remchingen-Singen als "niederträchtig". "Wir werden alles daran setzen, den Anschlag auf das geplante Flüchtlingsheim in Remchingen aufzuklären", sagte Kretschmann nach Informationen des SWR. "Bei uns ist kein Platz für Hass und Ausgrenzung."

Auch Bundespräsident Joachim Gauck hatte die Attacken auf die Unterkünfte von Flüchtlingen bereits mit deutlichen Worten kritisiert. Vor eineinhalb Wochen hatte er von "widerwärtigen Angriffen" gesprochen. Sie seien "unerträglich".

kha/AFP/dpa

insgesamt 25 Beiträge
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bartsuisse 19.07.2015
1. Höchste Zeit
dass endlich die Politik Stellung bezieht
kasam 19.07.2015
2. Sorry, aber da muss man mehr tun,
als nachher rumschreien, das es so was gibt. Die Polizei kennt viele von den üblich Verdächtigen und sollte viel mehr Präsenz zeigen. Das rechte Auge sollte schnellstens offen werden, denn sonst werfen solche Anschläge noch mehr Fragen auf----Sorry, aber die Couchpotatos sollten wirklich ihren Hintern erheben, denn solche Probleme kann man reduzieren oder ganz Herr werden---aber natürlich nur, wenn man will----
Rotter 19.07.2015
3. Diese
die mit Brandstiftungen die Aufnahme von Flüchtlingen verhindern wollen, sollten schauen, ob ihre Vorfahren nicht auch als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind; manche können aus ihrem Nachnamen ersehen, wo ihre Sippe herstammt (natürlich nur in männlicher Linie). Im übrigen leben in einem Land, das wie Deutschland mitten in Europa liegt, mehr Zuwanderer als an den Rändern; hier sind viele hängen geblieben, so dass man "Urdeutsche" kaum noch findet. Wer hat also das Recht, sich hier als Ureinwohner aufzuspielen?
FeiHung 19.07.2015
4. Relativierungen
Ich warte schon sehnsüchtig auf die seitenlangen Relativierungen, die nun folgen werden. Aber wie passen eigentlich jetzt Touristen in die dauernden Rechtfertigungen für rechtsextreme Angriffe? Die sind doch nun wirklich nur kurz da und lassen sogar noch Geld hier. Macht aber den Rechtsextremen eben nicht aus, solange die eine dunkle Hautfarbe haben. Und genau daran sieht man, dass all die Relativierungen und Rechtfertigungen eben einfach nur unterste Kanone sind.
ChrisQa 19.07.2015
5. Scham
Man muss sich schämen. Zum einen, dass solche Geschehnisse in unserem Land überhaupt vorkommen. Zum anderen, dass Frau Merkel sich hierzu bislang nicht geäussert hat. In anderen europäischen Ländern würde sich der Regierungschef in einer Rede an das Volk wenden. Frau Merkel hat das wohl nicht nötig. Stattdessen verschärft man die Asylgesetze, lenkt den Fokus auf die Balkanstaaten und verschliesst die Augen vor dem Elend jener, die unter Lebensgefahr das Mittelmeer durchqueren, auf der Flucht von Kriegen, die auch mit deutschen Waffen ausgetragen werden. Als Höhepunkt der Zynik sagt Frau Merkel stattdessen einem Kind, dass es in solch ein Bürgerkriegsland wohl abgeschoben wird. Sie kann da ja überhaupt nicht dafür, sie leitet ja nur unsere Regierung.
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