Ex-SPD-Chef Schulz startet eigene Europa-Kampagne

Die SPD hat ihn fallen lassen, doch Martin Schulz lässt nicht locker: Der Ex-SPD-Chef wirbt nun mit einem neuen Verein für Europa - "explizit nicht parteipolitisch".
Martin Schulz

Martin Schulz

Foto: Wolfgang Rattay/ REUTERS

Die Ungeduld ist deutlich zu spüren bei Martin Schulz. Am liebsten hätte er schon vor Monaten losgelegt, schließlich ist die Europawahl schon in zweieinhalb Wochen. Aber der Aufbau des Vereins "Tu was für Europa" brauchte dann doch etwas Zeit. Am Donnerstag geht es nun los, am Abend startet Vereinschef Schulz in Berlin die Kampagne "#myeurope".

Das Ziel: Schulz will Menschen mobilisieren, die eigentlich proeuropäisch sind - und trotzdem nicht zur Wahl gehen. "81 Prozent der Deutschen finden Europa gut", sagt der ehemalige SPD-Vorsitzende: "2014 lag die Wahlbeteiligung aber nur bei 48 Prozent." Diesmal könnte es sogar noch weniger werden, fürchtet Schulz, der seit Wochen für seine Partei durchs Land tourt.

Sein Verein sei "explizit nicht parteipolitisch unterwegs", sagt Schulz. Es gehe darum, ein niedrigschwelliges Mitmachangebot zu machen: "Wir dürfen nicht nur über Europas Institutionen reden. Das ist zu verkopft. Wir müssen ein Gefühl schaffen, um die Leute zu erreichen."

Dieses Gefühl, diese Leidenschaft verkörpert Schulz wie kein anderer deutscher Politiker. 23 Jahre gehörte er dem Europaparlament an, von 2012 bis 2017 war er dessen Präsident.

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Nach seiner gescheiterten Kanzlerkandidatur und dem Verlust des Parteivorsitzes ist Schulz nur noch einfacher Abgeordneter. Der Umgang der Parteispitze mit ihm ist verdruckst: Der 63-Jährige macht zwar pro Tag bis zu fünf Wahlkampftermine, in die Planung oder Strategie ist er aber nicht eingebunden.

Das ist für den einstigen Spitzenpolitiker, der immer noch große Popularität an der SPD-Basis genießt, enttäuschend. Auch deshalb sucht Schulz wohl nach einem Ventil, einer Möglichkeit, seine politische Kraft einzusetzen. Sein Verein startet nun verschiedene Initiativen, um die Identifizierung und die emotionale Verbindung mit der europäischen Idee zu erhöhen - mit einer Website, in sozialen Netzwerken sowie an Bahnhöfen in Kooperation mit der Deutschen Bahn und weiteren Unterstützern.

Neben ihm zählen die Grünenabgeordnete Franziska Brantner und der TV-Moderator Klaas Heufer-Umlauf zu den Gründungsmitgliedern des Vereins. Insgesamt sind es sieben, mehr Mitglieder wird es nicht geben, so Schulz. Im Mittelpunkt sollen die Aktionen stehen.

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