Margareta Wolf "Die Kollegen von der CDU gingen ein größeres Risiko ein"

Sie war Grünen-Abgeordnete im Bundestag, dann Parlamentarische Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium - heute arbeitet sie als Kommunikationsberaterin. Die 50-jährige Wolf schwärmt von der Pizza-Connection: "Wir konnten miteinander."

Berlin - "Großartig, dass in Hamburg jetzt Realität werden kann, was mit unserer Pizza-Connection in Bonn begonnen hat. Wir wollten uns damals kennen lernen und schauen, ob es zwischen uns passt. Und es funktionierte, wir konnten miteinander. Viele kamen wie ich aus katholischen Elternhäusern, geprägt von der katholischen Soziallehre. Das war und ist eine kulturelle Brücke zwischen Grün und Schwarz. Diese Art von Brücke habe ich mit Sozialdemokraten eher selten erlebt.

Mit unseren Treffen beim Edel-Italiener 'Sassella' gingen die Kollegen von der CDU ein größeres Risiko ein als wir. Denn die waren ja in der Regierung. Wir haben uns immer im Keller getroffen, man musste vorher durchs Restaurant durch. Und einmal saß da eben auch Helmut Kohl. Kein Spaß für Gröhe, Röttgen und Co., die mussten direkt an ihm vorbei! Außerdem saßen da oben CDU-Beobachter, die wollten wissen, wer denn nun eigentlich mitmachte in dieser Pizza-Connection.

Es war schon richtig lustig, wir haben immer unglaublich lange zusammen gesessen. Vielleicht lag das am jungen Alter. Getrunken haben wir auch, klar. Das waren am Ende immer feuchtfröhliche Veranstaltungen. Und dann die Imitationen: Cem Özdemir und Volker Beck zum Beispiel haben ganz großartig Leute aus CDU und SPD nachmachen können und Geschichtchen erzählt. Ja, und Eckart von Klaeden konnte den Kohl ziemlich perfekt imitieren, von der Stimme her. Klasse.

Aber schwarz-grüne Kabinettslisten, wie sie Anfang der Achtziger Joschka Fischer, Otto Schily und Gerhard Schröder für Rot-Grün gemacht haben, das gab es bei uns nicht. Ist wohl eher ein Achtundsechziger-Phänomen. Wir haben inhaltlich diskutiert - und nicht die Machtfrage gestellt.

Für Schwarz-Grün in Hamburg bin ich guter Hoffnung, es ist eine historische Chance. Und in Hamburg passen die Parteien wirklich gut zusammen. Es ist eine Win-Win-Situation: Die Grünen können noch weiter ins bürgerlicher Spektrum reinkommen, die CDU erhält ein moderneres Image. Und auf der persönlichen Ebene kann ich nur sagen: CDUler sind verlässlicher als mancher Sozialdemokrat. Da ist mehr Rückgrat und Aufrichtigkeit. Zudem pflegen die Unionsleute einen ausgeprägt guten Lebensstil. Mit ihnen kann man außerhalb klassischer Arbeitsgruppen bei gutem Wein zusammen sitzen und fernab von Schubladen diskutieren. Die Hamburger Grünen sollten dies als Chance nutzen."

Aufgezeichnet von Sebastian Fischer

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