Machtkampf mit Seehofer Söder soll zu Verzicht auf Parteivorsitz bereit sein

Wie wird der Machtkampf in der CSU entschieden? Nach SPIEGEL-Informationen würde Seehofer-Rivale Markus Söder offenbar Zugeständnisse machen - wenn er dafür Ministerpräsident werden kann.

Bayerns Finanzminister Söder
DPA

Bayerns Finanzminister Söder


In den Streit um die Nachfolge von Horst Seehofer kommt Bewegung: Der bayerische Finanzminister Markus Söder wäre zu einer Ämtertrennung bereit, heißt es in der CSU. "Wenn er Ministerpräsident werden kann, verzichtet Markus zur Not auch auf den Parteivorsitz", sagte ein Vertrauter dem SPIEGEL. Regierungschef in Bayern sei aus CSU-Sicht ohnehin das wichtigere Amt. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Auch Söders Gegner in der Parteispitze wie Wirtschaftsministerin Ilse Aigner oder der stellvertretende Parteichef Manfred Weber halten dieses Modell für denkbar. Den beiden werden Ambitionen auf den CSU-Vorsitz nachgesagt. Ein weiterer Anwärter wäre CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, der wie Aigner aus dem mitgliederstärksten Bezirk Oberbayern kommt. Söder gilt als aussichtsreichster Nachfolger, falls Horst Seehofer sein Amt als Ministerpräsident niederlegt.

Seehofer wird seit dem schlechten Abschneiden der CSU bei der Bundestagswahl in seiner Partei stark kritisiert. Er will sich nach Abschluss der Sondierungsgespräche - also voraussichtlich nach dem 17. November - zu seiner Zukunft äußern. Eine Trennung der Ämter wäre für Seehofer vermutlich die einzige Möglichkeit, eine vollständige Machtübernahme Söders zu verhindern. Die beiden verbindet eine intensive Abneigung.

Die Parteiführung wird Mitte Dezember neu gewählt. In der CSU wird befürchtet, dass es zu einer Spaltung in der Partei wie vor zehn Jahren kommen könnte. Damals wurde der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber zum Rückzug gedrängt.

Seehofer attackiert Rivalen

Seehofer machte derweil seine innerparteilichen Widersacher für die schlechten Umfragewerte seiner Partei verantwortlich. Mit Blick auf die von Söder und der Jungen Union Bayerns forcierte Debatte über seinen Rückzug sagte er am Freitag in Berlin: "Dies ist nicht bekömmlich, weder für mich noch für die Gesamtpartei." Man sehe die negativen Auswirkungen dieser Personaldebatte an den Umfragen. "Die habe ich nicht zu verantworten."

Seehofer rechtfertigte erneut, Söder nicht in die Jamaika-Sondierungsgespräche eingebunden zu haben. Vertreten seien die Stellvertreter sowie die Vorsitzenden der CSU-Landtagsfraktion und der CSU-Landesgruppe im Bundestag. Die Menschen in Deutschland erwarteten nun erst einmal einen Abschluss der Sondierungen auf Bundesebene. "Dann kommt Bayern."

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ran/phw/Reuters

insgesamt 30 Beiträge
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haresu 11.11.2017
1. Es kann nur einen geben
Die Ämtertrennung bringt nichts und würde von Söder ohnehin nur als Zwischenschritt gesehen werden. Der Machtkampf ist so nicht zu beenden.
magier 11.11.2017
2.
In einem anderen Beitrag bezeichnen Sie die Linke als Chaospartei, weil sich Faktionsspitze und Parteispitze nicht leiden können. Was ist denn dann die CSU?
claudio_im_osten 11.11.2017
3. Welch Visionen...
Söder, Aigner, Dobrindt - alles politische Schwergewichte, deren derzeitige Bilanz einem vor Ehrfurcht das Blut in den Adern gefriert. Die "Erfolge" ihrer eigenen Maut- und der Einwanderungspositionen wollen sie alle bis heute nicht wahrhaben. Die CSU ist dabei, sich weiter zu demontieren und wird wie auch die anderen Volksparteien den Weg in die Dreißigprozent-Riege fortsetzen. Wenn diese Herrschaften das mit ihrem Namen verbinden wollen - bitte sehr...
caine666 11.11.2017
4. Erst Bund dann Bayern?
Wie war das mit Bayern zuerst? Seehofer will mit aller Macht seine Macht zementieren..... Söder verhindern? Falsch wäre das bei den Sprüche, die beide loslassen, nicht, jedoch muss man Söder derzeit zu gute halten, das er noch bürgerlich wirkt, zu weit ist Seehofer nach rechts abgedriftet, das mag ja derzeit hier an der Diskussion etwas merkwürdig wirken.....ich hoffe das der mp in den nächsten Wochen wieder etwas bürgerlicher zu wirken versucht...
omanolika 11.11.2017
5. Zielführender Weg?
Auf den Parteivorsitz verzichtet der Markus, zur Not, so, könnte man sagen, lautet eben Söders Angebot, denn, was für ihn ja einfach mehr zählt, im Moment, ist wirklich zu werden bayerischer Ministerpräsident, und das scheint doch zu sein ein "vernünftiger Deal", aber einer stellt sich vielleicht noch vor Söders Ziel. Denn auf diese zum Ziel führenden Wege, stellt sich ganz gern mal ein Parteikollege, und das weiß man in der Politikgemeinde, Parteifreunde sind die schlimmsten Feinde...
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