Managerkritik Judenvergleich von Ökonom Sinn empört Politiker

"Unverantwortlich", "nicht bei Sinnen", "eine beispiellose Geschmacklosigkeit": Ökonom Hans-Werner Sinn hat die Managerkritik mit der Judenverfolgung verglichen - zum Entsetzen von Politikern und Kirchenvertretern. Der Zentralrat der Juden verlangt nun eine Entschuldigung.

Berlin - Sebastian Edathy sah sich zu einem wenig schmeichelhaften Wortspiel veranlasst: "Angesichts solcher Äußerungen hat man den Eindruck, Herr Sinn ist nicht bei Sinnen", sagte der SPD-Innenpolitiker dem "Kölner Stadt-Anzeiger" über den Präsidenten des Ifo-Instituts. Bankmanager, die für Fehlleistungen verantwortlich seien, würden "bekanntermaßen nicht wegen ihres religiösen Glaubens, sondern wegen ihres Handelns kritisiert", sagte Edathy.

Auch Volker Beck, Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen- Bundestagsfraktion, zeigte sich empört und sprach von einer "beispiellosen Geschmacklosigkeit". Beck forderte Sinn auf, seine Äußerung zurückzunehmen. "Die Wirtschaftskompetenz von Herrn Sinn mag in der Fachwelt strittig sein. Seine Geschichtsvergessenheit ist ab heute unumstritten."

Die evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann nannte Sinns Äußerungen unverantwortlich. "Die Juden waren die Opfer, bei den Banken wird zu Recht nach Verantwortlichen gefragt. Es ist unverantwortlich, da irgendeinen Vergleich zu ziehen", sagte sie der "Neuen Presse". Sie kenne Sinn als klugen Mann, sagte Käßmann. "Mir ist aber völlig unverständlich, wie jemand die menschenverachtende und zerstörerische nationalsozialistische Ideologie des Antijudaismus, die Millionen Menschen ermordet hat, in eine Verbindung mit der Frage nach den Verantwortlichen in der aktuellen Bankenkrise bringen kann."

Der Zentralrat der Juden in Deutschland forderte eine Entschuldigung von Sinn. Der Ifo-Chef solle seine Aussagen "so schnell wie möglich ohne Wenn und Aber zurücknehmen und sich entschuldigen", sagte Zentralrat-Generalsekretär Stephan Kramer. Der Vergleich sei "empörend, absurd und absolut deplaziert, eine Beleidigung der Opfer", sagte er der "Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung". "Mir wäre neu, dass Manager geschlagen, ermordet oder ins Konzentrationslager gesperrt würden."

Sinn hatte in der Diskussion um die Verursacher der weltweiten Finanzkrise die Wirtschaftsführer in Schutz genommen. Sinn sagte dem Berliner "Tagesspiegel": "In jeder Krise wird nach Schuldigen gesucht, nach Sündenböcken." In der Weltwirtschaftskrise von 1929 "hat es in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager".

hen/dpa/ddp

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.