Verfahren wegen Geheimnisverrat MAD-Fahnder gab Ermittlungsdetails an KSK-Soldaten weiter

Bei den Ermittlungen gegen einen rechtsextremen KSK-Soldaten gibt es neue Ungereimtheiten. Nach SPIEGEL-Informationen gab ein Mitarbeiter des Geheimdienstes MAD brisante Unterlagen zu dem Fall an einen befreundeten KSK-Kämpfer weiter.
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Nach der Razzia bei einem mutmaßlich rechtsextremen Elitesoldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr wird nach SPIEGEL-Informationen gegen einen Mitarbeiter des Militärgeheimdiensts MAD ermittelt, weil er interne Unterlagen an einen anderen KSK-Soldaten weitergab und ihn damit vor weiteren Ermittlungen gewarnt haben könnte.

Aufgrund von Hinweisen des MAD hatte die Polizei im Mai im Garten des KSK-Oberstabsfeldwebels Philipp Sch. in Sachsen ein Waffenversteck mit zwei Kilo Bundeswehrsprengstoff, Tausenden Schuss Truppenmunition, einem Kalaschnikow-Sturmgewehr und reichlich Nazi-Devotionalien ausgehoben.

Kurz nach dem spektakulären Fund in Collm gab dann ein Oberstleutnant des MAD, der an den Ermittlungen gegen den Oberstabsfeldwebel Sch. beteiligt war, die Lichtbildmappe von den gefundenen Waffen an einen befreundeten Soldaten der Eliteeinheit weiter. Dabei soll er ihm geraten haben, wegen der laufenden Ermittlungen des MAD besonders vorsichtig zu sein.

Gegen den MAD-Oberstleutnant wird nun wegen Geheimnisverrat ermittelt. Nach SPIEGEL-Informationen wurde er umgehend vom Dienst suspendiert und hat keinen Zugang mehr zur MAD-Zentrale in Köln.

Der MAD bestätigte den heiklen Vorfall, wollte aber keine Details nennen. "Ein MAD-Mitarbeiter aus der Extremismusabwehr hat unberechtigt Informationen aus einer laufenden Verdachtsfallermittlung mit einem Angehörigen des KSK geteilt", sagte ein Sprecher am Donnerstag nach einer entsprechenden SPIEGEL-Anfrage.

Laut dem Sprecher sei der MAD durch eigene Ermittlungen auf das Leck in den eigenen Reihen gestoßen. "Wir dulden keine Verstöße gegen die Verschwiegenheit", sagte der Sprecher. Deswegen sei der Mitarbeiter umgehend suspendiert worden.

Der MAD betonte, dass der KSK-Soldat, der die Lichtbildmappe erhielt, keine Verdachtsperson des Geheimdiensts aus dem Bereich Rechtsextremismus ist. Nach bisherigem Stand seien die laufenden Ermittlungen durch die Indiskretion nicht gefährdet worden, allerdings werde weiter in dem Fall ermittelt.

Die mögliche Warnung ist besonders brisant, da die Fahnder vermuten, dass der in Haft sitzende KSK-Soldat Sch. sein Arsenal mit Bundeswehrmunition und Sprengstoff nicht ohne Mitwisser oder sogar Helfer bei der Elitetruppe entwendet haben kann. Mittlerweile haben die Ermittler anhand der Losnummern der gefundenen Munition festgestellt, dass fast das gesamte Waffenlager aus Beständen der KSK in Calw stammt.

Der MAD steht in dem Fall bereits massiv unter Druck, da der Truppengeheimdienst den Verfassungsschutz trotz einer erst im Sommer 2019 vereinbarten engen Kooperation nicht vorab über die geplante Durchsuchung bei dem KSK-Mann informiert hatte.

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