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Entgleisung der FDP-Politikerin Strack-Zimmermann unterstellt Scholz »autistische Züge«

FDP-Verteidigungsexpertin Strack-Zimmermann schimpft Olaf Scholz einen Rechthaber und versucht sich an einer psychologischen Ferndiagnose. Die SPD reagiert empört: »Das überschreitet eine rote Linie im demokratischen Wettbewerb.«
Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) in ihrem Büro im Paul-Löbe-Haus

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) in ihrem Büro im Paul-Löbe-Haus

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Marlena Waldthausen / DER SPIEGEL

Die FDP-Spitzenkandidatin zur Europawahl, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, hat sich mit ungewöhnlich scharfer Wortwahl über den Politikstil von Kanzler Olaf Scholz ausgelassen. »Man erreicht ihn nicht, weil er ein krasser Rechthaber ist«, sagte sie der »Neuen Osnabrücker Zeitung« . »Nach drei Jahren stelle ich fest, dass er geradezu autistische Züge hat, sowohl was seine sozialen Kontakte in die Politik betrifft als auch sein Unvermögen, den Bürgern sein Handeln zu erklären.«

SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert wies die Einlassung zurück und warf Strack-Zimmermann Respektlosigkeit vor. »Wer keine Argumente mehr hat, der würdigt den politischen Mitbewerber verbal herab. Bei Frau Strack-Zimmermann ist es längst zur Methode geworden, andere Meinungen unter Zuhilfenahme von Kraftausdrücken anzugreifen«, sagte er der »Rheinischen Post «. »Ihre respektlose Psychologisierung des Bundeskanzlers bildet hierbei nur die Spitze des Eisberges.« Die FDP-Politikerin bewerbe sich auf einen Sitz im Europäischen Parlament. »Sollte sie dort auch so auftreten, wie sie es in Deutschland bislang tut, dann wird das dem Ansehen der Bundesrepublik und unserer parlamentarischen Kultur nicht zuträglich sein«, sagte Kühnert.

Die SPD-Spitzenkandidatin für die Europawahl, Katarina Barley, sieht in Strack-Zimmermanns Äußerungen eine »Pathologisierung des Konkurrenten« Scholz. »Das überschreitet eine rote Linie im demokratischen Wettbewerb«, sagte Barley der »Neuen Osnabrücker Zeitung «. Sie merke, »wie Maß und Mitte in der Debatte verloren gehen«. Über Scholz sagte Barley, sie sei »froh, dass der Kanzler überlegt, bevor er entscheidet, und dann besonnen handelt«. Seine ruhige Art sei eine Tugend.

Persönlich kennt Strack-Zimmermann Scholz nicht lang

Strack-Zimmermann ist lautstarke Befürworterin einer weitreichenden Unterstützung der Ukraine im Krieg gegen Russland. In diesem Zusammenhang ist sie immer wieder mit harter Kritik an Scholz aufgefallen, dem sie wiederholt Zögerlichkeit bei den Waffenlieferungen an Kiew vorwarf. Die FDP-Verteidigungsexpertin betonte nun, ihre Kritik beziehe sich nicht nur auf den Ukrainekurs des Kanzlers. »Das betrifft alle Belange und wird mir auch von seinen Parteifreunden bestätigt.«

Strack-Zimmermann sagte weiter, sie habe Scholz vor seiner Zeit als Kanzler nicht persönlich gekannt. Stattdessen habe sie ihn aus der Opposition heraus beobachtet und kritisiert. Jetzt urteilt sie, Scholz handle nur aufgrund von Meinungsumfragen in der Bevölkerung. Dies habe er sich bei Angela Merkel abgeschaut, so Strack-Zimmermann weiter.

Strack-Zimmermann, bislang Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestags, ist Spitzenkandidatin der FDP für die Europawahl. Diese findet in Deutschland am 9. Juni statt.

lpz/AFP/dpa