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Sonderparteitag Schulz mit 100 Prozent zum SPD-Parteichef gewählt

Martin Schulz ist neuer Parteichef der SPD. Ein Bundesparteitag wählte den 61-Jährigen in Berlin ohne Gegenstimme zum Nachfolger von Sigmar Gabriel. Es ist das beste Ergebnis der Nachkriegszeit.

Besser hätte es für ihn nicht laufen können: Martin Schulz ist in Berlin mit dem Traumergebnis von 100 Prozent zum neuen Vorsitzenden der SPD gewählt worden. Die Delegierten auf dem SPD-Sonderparteitag kürten ihn einstimmig zum Parteichef. Schulz ist der erste SPD-Chef der Nachkriegszeit, dem das gelungen ist. Bisher war Kurt Schumacher mit 99,71 Prozent im Jahr 1948 Rekordhalter.

Schulz bekam nun 605 von 605 abgegebenen gültigen Stimmen und wurde anschließend einstimmig in einer offenen Abstimmung per Handzeichen auch zum Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl am 24. September erklärt.

"Das ist ein überwältigender Moment für mich und für uns alle", sagte Schulz. "Ich glaube, dass dieses Ergebnis der Auftakt zur Eroberung des Kanzleramtes ist."

75 Minuten lang hatte er zuvor zu den Parteitagsdelegierten und mehr als 2000 Gästen gesprochen. In seiner Bewerbungsrede für das Amt des SPD-Vorsitzenden griff er unter anderem die AfD scharf an. Sie sei keine Alternative für Deutschland: "Nein, das ist eine Schande für die Bundesrepublik."

Die von der Union angekündigten Steuersenkungen bezeichnete er als "alten Wahlkampfschlager", ungerecht und ökonomisch unvernünftig. "Das sind Milliarden, die für wichtige Zukunftsinvestitionen fehlen würden."

Kritik von Union und Wirtschaft an den von ihm angekündigten Korrekturen an der Agenda 2010 wies Schulz zurück. Es gehe ihm dabei keineswegs um "Vergangenheitsbewältigung", sondern darum, eine Antwort auf den Fachkräftemangel zu finden. Ein neues, längeres "Arbeitslosengeld Q" und der Umbau der Bundesagentur für Arbeit mit dem Fokus auf Weiterqualifizierung seien Schritte in die richtige Richtung.

Vizekanzler Sigmar Gabriel hatte Ende Januar zugunsten von Schulz auf Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur verzichtet. Seit klar ist, dass Martin Schulz für die SPD als Kanzlerkandidat ins Rennen geht, hat die Partei in Umfragen stark zugelegt. Jetzt liefert sie sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Union.

Es sei "der fröhlichste und optimistischste Übergang zu einem neuen Parteivorsitz, den unsere Partei so in den letzten Jahrzehnten erlebt hat", sagte Gabriel. "Es gibt keinen Grund für Melancholie." Der Aufbruch habe einen Namen, "und der heißt Martin Schulz".

Die zehn bislang besten Wahlergebnisse von SPD-Vorsitzenden

1. Kurt Schumacher (1948): 99,71 Prozent

2. Kurt Schumacher (1947): 99,70 Prozent

3. Kurt Schumacher (1946): 99,69 Prozent

4. Matthias Platzeck (2005): 99,42 Prozent

5. Willy Brandt (1966): 99,36 Prozent

6. Erich Ollenhauer (1952): 98,84 Prozent

7. Hans-Jochen Vogel (1988): 98,84 Prozent

8. Hans-Jochen Vogel (1987): 98,40 Prozent

9. Kurt Schumacher (1950): 97,73 Prozent

10. Willy Brandt (1968): 97,59 Prozent

vet/dpa
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