Plan von Olaf Scholz Walter-Borjans will Männervereine nicht sanktionieren

Olaf Scholz will Vereinen, die keine Frauen aufnehmen, Steuervorteile streichen. Das sei keine gute Idee, sagt sein SPD-Rivale Walter-Borjans. Er will das Thema den Vereinen selbst überlassen.

Norbert Walter-Borjans zu Geschlechterdiskriminierung in Vereinen: "Keine Angelegenheit des Finanzamts"
MICHELE TANTUSSI/EPA-EFE/REX

Norbert Walter-Borjans zu Geschlechterdiskriminierung in Vereinen: "Keine Angelegenheit des Finanzamts"


Kurz vor Beginn der Stichwahl um den SPD-Vorsitz stellt sich der Kandidat Norbert Walter-Borjans gegen die Pläne von Bundesfinanzminister Olaf Scholz für eine Reform des Gemeinnützigkeitsrechts. Walter-Borjans, selbst ehemals Finanzminister in Nordrhein-Westfalen, sagte der "Welt", reinen Männervereinen sollten nicht die Steuervorteile aberkannt werden.

"Auch heute noch bin ich der Meinung, dass die Durchsetzung keine Angelegenheit des Finanzamts sein sollte", sagte Walter-Borjans. Er hat es gemeinsam mit Saskia Esken in die Stichwahl gegen Scholz und Klara Geywitz geschafft, die am Dienstag beginnt und bis Ende November dauert. Entscheiden dürfen die SPD-Mitglieder, klare Favoriten gibt es bislang nicht.

Peter Rigaud/ DER SPIEGEL

Walter Borjans sagte, für Vereine, die sich der Traditionspflege verschrieben hätten und hohes soziales Engagement zeigten, dürfe die Gemeinnützigkeit nicht infrage stehen. Allerdings hätten diese Vereine sehr wohl den Auftrag, "ernsthaft über Satzungsänderungen nachzudenken, um den Zugang ohne Geschlechtsdiskriminierung zu erlauben".

Am Montagabend treffen die beiden Kandidatenduos in einem letzten TV-Duell aufeinander. Zuletzt hatte auch Olaf Scholz versucht, die Unterschiede deutlich zu machen - er kritisierte Walter-Borjans am Wochenende für dessen Aussagen zu einem möglichen Verzicht der SPD auf einen Kanzlerkandidaten bei der nächsten Bundestagswahl. "Wer das tut, macht die SPD klein", sagte Scholz.



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lutfikus 18.11.2019
1.
Man sieht, die SPD beschäftigen sich mit den wirklich wichtigen Dingen. Und die Presse berichtet begeistert und vorrangig darüber und stellt diese heraus. Wenn interessiert da schon das Rentensystem, der demographische Wandel oder gar die Entwicklung des Standortes Deutschland? Weiter so!
prisma-4d 18.11.2019
2. ....schade um die schöne Idee!
Dabei ist es eines der wichtigsten Probleme in Deutschland, die unterdrückte Frau. Und da wir alle gleich sind und die Frauen unterdrückt werden gilt dies nur für Männervereine. Selbstverständlich muss ein Männergesangsverein auch Frauen aufnehmen da die auch das Recht haben zu singen. Und natürlich darf der katholische Landfrauenbund die Aufnahme von männlichen Mittgliedern verweigern. Schließlich ist es der einzige Schutzraum vor den katholischen Männern die zur manifestierung ihres Herrschaftsanspruch oft auch in Schützenvereinen organisiert sind. Alles natürlich nur zur unterdrückung der Frau. Ich hoffe SPON versteht den Sarkasmus im Kommentar. Ein Detail gefällt mir besonders. Es geht ja nicht darum das die Vereine verboten werden sollen. Nein, ihnen geht nur die Gemiennützigkeit verloren. Es geht also nicht um Gerechtigkeit oder Gleichheit, sondern ums Geld. Ist mal also reich genug, kann man machen was man will. Wenn ich mir keine Sorgen ums Geld machen brauche, brauche ich mir auch keine Sorgen umd Gleichheit machen. Ist das die neuen Vorstellung einer sozialdemokratischen Welt? Die finanziell unabhängige Elite kann sich "Vereinen" und aushecken was sie will... wenn die Steuer (das Geld) stimmt ist alles OK und man kann dann ungestört unter sich bleiben, was ja wichtig ist, sonst ist man ja keine Elite mehr. So sieht es also in der SPD-Führung aus. Geld löst alle Problem, auch die der Gleichheit und Gerechtigkeit. Und da genug Geld da ist, kann man es auch großzügig verteilen.
frenchie3 18.11.2019
3. Wo liegt eigentlich das Problem?
Gemeinnützig bedeutet daß es der Gemeinschaft nützt, was man als solches deklariert sei mal dahingestellt. Gibt es einen Mehrnutzen wenn Frauen an der Sache mit rumbasteln? Oder ist das Ergebnis schlechter wenn es nur durch Männer erbracht wird? Um beim berühmten Chor zu bleiben: muß ein Seemannschor dann in Seemann und Seejungfrauenchor umbenannt werden? Konsequenterweise singen die dann auch Seefrauenlieder?
ilikebooks 18.11.2019
4. Ich fand Scholz' Forderung gut...
...und richtig. So einen Quatsch wie diese Herrenvereine hab ich schon lang nicht mehr gesehen. Muss alles weg.
hansi_wurst 18.11.2019
5. Totaler Blödsinn :))
Was ein Quatsch. Die Idee an sich...totaler Quatsch. Unser Burschenverein (wie heißt der dann eigentlich nach der Umstellung? Burschen- mit Fräulein-Verein? Oder die "Fröhlichen Brüder" - "Fröhliche Geschwister"?). Anfangen würde ich hier eher bei den katholischen Heuchlern - die Kirche verklagen, weil Frauen nicht katholische Priesterin werden dürfen. Ein Beruf mit Frauenquote bei 0% - dass da noch niemand von der Politik in diesen Zeiten gewettert hat frage ich mich eh schon lange. Aber egal. Was wäre der nächste Schritt? Gemischte Mann/Frau-Fußballmannschaften? Ach, da geht es ja um Leistung. Aber wenn Frau zu langsam oder einfach zu schlecht ist, dann kommt ein/e Frauenrechtler/in und klagt die Sturmposition ein. Wie bescheuert sind wir eigentlich? Noch ne Frage am Rande - ich mag den Scholz ja eigentlich gar nicht, muss ihn aber verteidigen. Kam das Ganze Trara nicht von einem Gericht und der Scholz muss das jetzt umsetzen?
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