Schulz-Hype Union wird langsam nervös

Das Umfragehoch der SPD bereitet der Union zunehmend Sorge. Politiker von CDU und CSU drängen Kanzlerin Merkel, dem Hype um Martin Schulz schnell etwas entgegenzusetzen.

Markus Söder
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Seit der Nominierung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten hat die SPD in Umfragen stark zugelegt - sie liegt teilweise mit der Union gleichauf. Einige Institute sehen inzwischen sogar einen kleinen Vorsprung der Sozialdemokraten. Innerhalb der Union wächst deshalb die Nervosität.

"Alle, die gesagt haben, es sei ein Strohfeuer, sind ein Stück widerlegt", sagte Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) laut "Süddeutscher Zeitung". Von Kanzlerin Angela Merkel wünschte sich Söder, dass sie zusätzlich "Motivationsarbeit für die Basis" leiste. "Ich glaube, es wird nicht reichen zu sagen, was man in der Vergangenheit gut gemacht hat", sagte Söder.

Ähnlich äußerte sich Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU): Er forderte seine Partei auf, sofort in den Wahlkampf zu starten und Schulz zu stellen. "Wir müssen seinen Linkskurs und seine Faktenschwäche offenlegen", sagte Gröhe der "Bild"-Zeitung. "Keine Ahnung ist schließlich noch keine starke Meinung."

Gröhe widersprach dem Eindruck, dass es soziale Ungerechtigkeit in Deutschland gebe. "Wenn man sich in Deutschland und der Welt umsieht, geht es uns wahrlich gut. Deshalb ist der Kern unseres Wahlkampfs die Verteidigung dieses Erfolgsmodells."

Schulz will die Arbeitsmarktreformen der früheren rot-grünen Bundesregierung teilweise zurückdrehen. So sollen ältere Arbeitslose länger als bisher Arbeitslosengeld I erhalten und Arbeitsverträge nur noch bei sachlicher Begründung befristet werden dürfen.

"Das ist keine Abkehr, sondern eine Korrektur", sagte dazu SPD-Generalsekretärin Katarina Barley am Sonntagabend im ZDF. Sie widersprach damit Kritik aus der Union, die SPD wolle die Agenda 2010 weitgehend rückgängig machen. An den Grundpfeilern der Reform aus dem Jahr 2003 soll auch nach Angaben weitere SPD-Politiker nicht gerüttelt werden.

Laut SPON-Wahltrend würden derzeit 44 Prozent der Befragten Martin Schulz als Bundeskanzler bevorzugen. Damit liegt der Sozialdemokrat vor Angela Merkel. Eine Fortsetzung der Kanzlerschaft von Merkel wünschen sich dagegen nur knapp 38 Prozent. Fast 19 Prozent wollten sich für keine der beiden Optionen entscheiden.

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mho/dpa



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erzengel1987 27.02.2017
1. besser Visionen als Lügen!
Die SPD hat endlich mal jemanden der wieder Visionen hat. Der neue Ideen mitbringt und wirkliche Probleme angehen will. Die Agenda war eine Fehlgeburt sondergleichen und die muss zu großen Teilen revidiert und reformiert werden, denn sie ist ein Mitverursacher für die Vergrößerung der Schere zwischen Arm und Reich. Wir können uns das bequem leisten, denn es ist ja mal eben locker Geld für illegale Bankenrettung und die Aufrüstung unserer Truppen da... Die CDU CSU hat eigentlich nichts die letzten Jahre gut gemacht... Es gab jede Menge Skandale die niemals aufgeklärt wurden. Der Bundesnachrichtendienst ist komplett außer Kontrolle und statt dass unsere Straßen und Brücken saniert werden beschäftigt sich da ein CSU heini lieber mit einer Maut die von vornherein ein Minusgeschäft ist... Also... liebe CDU CSU wenn ihr keine Politik könnt dann lasst lieber Leute an die Macht die wieder was neues machen. Ich trau sogar der AFD bessere Ideen zu als euch... CDU CSU steht für mich als absoluter Stillstand, der unserem Land eher geschadet als genutzt hat.... es wäre billiger gewesen hätten wir die letzten Jahre keine Regierung finanzieren müssen und wären unregiert durchmarschiert. Dann wären wenigstens mal paar marode Banken pleitegegangen und uns allen ginge es wesentlich besser.
hotgorn 27.02.2017
2.
Es geht nicht darum das die Agenda 2010 gerecht ist oder nicht. Es geht darum das die Mitarbeiter in den Jobcentern inkompetent sind und die Verwaltungstechnischen Blüten und das man sein Vermögen aufbrauchen muss einen fern hält von Arbeit und sozialem Leben. Das sollte vor allem den Oberbürokraten und Verwaltungshengsten Söder, Seehofer und der seltsamen Dame im Kanzleramt klar sein.
ulrich_loose 27.02.2017
3. Die Kanzlerin
drängen? Es sollte jedem klar sein, das Merkel schlicht nicht kann/will. Es gehört zu ihrer Wesensart geradezu lethargisch zu agieren bzw. nicht zu agieren. Im Übrigen halte ich sie für eine Person die im Grunde in der SPD besser aufgehoben wäre und es wohl nur ein unglücklicher Zufall war, dass sie bei der CDU gelandet ist - vermutlich ihrem christlichen Touch wegen.
jadehase 27.02.2017
4. Schulz gefällt!
Ja, die dürfen nervös sein. Der Martin legt im Moment ne steile Lernkurve hin. Gefällt mir täglich besser. Wenn der jetzt noch nen Tucken nachlegt in Sachen Klimawandel, Frauenrechte, GenderMainstreaming und Lsbttiq, dann ist mit dem ein echter Aufbruch zu machen. Und mit dem ist auch wieder die Menschlichkeit da. Der lässt sich von den Rechtsextremen nicht die Butter vom Brot nehmen. Anders als Merkel&Co!
huckzuck 27.02.2017
5. Dinge entwickeln sich
Man muss es immer wieder sagen – es geht nicht darum, das Rad zurückzudrehen. Zukunft ist vorne und das bedeutet, dass die Agenda 2010 weiterentwickelt werden muss. Dazu gehört es, sich ehrlich zu machen und zu sehen, denjenigen nicht "zu bestrafen", der sein Leben lang kontinuierlich gearbeitet und Vorsorge betrieben hat für das Alter, wie immer von der Politik gewünscht. Meiner Meinung nach benötigen wir ein Modell, dass das Vermögen abhängig vom Alter sowie dem eigenen Beitrag in die Systeme auf das gesamte Arbeitsleben betrachtet nur anteilig heranzieht.
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