Nach Ansturm auf Mallorca-Flüge Bundesregierung bittet Bevölkerung, nicht in den Urlaub zu fahren

Kaum war Mallorca kein Risikogebiet mehr, schnellten die Flugbuchungen in die Höhe. Nun versucht die Bundesregierung, die reisehungrigen Deutschen zur Vernunft zu bringen.
Eurowings-Flieger am Flughafen von Palma de Mallorca

Eurowings-Flieger am Flughafen von Palma de Mallorca

Foto: Markus Mainka / Aviation-Stock / imago images

Endlich wieder Urlaub in der Sonne? Das war wohl die Hoffnung vieler Menschen, als bekannt wurde, dass Mallorca kein Corona-Risikogebiet mehr ist. Entsprechend rapide stiegen die Flugbuchungen an. Nun reagiert die Bundesregierung – mit der Bitte, den Urlaub zu canceln.

»Der Appell ist, auf jede nicht unbedingt notwendige Reise zu verzichten«, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Ähnlich äußerte sich die Sprecherin des Auswärtigen Amts, Maria Adebahr: »Das Fehlen einer Reisewarnung ist keine Einladung zum Reisen.« Die Entscheidung müsse aber jeder für sich treffen.

Die Bundesregierung hatte am Freitag entschieden, Mallorca und andere Regionen in Spanien, Portugal und Dänemark von der Liste der Corona-Risikogebiete zu streichen und damit auch die Reisewarnung des Auswärtigen Amts aufzuheben. Damit ist seit Sonntag Urlaub auf der Lieblingsinsel der Deutschen wieder ohne Quarantäne und Testpflicht bei der Rückkehr möglich. Lediglich bei der Einreise nach Spanien muss ein negativer Test vorgewiesen werden.

300 zusätzliche Flüge bei Eurowings

Nach der Entscheidung der Bundesregierung stiegen die Flugbuchungen für Mallorca sprunghaft an. Der größte Anbieter Eurowings legte deswegen für die Osterzeit 300 zusätzliche Flüge auf die Balearen-Insel auf. TUI will die ersten Hotels auf Mallorca nun bereits am nächsten Wochenende öffnen. In zwei Wochen beginnen in den meisten Bundesländern die Osterferien.

Als Risikogebiet werden die Länder und Regionen im Ausland eingestuft, in denen es mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in 7 Tagen gibt. Das gilt noch für den größten Teil Europas. Auf den Balearen betrug der Wert am Freitag aber nur noch 21,3.

Das führte auch zur Aufhebung der Reisewarnung, die eine kostenlose Stornierung von Buchungen ermöglicht. In den Reisehinweisen im Internet rät das Auswärtige Amt nun aber weiterhin von »nicht notwendigen, touristischen Reisen« ab. Das ist aber nicht mehr als eine Empfehlung, rechtliche Folgen hat das nicht.

Niedersachsen fordert Tests für Mallorca-Rückkehrer

Die niedersächsische Landesregierung denkt aufgrund der Mallorca-Buchungen nun über das Testen von Reiserückkehrern an Flughäfen nach. Der Chef der Staatskanzlei berate dazu gerade mit der Bundesregierung, sagte Regierungssprecherin Anke Pörksen am Montag in Hannover. Die Menschen, die nun nach Mallorca reisen wollten, müssten wissen, dass sie sich einem gewissen Risiko aussetzen.

Vor Ort träfen sich Menschen aus ganz Deutschland und Europa und es bestehe die Gefahr einer Verbreitung von Infektionen. Und selbst wenn am Flughafen ein PCR-Test negativ ausfalle, bedeute dies nicht, dass ein Reiserückkehrer das Virus nicht bereits in sich trage. »Man holt sich da sehenden Auges ein richtiges Problem ins Land«, meinte Pörksen.

»In den Urlaub fliegen muss niemand«, sagte die stellvertretende Leiterin des Corona-Krisenstabs der Landesregierung, Claudia Schröder. »Ich kann nur raten, sich das gut zu überlegen«, betonte sie. »Die Menschen werden nicht am Urlaubsort krank, sie stecken auf dem Weg zurück und zu Hause andere an und verbreiten das Virus weiter.«

Pörksen und Schröder betonten, dass ein niedersächsischer Alleingang im Umgang mit Reiserückkehrern, was Tests und eine Quarantäne angeht, keinen Sinn habe. Eine Regelung, für die es eine Rechtsgrundlage geben müsse, sei bundesweit zu treffen.

zob/dpa
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