Schröder, Müntefering, Dohnanyi Schwesig verbittet sich Kritik von SPD-Altvorderen

Drei SPD-Größen haben sich nach der Wahlschlappe mit Kritik gemeldet. Das sei "weder angebracht noch zielführend", sagt nun Parteivize Schwesig. Und Ex-Fraktionschef Oppermann erklärt, wann es eine GroKo gegeben hätte.

Manuela Schwesig
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Manuela Schwesig


Die SPD-Vizevorsitzende Manuela Schwesig hat sich Kritik ehemaliger Parteigrößen an der Neuaufstellung der Sozialdemokraten verbeten. "Es kann nicht sein, dass einzelne Sozialdemokraten mit Beiträgen von außen jetzt schon wieder Zensuren verteilen", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin der "Rheinischen Post". "Alle in der SPD sollten den Verantwortlichen in der Parteiführung und neuen Fraktionsführung zunächst die Chance geben, die Partei nach einer schweren Wahlniederlage neu aufzustellen."

Zuvor hatten sich gleich drei Altvordere der SPD kritisch über Parteichef Martin Schulz und die Führungsmannschaft geäußert: Altkanzler Gerhard Schröder befand, man habe sich zu früh auf die Opposition festgelegt. Der frühere Parteichef Franz Müntefering hätte den Partei- und den Fraktionsvorsitz lieber in einer Hand gesehen. Und der frühere Hamburger Bürgermeister und Bundesminister Klaus von Dohnanyi forderte Schulz zum Rücktritt auf.

"Ich finde solche Ratschläge jetzt weder angebracht noch zielführend", sagte Schwesig. "Jede und jeder sollte sich selbstkritisch fragen, warum die SPD das vierte Mal in Folge eine Bundestagswahl verloren hat."

Die SPD hatte bei der Wahl am vergangenen Sonntag 20,5 Prozent der Stimmen bekommen und daraufhin angekündigt, in die Opposition zu gehen. Rechnerisch läuft es nun auf eine Jamaikakoalition hinaus.

Oppermann: Mit 23 Prozent wären wir in große Koalition gegangen

Dass es schnell zu einer Einigung von Union, FDP und Grünen kommt, glaubt Ex-SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann offenbar nicht. "Die Koalitionsverhandlungen von Jamaika werden solange dauern, dass ich zweimal über die Alpen laufen kann", sagte er in der ZDF-Talkshow "Markus Lanz". Er geht aber davon aus, dass die Jamaikakoalition zustande kommen wird. "Die Grünen sind zu jeder Schandtat bereit", sagte Oppermann. Nur die CSU werde Probleme machen, weil sie wegen des großen Stimmenverlusts bei der Wahl "waidwund" geschossen sei.

Die SPD wäre laut Oppermann bei einem Wahlergebnis von 23 Prozent zu einer Neuauflage der großen Koalition bereit gewesen. In der SPD-Spitze sei man sich einig gewesen: "Wenn wir unter dieses Ergebnis fallen, dann bedeutet das, dass wir nicht wieder in eine große Koalition gehen sollten." Oppermann hat seinen Platz an der Fraktionsspitze inzwischen für die frühere Arbeitsministerin Andrea Nahles geräumt.

Auch Kanzleramtschef Peter Altmaier rechnet nicht mit einer schnellen Regierungsbildung. Vor vier Jahren sei die Einigung bis kurz vor Weihnachten geschafft worden, sagte der CDU-Politiker dem "Focus". "Das würde ich mir auch diesmal wünschen, aber entscheidend ist der Inhalt, nicht das Datum."

aar/dpa/Reuters



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viwaldi 29.09.2017
1. Von was redet Schwesig?
"Neu aufstellen " mit einem Schulz, der das schlechteste Ergebnis ever eingefahren hat und weitermachen will? Tante Schwesig widerspricht sich ja in jedem zweiten Satz. Euro Schulze ist durchgefallen, das Looser Image wird er nicht mehr los. Jung, frisch dynamisch sieht jedenfalls anders aus als dieser Zauselbart. Tja, Schulz: Wahl verloren, Abgang mit Würde verpasst. Wer Bürgermeister gespielt hat taugt halt noch lange nicht zum Bundeskanzler.
reilo 29.09.2017
2. Richtig Frau Schwesig ....
... ich habe Äußerungen der genannten Drei mit großer Verwunderung vernommen und weiß nicht, was die genommen haben. Mindestens Schröder und Müntefering haben den bisherigen Abgang der deutschen Sozialdemokratie zu verantworten. Schulz muss bleiben und auch sonst läuft es in der SPD nach der desaströsen Wahl alles richtig.
jojack 29.09.2017
3. Debattenscheue
Das Ergebnis der Bundestagswahl sollte doch eigentlich sowohl der CDU als auch der SPD Anlass für eine breite Debatte geben. Statt dessen gibt es Vorab-Festlegungen bei der SPD in Form einer Weigerung, in eine nächste GroKo zu gehen, Schulz als Vorsitzenden zu behalten und Nahles als Fraktionschefin zu installieren. Im Merkel-Kanzleramt mauert man sich dagegen ein - bloß keine Zweifel an der erneuten Kanzlerschaft Merkels. Klar geht "Jamaica" - Frau Merkel hat bekanntermaßen keine Skrupel, die Ideale ihrer Partei für die Macht zu opfern. Wahrscheinlich kommt sie den Grünen jetzt beim Zwangs-Veggie-Day entgegen. Sind das demokratische Parteien, oder was? Wo bleibt die öffentlich geführte Aufarbeitung der desaströsen Wahlergebnisse durch die Mitglieder? Merkel hat schon die Linie vorgegeben, wonach sie nichts falsch gemacht hätte. Und in der normalerweise wechselfreudigeren SPD sägt auch niemand am Stuhl von Schulz? Vielleicht war es ja doch keine so gute Idee, den in Deutschland unbekannten Eurokraten Martin Schulz zum Chef und Kanzlerkandidaten zu erheben? Nein, dafür darf man in der SPD nicht sprechen. Sagt Frau Schwesig.
Rosenhag 29.09.2017
4. Abgesang
Auch jetzt wieder denkt die SPD nicht an ihre Klientel sondern an sich selbst um ihrer selbst willen. Aber als Wahlverein für die Genossen wird sie untergehen.
einwerfer 29.09.2017
5. Ich liebe diese SPD
Da geben drei Altvordere Ratschläge/Zensuren, anstatt mal in sich zu gehen und zu überlegen, welchen Anteil sie am heutigen Zustand der SPD haben. Und Herr Oppermann plaudert aus, dass - entgegen den öffentlichen Bekundungen im Wahlkampf - doch an eine Neuauflage der GroKo gedacht wurde. Diese Partei braucht wahrlich keine Gegner, die sie zerlegen. Das schafft sie locker selbst. PS: und dass Genosse Schröder seinen 'Ratschlag' auf dem Deutschen Versicherungstag gibt, hat angesichts der unter seiner Kanzlerschaft betriebenen 'Privatisierung' der gesetzlichen Rente, nicht nur ein Geschmäckle sondern es stinkt ganz gewaltig.
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