Gescheiterter EU-Spitzenkandidat Weber "Was weh tut, ist die persönliche Diskreditierung"

Manfred Weber sollte Chef der EU-Kommission werden, doch dafür gab es keine Mehrheit. Nun hat sich der CSU-Politiker erneut darüber beklagt, wie man mit ihm umgegangen sei.

Manfred Weber
Patrick Seeger/ REX/ EPA-EFE

Manfred Weber


Der CSU-Politiker Manfred Weber hat den Umgang mit ihm bei seiner Niederlage im Postenpoker um den EU-Kommissionsvorsitz kritisiert. "Ich bin noch immer tief enttäuscht", sagte er der "Augsburger Allgemeinen". "Was weh tut, ist die persönliche Diskreditierung, die ich erfahren habe", sagte der 46-Jährige. Es sei für ihn als Mensch zentral, wie man miteinander umgehe.

Nach Ansicht des Europapolitikers hätten Sozialdemokraten und Liberale eine Mitschuld am Machtverlust des Europaparlaments. "Die Tatsache, dass Sozialdemokraten und Liberale im Europaparlament nicht den Führungsanspruch der stärksten Partei, nämlich der EVP, akzeptiert haben, hat das Parlament geschwächt", sagte Weber der Mediengruppe "Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung". Dies sei eigentlich eine "Selbstverständlichkeit im demokratischen Miteinander".

Stimmenfang #105 - Der EU-Postenpoker und Merkels Rolle hinter den Kulissen

Weber hatte nach der Europawahl weder im EU-Parlament noch bei den Staatschefs im Europäischen Rat eine Mehrheit für seine Wahl zum Kommissionschef hinter sich vereinen können. In der Folge hatte er dann zugunsten der bisherigen Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) seinen Verzicht auf das Spitzenamt erklärt.

"Ich habe mehrfach deutlich gemacht, dass das Paket, das beim EU-Gipfel entschieden wurde, nicht meines ist, aber ich trage es als Verantwortlicher mit", sagte Weber. Er wolle aber weiter in Brüssel an "dem demokratischen Europa arbeiten, das wir den Menschen bei der Wahl versprochen haben." Zunächst stehe aber erstmal Urlaub in der niederbayerischen Heimat mit seiner Frau und Freunden an.

hej/dpa/AFP



insgesamt 136 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Herr Knigge 13.07.2019
1. Teil des Problems
Diese komische Idee, dass die stärkste Kraft auch die Führung darstellt ist komplett an jedem demokratischen Verständnis vorbei. Die Mehrheit entscheidet - nicht die größte kleine Einheit. Und wenn sich 10 Parteien einig sind und damit 51% haben, dann kann die andere Partei 49% haben und trotzdem keinen Führungsanspruch haben. Es würde der Demokratie (auch in Deutschland) wirklich gut tun, wenn man mal vom Fraktionsdenken zum echten Mehrheitsdenken gehen würde. Zumindest die Direktmandate sollten ausschließlich ihrem Gewissen verpflichtet sein.
durch blick 13.07.2019
2. @all
Wie sich jemand als europäischer Spitzenkandidat fühlen kann der gerade mal auf der Wahlliste in Bayern stand erschließt sich mir immer noch nicht. Was dieser Vorgang mit Demokratie gemeinsam haben soll ebenfalls nicht. Gut ist auf jeden Fall eines, kein bayrischer Lobbyhanselamigo auf einem europäischen Spitzenamt. Es reicht die jahrzehntelange unsägliche Besetzung einer diversen Behörde in Berlin. Habe die Ehre DB
bereg 13.07.2019
3.
Herr Weber ist nicht mein Kandidat gewesen, aber seine Fraktion, und damit der Spitzenkandidat Weber hat nun mal die Wahl gewonnen. Dass jetzt aus Gnaden von Osteuropäischen Autokraten eine aus Hut gezauberte Kandidatin Eu-Präsidentin werden soll, ist etwas, was die Eu, ja die Demokratie nicht nur schächt, sondern bald umbringt. Orbán in Ungarn lässt sich feiern als einer, der die untergehende westliche Demokratie besiegt hat. Haben unsere Politiker keinen Berater, der ihnen die Konsekvenzen solchen Hinterzimmerentscheidungen klar macht?
bereg 13.07.2019
4.
Herr Weber ist nicht mein Kandidat gewesen, aber seine Fraktion, und damit der Spitzenkandidat Weber hat nun mal die Wahl gewonnen. Dass jetzt aus Gnaden von Osteuropäischen Autokraten eine aus Hut gezauberte Kandidatin Eu-Präsidentin werden soll, ist etwas, was die Eu, ja die Demokratie nicht nur schächt, sondern bald umbringt. Orbán in Ungarn lässt sich feiern als einer, der die untergehende westliche Demokratie besiegt hat. Haben unsere Politiker keinen Berater, der ihnen die Konsekvenzen solchen Hinterzimmerentscheidungen klar macht?
Michael Papke 13.07.2019
5. Woher kommt die Mehrheit für von der Leyen ?
Wenn Weber keine Mehrheit bekommt, dann liegen die Verhältnisse für vdL doch auch nicht anders. Diese Dame hat ihre Korruptheit allerdings schon positiv nachgewiesen, so dass ich persönlich es nicht gutheißen kann, dass sie ihre Beratergefolgschaft - die in allen von ihr geführten Ministerien schon genug Honorare abgegriffen haben - nun nach Brüssel an noch größere Fleischtöpfe führt. Das Parlament wäre gut beraten, Frau vdL durchfallen zu lassen: nicht nur aus demokratietheoretischen Erwägungen, sondern auch wider Inkompetenz und Korruption...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.