CSU-Chef Söder "Die Grünen sind der Hauptkonkurrent"

CSU-Chef Markus Söder warnt die Union vor einer "einseitigen Fixierung nach Rechtsaußen". Er will sich stärker mit den Grünen auseinandersetzen und bezeichnet diese als neue linke Volkspartei.

Markus Söder: "Man kann im Osten Wahlen verlieren, aber gewinnen muss man sie im Westen"
Andreas Gebert/ REUTERS

Markus Söder: "Man kann im Osten Wahlen verlieren, aber gewinnen muss man sie im Westen"


Der Wahlerfolg der AfD in Thüringen treibt die deutsche Politik um. Doch CSU-Chef Markus Söder hat die Union nun aufgefordert, sich nicht nur mit der rechtspopulistischen Partei zu beschäftigen. "Man kann im Osten zwar Wahlen verlieren, aber gewinnen muss man sie vor allem im Westen", sagte er der "Welt am Sonntag". Wer in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen keine Mehrheit bekomme, könne keine führende Kraft in Deutschland sein.

"Wir müssen klar sehen, wer hier unser Herausforderer ist", sagte Söder. "Daher: Keine einseitige Fixierung nach Rechtsaußen! Der Hauptkonkurrent um Platz eins sind die Grünen. Sie müssen wir stärker in den Fokus nehmen."

Der bayerische Ministerpräsident sieht in den Grünen die neue linke Volkspartei. "Heute geht es um Grün-Rot-Rot, nicht um Rot-Rot-Grün. Deswegen müssen wir uns gezielter mit ihnen auseinandersetzen."

Söder sieht die Grünen bei der Frage um die Kanzlerschaft als die größte Konkurrenz. Wer dort Kanzlerkandidat wird, steht noch nicht fest. Winfried Kretschmann, grüner Ministerpräsident von Baden-Württemberg, sagte einem Bericht des "Stern" zufolge vor wenigen Tagen, er befürworte eine Kanzlerkandidatur von Robert Habeck.

"Wer nur jammert, bekommt auf Dauer keinen Besuch"

Das Problem der großen Koalition sei nicht etwa schlechte Politik, "sondern die ständige Selbstbespiegelung", sagte Söder. Sie habe begonnen mit dem Streit zwischen CDU und CSU und gehe durch das Hadern der SPD mit sich und der gesamten Regierungsfähigkeit weiter. "Entscheidend ist, nicht alles schlecht zu reden. Wer nur jammert, bekommt auf Dauer keinen Besuch."

Die Union werde nach 2021 nur dann die Nummer eins bleiben, wenn es gelinge, neue Akzente zu setzen und Konzepte zu entwickeln, ohne gleichzeitig mit der erfolgreichen Vergangenheit zu brechen.

Auf die Frage, ob Angela Merkel bis zum Ende der Legislaturperiode Kanzlerin bleiben werde, antwortete Söder: "Klar. Wir dürfen uns von der SPD nicht anstecken lassen. Den Prozess des eigenen Herunterziehens hat die Sozialdemokratie geradezu perfektioniert."

Einer in der CDU diskutierten Urwahl des nächsten Kanzlerkandidaten erteilte Söder erneut eine Absage. "Urwahlprozesse bringen nichts. Das kann man bei der SPD gut sehen." Er selbst habe kein Interesse an einer Kanzlerkandidatur. "Ich werde meine ganze Kraft Bayern als Ministerpräsident widmen."

jus/dpa



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haig 03.11.2019
1. Der Soeder hat recht
Uns, und vor allem der CSU droht ein grüner Bundeskanzler mit Juniorpartner CDU. Die CSU wird aufgeteilt... Ein reizvolles Szenario das Umwelt Und Wirtschaft Rechnung trägt...Daran arbeiten wir hoffentlich alle. Nachtrag: rechts und links muss Platz fuer jeweils 10% sein. Das ist Demokratie finde ich. Haben. Sie es bemerkt? Die FDP habe ich nicht vergessen.
motoko_kusanagi 03.11.2019
2. Klare Ansage
Schön, dass MP Söder zu jenen Politiker gehört, die (manchmal) ein Teil der Lösung und nicht des Problems sind. Er steht - soweit man den Info im jetzt und hier Glauben schenken darf - nicht als Kanzlerkandidat zur Verfügung und lehnt eine Urwahl ab. Das ist schon mal eine klare Ansage! Was ich mir indes gewünscht hätte: Eine pointierte klare Differenzierung. Es mag sein, dass im Ringen von parlamentarische Stimmen die GRÜNEN der Hauptgegner ist, jedoch der Feind ist die antidemokratische AFD. Und daran sollte auch innerhalb des liberal-demokratischen Lager nie Zweifel bestehen und deutlicher zum Ausdruck kommen. Wenn gar ein Vize-Fraktionsvorsitzende der CDU in Thüringen (wohl nicht alleine, denn sonst hätte er diese Position schon nicht mehr) öffentlich mit einer Koalition der AFD sinniert, also dort, wo der Faschist Höcke die maßgebende Gallionsfigur ist, dann hat die CDU ein Glaubwürdigkeitsproblem. Und zwar ein strukturelles! Im übrigen bin ich stets der Ansicht, dass gerade in der heutigen Zeit der emotionalen Radikalisierung und Enthemmungen um so wichtiger es ist, eigene Inhalte und Positionen hervorzuheben und sich dadurch konstruktiv von den Mitstreitern abzugrenzen, statt die Konkurrenten zu attackieren. Es gilt nach der Wahl ist vor der Koalitionsverhandlung! Darum ist es kontraproduktiv, seinen möglichen Partner zu beschimpfen und zu verletzen.
Freidenker10 03.11.2019
3.
Die Grünen mögen derzeit von den Wahlergebnissen der Hauptkonkurrent der Union sein, werden aber früher oder später von selbst wieder absacken! Sobald der mediale Wanderzirkus weitergezogen ist und anderen Themen den Diskurs bestimmen, oder noch schlimmer der nächste Sommer nicht so warm wird, werden die Ergebnisse der Grünen auch wieder absacken. Die Kids die heute auf den Straßen sind, werden auch schnell wieder hinter ihren Smartphones verschwinden und sich über anderes ärgern. Anstelle der Union ( der ich für ihre unsoziale Politik ein Ergebnis unter 20% im Bund wünsche! ) würde ich gar nicht reagieren, die Zeit wirds von selber richten...!
dirkcoe 03.11.2019
4. Stimmt Herr Söder
aber es ist viel schlimmer - gerade das Permanentversagen der CSU in Berlin sorgt dafür, das eine Koalition mit der Union keinem Wähler der Grünen zu vermitteln ist. Bleibt also die Frage, mit wem genau sieht die Union nach der nächsten BTW eine Regierungsoption? Die FDP wird kaum reichen. Grüne, SPD und Linke fallen ja aus.
haresu 03.11.2019
5. Erfrischend
Da benutzt doch tatsächlich jemand seinen Kopf zum Denken, statt immer nur nach rechts zu schielen. Söder hat kapiert, dass man rechts nur verlieren kann, Wähler an die Grünen, aber auch die Seele der eigenen Partei.
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