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Auf ein Tennismatch mit Markus Söder "Es gibt die, die einfach draufhauen, aber auch die mit Drall"

Lange war ihm fast jedes Mittel recht, um nach oben zu kommen. Jetzt, da er die Nummer eins ist, versucht der CSU-Chef, lässig zu sein. Auch auf dem Tennisplatz, wo er zu einer Revanche antritt.
aus DER SPIEGEL 42/2020
Tennisspieler Söder, Hujer: "Kein Babytennis"

Tennisspieler Söder, Hujer: "Kein Babytennis"

Foto: Sonja Och / DER SPIEGEL

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Markus Söder war 13 Jahre alt, als er zum ersten Mal Tennis spielte. Sein Vater Max, Maurermeister aus der Nürnberger Westvorstadt, hielt nicht viel von Sport, erst recht nicht von Tennis. Wenn er schon Sport treiben wolle, riet ihm der Vater, solle er lieber einen Kasten Bier in den Keller tragen.

Sein erster Schläger war einer von Intersport für 20 Mark. Zur Konfirmation bekam er einen besseren geschenkt, einen Völkl-Schläger aus Carbon. Seine Mutter zahlte ihm heimlich Trainerstunden beim ATV Nürnberg, und so lernte er alles, was man als Tennisspieler können muss: Vorhand, Rückhand, Aufschlag, Volley und Smash, auch den Unterschied zwischen Topspin und Slice.

Nach der Schule ging Söder auf den Tennisplatz, forderte andere Jungs heraus und schaute Mädchen in Tennisröckchen hinterher.

Als er gut genug war, spielte er mit der Vereinsmannschaft in der Bezirksliga. Er wurde von einem Kroaten trainiert, "dem Jugo", der ihn mit Brad Gilbert verglich, einem amerikanischen Tennisprofi, der in den Achtzigerjahren für seine hässliche Art, Tennis zu spielen, gefürchtet war. Gilbert spielte bodenständiges Tennis, ohne spektakuläre Schläge, quälte aber seine Gegner mit Psychotricks und unangenehmen Schlägen und gewann.

Markus Söder fand das interessant: ein Mann, der die Hässlichkeit seines Spiels zu einer speziellen Form von Cleverness erhob.

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Gilbert war zwar nie die Nummer eins, aber die Besten seiner Zeit hat er alle mal geschlagen: John McEnroe, Jimmy Connors, Boris Becker, Andre Agassi. Am Ende seiner Karriere schrieb er ein Buch, das er "Winning Ugly" nannte, "hässlich gewinnen", und als Ratgeber für "mentale Kriegsführung im Tennis" verkaufte.

Er beschreibt darin, wie er die Großen zur Verzweiflung trieb, zum Fluchen, zum Schlägerwerfen, ja zu dem Entschluss, die Karriere zu beenden, auch aus Scham, gegen ihn verloren zu haben.

"Wenn ich gegen Spieler wie ihn verliere", zitiert Gilbert McEnroe, "was soll ich noch auf dem Platz?" "Winning Ugly" wurde ein Bestseller, weltweit.

Auch Markus Söder hat das Buch gelesen.

Vor dem Spiel

Wenn das Match beginnt, hat es schon längst begonnen.
Brad Gilbert, "Winning Ugly"

An einem Februarmorgen im Jahr 2020 sitze ich in der Tennishalle des 1. FC Nürnberg und warte auf Markus Söder. Wir sind zum Tennisspielen verabredet, zum zweiten Mal.

Das erste Mal ist zwei Jahre her, gleicher Ort, ein Morgen Anfang März, ebenfalls die Tennishalle des 1. FC Nürnberg, und doch liegen zwischen diesen beiden Tagen Welten.

Damals war Söder noch nicht Ministerpräsident, sondern lediglich designiert, noch nicht CSU-Vorsitzender, sondern lediglich Vorstandsmitglied, er stand kurz davor, die Spitze zu erstürmen. Den letzten Machtkampf mit Horst Seehofer, dem Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden, hatte er noch nicht gewonnen.

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