Söder stichelt gegen Laschet »Endlich vernünftigen Wahlkampf machen«

Die Union startet in die heiße Wahlkampfphase, doch die Umfragewerte für Kanzlerkandidat Armin Laschet zeigen nach unten. Ex-Kontrahent Markus Söder sieht Handlungsbedarf.
Markus Söder: »Es wird sehr knapp werden in den nächsten Wochen«

Markus Söder: »Es wird sehr knapp werden in den nächsten Wochen«

Foto: Michael Kappeler / picture alliance/dpa

Die Umfragewerte sinken, der Kanzlerkandidat verliert an Zustimmung: Jetzt hat selbst CSU-Chef Markus Söder seine Unzufriedenheit über den bisherigen Wahlkampf der Union geäußert: »Es ist knapp. Es wird sehr knapp werden in den nächsten Wochen«, sagte Söder am Samstag beim offiziellen Wahlkampfauftakt der Union in Berlin. Die Bundestagswahl am 26. September werde der schwerste Wahlgang für die Union seit der Niederlage gegen die SPD 1998.

»Der Trend geht nicht steil nach oben«, sagte Söder mit Blick auf zum Teil deutlich sinkende Umfragewerte für die Union.

Söder versicherte den Anhängern aber: »Es ist nichts verloren. Es gibt Anlass zu kämpfen«, und forderte: »Lasst uns endlich vernünftigen Wahlkampf machen.« Damit stichelte er indirekt gegen den Kanzlerkandidaten der Union Armin Laschet. Die beiden hatten sich zuvor schon einen Machtkampf um die Kandidatur geliefert. Söder hatte nach einer Abstimmung im Vorstand sein Angebot zur Kandidatur aber zurückgezogen.

Unterstützung von Merkel

Von der noch amtierenden Kanzlerin Angela Merkel erhielt Laschet hingegen Zuspruch. CDU und CSU sollten gemeinsam dafür kämpfen, dass auch nach ihrer Regierungszeit weitere Jahre einer unionsgeführten Bundesregierung folgten, sagte Merkel. Unter dem Jubel der Wahlkämpfer in der Halle ergänzte sie: gemeinsam »mit Armin Laschet als zukünftigem Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland«.

Sie kenne Laschet seit seiner Zeit im Bundestag von 1994 bis 1998, sagte Merkel. Laschet sei es immer wichtig gewesen, den Menschen mit seiner unantastbaren Würde in den Mittelpunkt zu stellen und zwischen den Menschen Brücken zu bauen.

Laschet pocht auf höheres Tempo bei Genehmigungsverfahren

Laschet selbst forderte in seiner Rede angesichts der Lage in Afghanistan »mehr Europa« in der Außen- und Sicherheitspolitik. »Wir müssen als Europäer auch in der Lage sein können, einen Flughafen wie in Kabul zu sichern«, sagte der CDU-Vorsitzende.

Laschet setzt auch auf mehr deutsche Anstrengungen für die Verteidigung. Das in der Nato vereinbarte Zwei-Prozent-Ziel für Verteidigungsausgaben sei einzuhalten. Der Kanzlerkandidat warf SPD und Grünen vor, sich von diesem Ziel verabschieden zu wollen. »Wir müssen zur Sicherheit Deutschlands in dieser instabilen Welt unseren Beitrag leisten«, sagte Laschet. »Wir erwarten von jedem potenziellen Koalitionspartner, dass er eine klare Orientierung in der Außen- und Sicherheitspolitik für unser Land hat.«

Im Fall einer Regierungsübernahme will Laschet zuerst eine Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren in Deutschland angehen. »Wir müssen hier anders arbeiten, sonst wird der Kampf gegen den Klimawandel nicht gelingen«, sagte Laschet. In den ersten 100 Tagen als Kanzler werde er »Planungsbeschleunigungspakete zum Schwerpunkt machen«. So müsse zum Beispiel der Ausbau der Stromtrassen viel schneller gehen als bisher. Nötig sei dabei ein Konsens von Wirtschaft, Gewerkschaften und Umweltschutzverbänden.

kah/dpa
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