Europa- und Bundestagsabgeordnete Schirdewan und Pellmann kandidieren für Linken-Parteivorsitz

Janine Wissler möchte Co-Chefin der Linkspartei bleiben, der Europaparlamentarier Martin Schirdewan strebt ebenfalls den Vorsitz an. Nun steigt auch der Bundestagsabgeordnete Sören Pellmann ins Rennen ein.
Europaparlamentarier Schirdewan: Profil der Linken »als moderne sozialistische Gerechtigkeitspartei« stärken

Europaparlamentarier Schirdewan: Profil der Linken »als moderne sozialistische Gerechtigkeitspartei« stärken

Foto: Dwi Anoraganingrum / Future Image / IMAGO

Mit einer neuen Parteispitze wollen die Linken nach mehreren desaströsen Wahlergebnissen aus der Krise kommen. Neben der amtierenden Parteichefin Janine Wissler, die erneut antreten wird, steht nun auch ein erster männlicher Kandidat fest. Dem ARD-Hauptstadtstudio bestätigte der Europaabgeordnete Martin Schirdewan, er werde sich zur Wahl stellen.

Über Schirdewans geplante Kandidatur hatte zuvor bereits der SPIEGEL berichtet, allerdings war eine offizielle Bekanntgabe erst für Mittwoch erwartet worden. Der 46-Jährige ist Co-Fraktionsvorsitzender der Linken im EU-Parlament. Schirdewan wurde in Ost-Berlin geboren, arbeitete als Politikwissenschaftler und zog 2017 als Nachrücker erstmals ins EU-Parlament ein, als sein Vorgänger Fabio de Masi in den Bundestag gewählt wurde.

Schirdewan will Linke »erkennbar zu einer feministischen Partei machen«

In der ARD sprach Schirdewan von einer »schwierigen Phase« für die Linke. »Ich glaube, dass ich zu dieser Zeit dazu beitragen kann in einem Team, das vertrauensvoll zusammenarbeitet, die Partei aus dieser Krise zu führen«, so Schirdewan. Es gelte, das Profil der Linken »als moderne sozialistische Gerechtigkeitspartei« zu stärken.

Auch mit Bezug auf den Skandal um sexuelle Übergriffe, der die Partei zuletzt erschüttert hatte, sagte Schirdewan, es brauche eine »strukturelle Erneuerung«, die die Linke »wirklich erkennbar zu einer feministischen Partei mache«.

Pellmann kündigt ebenfalls Kandidatur an

Unabhängig von Schirdewan kündigte am frühen Nachmittag auch der Linken-Bundestagsabgeordnete Sören Pellmann seine Kandidatur an. Er wolle »in einer schwierigen Situation für meine Partei konkrete Verantwortung übernehmen«, sagte der 45-Jährige. Er hatte für die Linke bei der Bundestagswahlkreis den Wahlkreis Leipzig II direkt gewonnen.

Linkenpolitiker Pellmann: Auch Sahra Wagenknecht mit einbeziehen

Linkenpolitiker Pellmann: Auch Sahra Wagenknecht mit einbeziehen

Foto: Jan Woitas / dpa

Pellmann sagte, es gehe für die Linke darum, »mehr miteinander als übereinander zu reden«. Er kritisierte den Streit »aus persönlichen Eitelkeiten«, der die Partei geschwächt habe. Pellmann sagte, er wolle möglichst alle Politikerinnen und Politiker mit einbeziehen, ausdrücklich auch die umstrittene Ex-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht.

Die derzeitige Parteichefin Janine Wissler hatte bereits am Wochenende angekündigt, erneut für den Vorsitzendenposten zu kandidieren. »Ich bin sehr gerne Parteivorsitzende und habe noch einiges vor«, sagte Wissler.

Ende Juni soll auf einem Bundesparteitag in Erfurt  die komplette Parteispitze neu gewählt werden. Üblicherweise besteht die Parteispitze bei den Linken aus zwei Personen, einer Frau und einem Mann, einer Person aus dem Westen und einer aus dem Osten. Die Hessin Janine Wissler würde dem aktuellen Stand nach auf dem Frauenplatz kandidieren. Die Ostdeutschen Schirdewan und Pellmann würden gegeneinander auf dem Männerplatz kandidieren.

fek/dpa