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03. Oktober 2018, 01:37 Uhr

Söders Raumfahrtprogramm "Bavaria One"

Die Sterne im Blick

Ministerpräsident Markus Söder ist im Wahlkampfmodus: Er präsentiert seine Pläne für das bayerische Raumfahrtprogramm "Bavaria One" - mitsamt seinem Konterfei als Logo. Es hagelt Hohn und Kritik.

Schon im Frühjahr hatte Markus Söder über seine Pläne für ein bayerisches Raumfahrtprogramm gesprochen, nun wurde der Ministerpräsident noch einmal konkreter: "Wir starten Bavaria One", schrieb er am Dienstag via Twitter. "Mit unserem Raumfahrtprogramm entwickeln wir aus dem All Lösungen für Probleme der Menschen, bei Medizin oder Ökologie." Dazu investiere Bayern 700 Millionen Euro, man baue einen bayerischen Satelliten und gründe die größte Raumfahrtfakultät Europas an der TU München.

Söder ist derzeit im Wahlkampfmodus, in Bayern wird am 14. Oktober gewählt. Wenige Stunden nach dem ersten Tweet folgte am Dienstag ein zweiter samt Foto: Darauf zu sehen ist Söder am Rednerpult, hinter ihm auf der Bühne ist ein Logo von "Bavaria One" zu sehen - mit Söders übergroßem Konterfei. "Zukunft heißt Technologie", schrieb der CSU-Politiker dazu. "Bayern ist Marktführer: Wir investieren in Digitalisierung, Robotik, künstliche Intelligenz, Hyperloop und Raumfahrt und entwickeln sogar Quantencomputer."

In den sozialen Netzwerken sorgt das Riesen-Söder-Logo für Aufsehen. Viele Nutzer schrieben, sie hätten bei dem Logo zunächst an Satire oder Photoshop denken müssen. Auf einem weiteren Account heißt es: "Jetzt ist Major Markus völlig losgelöst."

Die Schauspielerin und ehemalige Satire-Kanzlerkandidatin ("Die Partei") Samira El Ouassil schrieb, für sie sei es "ein astrometrisches Wunder, wie man sein eigener Satellit werden kann".

Auch Juso-Chef Kevin Kühnert kommentierte Söders Twitternachricht und listete auf, "worin Sie währenddessen nicht investieren". Zum Schluss schrieb Kühnert: "Vielleicht muss man wirklich hinterm Mond leben, um Prioritäten so zu setzen."

Auf dem offiziellen Account des CDU-Europaabgeordneten Dennis Radtke hieß es: "Vielleicht hätte man in den letzten Monaten besser über diese Themen gesprochen, statt einen Krieg der Sterne gegen die Schwesterpartei und Bundeskanzlerin zu führen."

Michael Moser von den Freien Wählern in Bayern kommentierte, man solle lieber "irdische Probleme lösen" und verbreitete ein Zitat des Landesvorsitzenden Hubert Aiwanger: "Das milliardenschwere Raumfahrtprogramm müsste den Namen 'Bavarian Größenwahn' statt 'Bavaria One' tragen."

Laut der Lokalseite Nordbayern.de sagte Aiwanger zudem in Anlehnung an den berühmten "Star Trek"-Charakter: Söder sehe sich offenbar "in der Rolle des Mr. Spock und ernennt seinen Wirtschaftsminister allen Ernstes zum 'Raumfahrtkoordinator'. Das ist lachhaft."

Dem Bericht zufolge soll Landeswirtschaftsminister Franz Josef Pschierer (CSU) als "Raumfahrtkoordinator" das Projekt "Bavaria One" vorantreiben. Söder verteidigte seine Pläne laut Nordbayern.de: Wer stets nur "Gegenwartsbetrachtung" betreibe, verzichte auf viele Optionen. Wer jedoch in die Zukunft blicke, habe bessere Chancen, diese zu gestalten, zu kontrollieren und auch sicherer zu machen.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Artikels wurde ein Tweet erwähnt, der eine Beleidigung enthielt. Wir haben den Verweis darauf entfernt.

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