Mahnung vom Altkanzler Schmidt tadelt Parteien für "Feigheit vor Meinungsumfragen"

Helmut Schmidt stichelt gegen die Volksparteien: Statt ihre gemeinsame Regierungsarbeit zu verteidigen, verhielten sich Union und SPD im Wahlkampf feige. Aber der Altkanzler fand auch lobende Worte - für Angela Merkel und Peer Steinbrück.

Altkanzler Schmidt: "Lieber Wortgefechte als trockene Rede vom Blatt"
dpa

Altkanzler Schmidt: "Lieber Wortgefechte als trockene Rede vom Blatt"


Hamburg - In einer SPD-Wahlkampfbroschüre ließ Kanzler Helmut Schmidt 1976 über sich verbreiten, ihm liege "das Wortgefecht mit dem politischen Gegner ... mehr als trockene Rede vom Blatt". Ähnliche Kampfeslust verlangt er 33 Jahre später von den Politikern, die sich am 27. September zur Wahl stellen.

Union und SPD wirft Schmidt "Feigheit vor Meinungsumfragen" im Wahlkampf vor. "Man hätte von beiden Regierungsparteien verlangen können, dass sie klar und deutlich verteidigen, was sie in den letzten vier Jahren gemeinsam getan haben. Aber das geschehe kaum, sagte Schmidt dem "ZEITmagazin". Auch würden Themen, "die die Menschen sehr berühren", nicht wirklich behandelt.

Der Altkanzler lobte dagegen die Bundesregierung für ihr Vorgehen in der Finanzkrise. Die Rettungsaktion nach dem Bankencrash von New York durch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sei "hervorragend" gewesen. "Diese beiden Personen haben ihre Sache so erstklassig und glaubwürdig gemacht, dass die Deutschen erstmals nicht mit ansteckender Angst reagiert haben", urteilte Schmidt, der von 1974 bis 1982 Kanzler einer sozialliberalen Koalition war. In seiner Amtszeit führte er Deutschland durch schwere Jahre der Ölkrise und Rezession.

Besorgt zeigte sich Schmidt im "ZEITmagazin" über die Entwicklung in Afghanistan. Dem islamistischen Terrornetzwerk al-Qaida habe der Westen nicht die Grundlage entzogen. Zwar sei in Afghanistan nichts mehr von dem Terrornetzwerk zu sehen, dafür aber im Westen Pakistans. "Man hätte vorher wissen können, dass man dieses Ziel mit den Mitteln, die man zur Verfügung hatte, nicht erreichen kann", sagte Schmidt. Den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan habe er von Anfang an mit Skepsis begleitet.

kgp/dpa/ddp



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Adran, 19.09.2009
1.
Zitat von sysopDer Wahlkampf brachte wenig Konfrontationen und Kontroversen zwischen den Regierungsparteien, das TV-Duell zeigte eher Harmonie als Streit. Wettkampf um Wählerstimme: nur eine Alibi-Veranstaltung von Union und SPD? Sollte angesichts der anstehenden Probleme vielleicht besser gleich die Große Koalition weitere vier Jahre im Amt bleiben?
geht´s noch? Wahlen abschaffen? Groko forever? Ich bin im falschen Film..
Der demographische Viktor, 19.09.2009
2. Die Zeit ist noch nicht reif für Rot/Rot/Grün - Schwarz/Gelb/Grün
Zitat von sysopDer Wahlkampf brachte wenig Konfrontationen und Kontroversen zwischen den Regierungsparteien, das TV-Duell zeigte eher Harmonie als Streit. Wettkampf um Wählerstimme: nur eine Alibi-Veranstaltung von Union und SPD? Sollte angesichts der anstehenden Probleme vielleicht besser gleich die Große Koalition weitere vier Jahre im Amt bleiben?
Das würde der SPD Zeit geben, sich neu zu formieren und alte überkommene Abgrenzungen zu überdenken. Der CDU bliebe die ganze Legislaturperiode die Alternative mit Gelb und Grün die große Koalition zu beenden. Nach den ersten 4 Jahren große Koalition sind die braun dunkelroten Ränder eher kleiner geworden... in Sachsen verlor die NPD deutlich Wähler. Die befürchtete Stärkung der Ränder durch Rot/Schwarz trat also nicht ein.
ddorfer 19.09.2009
3.
Zitat von sysopDer Wahlkampf brachte wenig Konfrontationen und Kontroversen zwischen den Regierungsparteien, das TV-Duell zeigte eher Harmonie als Streit. Wettkampf um Wählerstimme: nur eine Alibi-Veranstaltung von Union und SPD? Sollte angesichts der anstehenden Probleme vielleicht besser gleich die Große Koalition weitere vier Jahre im Amt bleiben?
Darauf läuft es wahrscheinlich hinaus,denn weder schwarz-gelb,noch rot-rot-grün werden eine klare Mehrheit haben. Und selbst wenn die zweite Konstellation eine Mehrheit bekäme,so denke ich nicht dass die SPD bereit ist mit der Linken auf Bundesebene zu koalieren,noch. So bleibt uns wenigstens Herr Westerwelle als Minister erspart :-).
Petra Raab 19.09.2009
4.
Zitat von sysopDer Wahlkampf brachte wenig Konfrontationen und Kontroversen zwischen den Regierungsparteien, das TV-Duell zeigte eher Harmonie als Streit. Wettkampf um Wählerstimme: nur eine Alibi-Veranstaltung von Union und SPD? Sollte angesichts der anstehenden Probleme vielleicht besser gleich die Große Koalition weitere vier Jahre im Amt bleiben?
Beide Parteien ob zusammen oder getrennt, haben es geschafft, dass von zwei Drittel der Mittelschicht, in 10 Jahren, ein Drittel in die Armut abgerutscht ist (http://www.wdr.de/themen/politik/1/hart_aber_fair/faktencheck_090729/index.jhtml). Wie um Himmelswillen, sollte einer von den beiden die anstehenden Probleme lösen, sie haben sie erst verursacht. Anhand dieser Umstände und der sehr ersichtlichen Harmonie dieser beiden Parteien, erkennt man nur, dass es im Grunde immer schon eine Partei war und der Wähler sich nur in dem Irrglauben befunden hat, dass es zwei wären.
SaT 19.09.2009
5.
Zitat von Adrangeht´s noch? Wahlen abschaffen? Groko forever? Ich bin im falschen Film..
Nein nicht für immer. Die "große Koalition" würde mit der Zeit klein werden (schon jetzt ist sie weitaus kleiner als noch beim ersten mal in den 60 er). Die SPD würde mit der Zeit eine Splitterpartei die sich nicht mehr einkriegt vor Freude wenn sie Zünglein an der Waage sein darf. Heute hat sie ja schon keinen Anspruch mehr darauf Volkspartei zu sein – ihr erklärtes Wahlziel ist Schwarz/Gelb zu verhindern und nicht selbst stark zu sein. Über drei Landtagswahlen mit 24%, 18%, 10% kommt ehrliche Freude auf. Man möchte den Wahlkampf von 2005 wiederholen. Wir erinnern uns an diesen sagenhaften Wahlkampf: Er endete mit einer Kanzlerin Merkel.
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