EU-Spitzenposten Weber spricht von "mächtigen Kräften, die das Wahlergebnis nicht akzeptieren wollten"

Wer ist Schuld daran, dass keiner der Spitzenkandidaten bei der EU-Wahl als Kommissionschef nominiert worden ist? CSU-Politiker Manfred Weber selbst sieht eine "Achse Macron und Orbán" am Werk.

Manfred Weber (CSU) in Berlin
DPA

Manfred Weber (CSU) in Berlin


Manfred Weber war bei der Europawahl als Spitzenkandidat der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP) angetreten - geht bei der Vergabe der EU-Spitzenposten aber leer aus. Im Interview mit der "Bild" sagte er nun: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der ungarische Regierungschef Viktor Orbán seien dafür verantwortlich, dass keiner der Spitzenkandidaten bei der EU-Wahl als Kommissionschef nominiert worden ist.

"Es gab Hinterzimmergespräche und Nachtsitzungen, bei denen sich die Achse Macron und Orbán durchgesetzt und das Spitzenkandidatenprinzip demontiert hat", sagte Weber. Und weiter: "Es gab mächtige Kräfte, die das Wahlergebnis nicht akzeptieren wollten."

Weber hatte sich Hoffnungen gemacht, Nachfolger von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zu werden. Macron machte aber schon vor der Wahl klar, dass er Weber wegen fehlender Regierungsarbeit nicht für geeignet hält.

Der EU-Sondergipfel zur Vergabe europäischer Spitzenposten nominierte nach dreitägigen Verhandlungen am Dienstag dann Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) als künftige Kommissionschefin. Zuvor war der Versuch gescheitert, den Niederländer Frans Timmermans als Spitzenkandidat der Sozialdemokraten zum Juncker-Nachfolger zu küren.

Stimmenfang #105 - Der EU-Postenpoker und Merkels Rolle hinter den Kulissen

Macrons Argument sei "absurd"

Weber kritisierte Macrons Zusammenarbeit mit Orbán in der Personalfrage. Diese habe zu einem "Scherbenhaufen" geführt, sagte er. Er verwies darauf, dass Macron im Wahlkampf Orbán noch angegriffen habe. "Und plötzlich arbeiten sie zusammen und beschädigen das demokratische Europa."

Macrons Argument, er habe keine Regierungserfahrung, sei "absurd", sagte Weber. Macron selbst habe auch nur wenig. "Die Wähler sollten über die Qualifikation entscheiden, sonst niemand." Er werde jetzt aber von der Leyen unterstützen, sagte der EVP-Fraktionschef. Weber erwartete aber einen "steinigen Weg", um eine Mehrheit für ihre Wahl im Parlament zu erreichen.

vks/AFP



insgesamt 78 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fsteinha 04.07.2019
1. Ich kann mit Weber nichts anfangen...
aber er hat recht. Nach der Logik von Macron dürften nur "qualifizierte" Personen, über deren Qualifikation natürlich er mitbefindet, an einen Posten bekommen. Die Eu muss langsam aus ihrem Mischmasch aus Staatenbund und Multistaat herauskommen und sich entscheiden ob nun das Parlament oder die Regierungen das Sagen haben.
skeptikerin007 04.07.2019
2. Was hat Weber erwartet?
Macron macht nie Hehl aus seinen Ablehnung, was die Deutschen betrifft. Wer anders glaubt, ist naiv. Orbans Deutschaffinität haben die Deutschen gänzlich zerstört. Weber hätte nicht zu der Spaltung beitragen sollen. Die Zeche werden alle zahlen.
noway2go 04.07.2019
3. Klare Sache...
... Schuld sind immer andere, vorzugsweise dunkle Mächte. Wen die Götter vernichten wollen... Hat sich da vielleicht jemand komplett falsch eingeschätzt bzw. Ist von irgendwem als Kanonenfutter ...hoch... gelobt worden? Ein Schelm, wer Arges dabei denkt, wen Mutti diesen völlig Unbekannten der CSU ...akzepiert..., damit die Schwester befriedet (im römischen Sinn) und ihn dann nach kurzem Ziehren abserviert. Der Herr war vor dem Beginn des sogenannten Wahlkampfes (in dem er als Spitzenkandidat nominiert war) ein völlig Unbekannter. Mit dem Charme eines Buchhalters mit Ärmelschonern.
lanzarot 04.07.2019
4.
Ich hoffe inständig, dass sich die Parlamentarier bewusst machen, weshalb sie DEMOKRATISCH gewählt wurden und diese Schweinerei durch die Nichtwahl v.d.L´s beenden.
spiegerlguckerl 04.07.2019
5. Ach nee, Manfred!
Spar uns Verschwörungstheorien!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.