Politischer Aschermittwoch Schulz nennt AfD "Schande für die Bundesrepublik"

Attacken gegen Trump, Erdogan oder AfD: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat beim politischen Aschermittwoch Rechtspopulisten scharf angegriffen: Diese legten die Axt an die Wurzeln der Demokratie.

Martin Schulz
REUTERS

Martin Schulz


In den Umfragen liegt seine SPD fast schon gleichauf mit der Union - doch statt sich auf den unmittelbaren Gegner einzuschießen, hat Martin Schulz beim politischen Aschermittwoch andere attackiert: Rechtspopulisten im In- und Ausland. Die AfD nannte der designierte Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten eine "Schande für die Bundesrepublik". Demonstranten bei den islamfeindlichen Pegida-Kundgebungen legten die "Axt an die Wurzeln der Demokratie" - genau wie US-Präsident Donald Trump.

Der Republikaner diffamiere andere Meinungen als Lügen und schließe kritische Pressevertreter aus. "Eine freie ungehinderte Berichterstattung ist nicht nur wichtig, sie ist überlebenswichtig für die Demokratie", sagte Schulz bei der Veranstaltung im bayerischen Vilshofen. Dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan warf er vor, einen möglichen Auftritt in Deutschland nur für Wahlkampfzwecke in der Debatte um die Einführung eines Präsidialsystems in der Türkei nutzen zu wollen.

Auf die Union ging Schulz nur am Rande ein - und warf den Konservativen mit Blick auf den monatelangen Streit in der Flüchtlingspolitik Uneinigkeit vor. CDU und CSU arbeiteten gegeneinander, so Schulz . "Die sind nicht mehr ganz beisammen."

"Akt der Solidarität"

Den offenen Flüchtlingskurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel lobte der SPD-Mann indirekt. Deutschland habe in den vergangenen Jahren "getan, was das größte Mitgliedsland der EU tun muss. Wir haben die meisten Menschen in Europa aufgenommen". Das sei ein "Akt der Solidarität" gewesen. Diese dürfe jedoch keine Einbahnstraße sein. Es dürfe nicht sein, dass sich in der EU nur wenige Länder an der Aufnahme von Flüchtlingen beteiligen.

Mit Blick auf die Bundestagswahl im Herbst zeigte sich der SPD-Politiker zuversichtlich. "Die SPD tritt an, wieder stärkste politische Kraft in der Bundesrepublik Deutschland zu werden", sagte er. "Ich trete an, um Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland zu werden."

Heftige Kritik musste Schulz dagegen von Seiten der Christsozialen einstecken. CSU-Chef Horst Seehofer warf ihm einen schlampigen Umgang mit Zahlen im Wahlkampf vor. Als Beispiele nannte er Äußerungen von Schulz im Zusammenhang mit dem Arbeitslosengeld und der inneren Sicherheit. "Wir werden ihm die Mogelpackungen nicht mehr durchgehen lassen", sagte Seehofer in Passau. Ansonsten "heißt es nicht mehr Martin Schulz, sondern Martin der Schummler".


Sie wollen die Sonntagsfrage beantworten? Stimmen Sie hier ab:

In Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey erhebt SPIEGEL ONLINE den SPON-Wahltrend. Hier können Sie mitmachen und sich als Teilnehmer registrieren. Den aktuellen Stand sehen Sie sofort, wenn Sie teilgenommen haben. Mehr zur Methodik erfahren Sie weiter unten in diesem Artikel. SPIEGEL ONLINE wertet die Ergebnisse jede Woche aus und informiert Sie über Entwicklungen und Veränderungen.



Sie wollen die Sonntagsfrage für den Bund beantworten? Stimmen Sie hier ab:


Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

kev/AFP/dpa



insgesamt 130 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Grummelchen321 01.03.2017
1. Schulz
mach vollmundige Wahlversprechen die hinterher nicht das Papier Wert sind auf dem sie stehen.Seine Minireform ist doch für Millionen Deutsche ein Witz.An Hatz4 will er nicht rütteln.Als Gewerkschafter ist die SPD für mich nicht mehr wählbar.Bleibt nur die Linke.
ProDe 01.03.2017
2. die AFD eine Schande?? mag sein ABER
die AFD ist weder Schuld an den Hartz Gesetzen noch am Rückbau des Sozialstaats noch an der Umverteilung von unten nach oben noch an der nationalen Wirtschaftspolitik, die Europa spaltet noch an den irren Außenhandelsüberschüssen, die halb Europa in den Bankrott geführt hat noch daran, dass Deutschland wieder Krieg führt, die nichts mit Verteidigung zu tun haben. Eine Schande ist nicht nur die AFD - die neuen Ideen der Union inkl. SPD bspw. Einführung der Maut, Privatisierung der Autobahnen (und der Bahn?) bis hin zu jüngsten Taten wie CETA, NSA-Spionage, fragwürdige Gesetze wie "Gefährder" mal vorsichtshalber für Monate einsperren zu können ... das ist nicht weniger Schande.
p-schrader 01.03.2017
3. So wird das nicht klappen
Es gibt sehr viele, die Merkel wegen ihres Flüchtlingskurses unbedingt loswerden wollen. Wenn Schulz so weitermacht, dann wird für diese Wähler letzten Endes die CDU das kleinere Übel sein.
poweruser12 01.03.2017
4. Martin Schulz
Ich wünsche mir sehr, daß die SPD mächtig zulegt. Die vergangenen Jahre haben mich sehr zweifeln lassen. 20 % plus 1 oder 2 Porzent, das kann es nicht sein für die SPD. Ich bin aber nach wie vor skeptisch was die plötzliche Steigerung der Zustimmung angeht. Das geht mir alles viel zu schnell.
Paddel2 01.03.2017
5. Unverständnis
In einer Demokratie sind alle Meinungen zulässig, auch wenn sie vielen nicht gefallen. Schulz jedoch verhält sich genauso antidemokratisch wie seine Parteikollegen. Statt sich zu selbstkritisch fragen, warum bis zu zwölf Prozent der Wähler lieber der AfD als der SPD die Stimme geben, werden diese Wähler und die Partei diffamiert.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.