Wahlkampfsong als Web-Hit "Wir haben die Idee, das ist die SPDeeeee"

Der SPD-Mann Mario Hennig hat geschafft, was viele Wahlkämpfer wollen: Er ist binnen weniger Stunden einem breiten Publikum bekannt geworden - durch einen skurrilen Song namens "Harzer Septemberwind". Mit diesem Grad an Aufmerksamkeit hatte er allerdings nicht gerechnet.

Screenshot von Soundcloud: So präsentiert Mario Hennig seinen Wahlkampfsong

Screenshot von Soundcloud: So präsentiert Mario Hennig seinen Wahlkampfsong

Von Theresa Breuer


Berlin - Ob es das war, was Peer Steinbrück meinte, als er im Herbst einen unterhaltsamen Wahlkampf versprach, bei dem "auch mal ein bisschen Witz" entstehen dürfe, sei dahingestellt. Es scheint aber zumindest, als habe sich Mario Hennig die Worte des SPD-Kanzlerkandidaten zu Herzen genommen. Der Gewerkschaftssekretär kandidiert im Wahlkreis Harz in Sachsen-Anhalt. Diesen Herbst will er das erste Mal für die Sozialdemokraten in den Bundestag einziehen. Und um potentiellen Wählern mitzuteilen, warum sie ausgerechnet ihn beziehungsweise die SPD wählen sollen, hat er kurzerhand einen Song geschrieben.

Ursprünglich sollte ihm sein selbstkomponiertes Stück "Harzer Septemberwind" die Stimmen der Wähler und das Bundestagsmandat sichern. Doch jetzt hat es aus ihm noch etwas anderes gemacht: einen Internetstar. Binnen weniger Stunden nach Veröffentlichung geisterte der Song durch alle sozialen Netzwerke und wurde dort fleißig kommentiert - wenn auch nicht unbedingt schmeichelhaft. "Comedy vom Feinsten", schreibt ein User, "Aua, aua", ein anderer.

Lied und Kommentare finden Sie hier:

Vom Klang her bewegt sich der Wahlkampfsong zwischen Rummelplatztechno und Schlagerparade. Und so klingt auch der Text: "Es wird ein irres Jahr, wie es schon lang nicht war", beginnt das Stück. Es folgen holprige Reime wie "bei uns wird Rot gewählt, sich das von selbst versteht" und Verse wie "wir haben die Idee, das ist die SPD".

Dabei wird SPD wie SPDeeeee ausgesprochen, das langgezogene E ist eine Überleitung zum Refrain, der Mario Hennig als "Garant für ein sozialgerechtes Land" anpreist. Ein Lied zum Mitschunkeln und mit simpler Botschaft: Nach der Bundestagswahl im September soll endlich ein anderer Wind in der Republik wehen und die SPD wieder an die Regierung kommen. Ein bisschen Sehnsucht nach "Wind of Change" auf Sachsen-Anhaltinisch.

Hennig will mit dem Lied die Wahlbeteiligung ankurbeln

Der Wahlkampfsong mag nicht jedermanns Sache sein, das gibt der Komponist auch selbst zu. "Er war als Aufheiterung gedacht, nicht um politische Inhalte zu vermitteln", sagte Hennig SPIEGEL ONLINE. Trotzdem freut er sich über die große Resonanz, die sein Lied ausgelöst hat. "Ich bin positiv erschrocken", sagt er. Bundesweite Bekanntheit könne schließlich nicht schaden. "Wir leben in Sachsen-Anhalt ja auch vom Tourismus", so Hennig. "Vielleicht lenkt der Song ein bisschen Aufmerksamkeit auf die Region."

Hennig hat das Lied gemeinsam mit seinem Freund Rainer Günther produziert und in dessen Tonstudio aufgenommen. Es ist auch Günther, der es singt, nicht Hennig. "Das kann ich nicht", sagt der SPD-Mann. Die Idee zu dem Stück hatten die beiden, als sie sich über die Wahlbeteiligung in Sachsen-Anhalt unterhalten haben. "Zur Bundestagswahl 2009 lag die Beteiligung bei gerade einmal 60 Prozent", sagt Hennig. "Ich hatte gehofft, mit dem Lied auch Leute anzusprechen, die sich sonst nicht so sehr für Politik interessieren."

Mario Hennig ist nicht der erste Kandidat, der sich oder seine Partei mit einem Lied bewirbt. Sein Stück steht in einer Tradition von mehr oder weniger gelungenem musikalischem Engagement der Parteien in Deutschland.

  • Die CDU in Niedersachsen hatte zur Landtagswahl 2012 etwa mit "So machen wir das" ihre Liebe zu Land und Kandidat David McAllister bekundet - inklusive Dudelsackmusik für den Ministerpräsidenten mit schottischen Wurzeln.
  • Die Grünen veröffentlichten 2010 in Nordrhein-Westfalen den Song "Du machst den Unterschied" der sich mit pseudojugendlicher Sprache bei Erstwählern anbiedert ("Du hast gerafft, dass es nur eine Welt gibt" und "damit bringst du die Meute zum Tanzen").
  • Und die FDP hat voriges Jahr ein Rapperduo namens Jaice vorgeschickt, um einem jungen Publikum etwas über liberale Werte zu erzählen. Im Musikvideo trägt ein Rapper eine blaue Adidasjacke, der andere eine gelbe - die Farben der Partei.

Die Frage, ob sich Wahlkampflieder auf ein Wahlergebnis auswirken oder gar wahlentscheidend sein können, ist von Forschern bislang vernachlässigt worden. Mario Hennig hofft zumindest, dass ihm sein "Harzer Septemberwind" nicht schaden wird.

insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
Toe Jam 20.06.2013
1.
Ich erinnere mich noch, wie der Spiegel David McAllisters Lied 2012 als total peinlich abtat, weil einige User auf Youtube das natürgemäß ätzend fanden. Und dieses Machwerk des SPD-Heinis soll dagegen ein Web-Hit sein? Spon, ihr habt sie echt nicht mehr alle.
Dragonborn 20.06.2013
2. ????
Was soll dieses Kaspertheater? Zum Abwählen! Ach Moment, die sind ja eh nicht an der Macht. Bin zwar mit Merkel nicht ganz zufrieden, aber wen soll man denn sonst wählen? Kommt mir bloss nicht mit "Protestparteien". Bei allen Mängeln scheint wirklich nur noch die CDU halbwegs ein paar Tassen im Schrank behalten zu haben, aber ich kotz, wenn ich an eine Koalition mit der FDP denke.
elvis12 20.06.2013
3. Super,
wenn Steinbrück das zusammen mit Gabriel im Duett singt, dann hat er meine Stimme - als Sänger im Ballermann
cato. 20.06.2013
4. ...
Zitat von sysopDer SPD-Mann Mario Hennig hat geschafft, was viele Wahlkämpfer wollen: Er ist binnen weniger Stunden einem breiten Publikum bekannt geworden - durch einen skurrilen Song namens "Harzer Septemberwind". Mit diesem Grad an Aufmerksamkeit hatte er allerdings nicht gerechnet. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/mario-hennig-aus-sachsen-anhalt-spd-kandidat-komponiert-wahlkampfsong-a-906974.html
Sollte man das Lied, sofern es sich dabei um einen Web-Hit handelt, nicht zumindest bei Youtube finden ?
WernerS 20.06.2013
5. Rudi Carrrrrell
...und schuld daran ist nur die SPDeeeeeeeeeeeeeee
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