Umfrage Unionsanhänger halten Söder für den besten Kanzlerkandidaten

Markus Söder gefällt sich und vielen Menschen als Krisenmanager. Kanzler will der CSU-Chef angeblich nicht werden. Dabei glaubt laut SPIEGEL-Umfrage eine Mehrheit, dass die Union mit ihm die besten Chancen hätte.
Markus Söder (hinter weiß-blauer Maske): 46 Prozent wünschen ihn als Kanzler

Markus Söder (hinter weiß-blauer Maske): 46 Prozent wünschen ihn als Kanzler

Foto:

Sven Hoppe/ dpa

Eigentlich hätte die CDU seit ein paar Tagen einen neuen Vorsitzenden haben sollen. Doch der für den 25. April geplante Parteitag ist wie alle Großveranstaltungen in diesen Tagen und Wochen der Coronakrise zum Opfer gefallen. Nun wird die Entscheidung wohl erst im Dezember fallen, wenn die Delegierten sich regulär wieder treffen sollen.

Der Machtkampf in der CDU ist also vertagt. Niemanden interessiere derzeit das Rennen um den Vorsitz, beteuern die Nochchefin Annegret Kramp-Karrenbauer und ihre potenziellen Erben.

Das gilt auch für die Frage nach der Kanzlerkandidatur der Union für die Bundestagswahl 2021, die eng mit der Führungsfrage in der CDU verbunden ist. Man kann den Beteiligten durchaus abnehmen, dass sie in der Coronakrise nicht aus machttaktischen Erwägungen handeln. Andersherum aber hat ihr Handeln sehr wohl spürbare Auswirkungen auf die politische Stimmung - und damit womöglich auch auf die Debatte über das künftige Spitzenpersonal der Union.

46 Prozent empfehlen der Union Markus Söder

So glauben inzwischen knapp 46 Prozent der Deutschen, dass CDU und CSU mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder als Spitzenkandidat die besten Chancen bei der Wahl im kommenden Jahr hätte. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die das Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag des SPIEGEL durchgeführt hat.

Dabei beteuert Söder, selbst ernanntes Mitglied der "Gemeinschaft der Umsichtigen" in der Coronakrise, gar nicht Kanzler werden zu wollen. Sein Platz sei in Bayern, "da können andere beruhigt sein", sagte er erst Ende März dem SPIEGEL . Umso mehr dürfte das Umfrageergebnis die anderen Aspiranten beunruhigen.

Weder Friedrich Merz, der als einer der Favoriten auf den CDU-Vorsitz galt und als Parteichef wohl auch die Kanzlerkandidatur beanspruchen würde, noch einer der anderen Bewerber kommen annähernd an Söders Wert heran.

Nur 14 Prozent sehen Merz als den Kandidaten an, mit dem die Union 2021 die besten Chancen hätte. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet, der sich für seine Bewerbung um die CDU-Führung mit Gesundheitsminister Jens Spahn verbündet hat, kommt auf gerade einmal 8,6 Prozent. Spahn hätte als Einzelbewerber nach Einschätzung der Befragten noch schlechtere Aussichten. Mit fünf Prozent der Stimmen wird er nur von Norbert Röttgen unterboten, der es auf drei Prozent schafft.

Die Daten wurden vom 27. bis 28. April erhoben, der Stichprobenfehler liegt bei 2,5 Prozentpunkten.

Die Popularität Söders ist vor allem bei den Unionsanhängern groß. Wie die Auswertung der Daten nach Wahlabsicht zeigt, halten von ihnen fast 68 Prozent den CSU-Chef für den aussichtsreichsten Kandidaten.

Friedrich Merz kommt bei den Sympathisanten von CDU und CSU nur auf magere 16 Prozent, Armin Laschet sogar nur auf vier Prozent - das ist weniger als aus allen anderen politischen Lagern. Auch die Anhänger anderer Parteien - die ihn wohl nicht wählen würden - sehen zumeist in Söder den Mann mit den besten Chancen. Merz kann der Umfrage zufolge vor allem beim Klientel von FDP und AfD noch mit dem CSU-Chef mithalten.

Durch die Aufschlüsselung nach Wahlabsicht liegt der Stichprobenfehler im Bereich von 3,3 Prozent bei den Anhängern von CDU/CSU und 9,1 Prozent für die Kategorie "Sonstige". Kleinere Differenzen können also dem statistischen Fehler unterliegen, die Resultate von Spahn und Röttgen lassen kaum Schlüsse zu.

Söders Aufstieg jedoch ist eindeutig: Noch im Februar hatte Merz in einer vergleichbaren Civey-Umfrage gut 60 Prozent der Unionsanhänger überzeugt, Laschet immerhin knapp neun Prozent. Der bayerische Ministerpräsident kam lediglich auf 13 Prozent.

Aufwärtstrend der Union gestoppt, Grüne bremsen Absturz

In der Sonntagsfrage von Civey hält sich die Union seit knapp drei Wochen über 38 Prozent. Der starke Aufwärtstrend begann mit Einführung der ersten Corona-Restriktionen Mitte März, inzwischen scheint ein Plateau erreicht.

Gleiches gilt unter umgekehrten Vorzeichen für die Grünen, die von über 20 Prozent auf gut 14 Prozent abgestürzt sind, sich nun aber offenbar gefangen haben. Die SPD tritt weiter auf der Stelle, die Differenz zu den Grünen liegt allerdings im statistischen Fehlerbereich von 2,5 Prozentpunkten.

Für die aktuelle Umfrage wurden Antworten von 12.297 Befragten aus dem Zeitraum 21. April bis 28. April 2020 berücksichtigt.

Die AfD lag zuletzt wieder konstant über zehn Prozent und erholte sich etwas von ihrem Tief im März. Die FDP legt leicht zu und rückt näher an Die Linke heran, die bei gut sieben Prozent verharrt.

mes
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.