Schulz und die Saarland-Wahl Ärgern, abhaken, weitermachen

Die Union kann noch Wahlen gewinnen - und Martin Schulz hat keine magischen Kräfte: So viel steht fest nach dem klaren CDU-Erfolg im Saarland. Die SPD muss sich auf einen schwierigen Kampf einstellen.

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Er will da gar keinen Zweifel aufkommen lassen: Die Sache ist schiefgegangen. "Es gibt nichts zu beschönigen", sagt Martin Schulz, als er am Sonntagabend in der SPD-Zentrale auf die kleine Bühne tritt. Vor ihm wird eine Fahne geschwenkt, ein paar Genossen jubeln - aber der Parteichef ist jetzt nicht in Feierstimmung. "Ich kann den heutigen Tag nicht zu den guten zählen", sagt er.

Weniger als 30 Prozent für die SPD im Saarland, das ist dann doch eine herbe Enttäuschung - vor allem angesichts des CDU-Ergebnisses von über 40 Prozent. Die christdemokratische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer, so viel steht fest, wird auch in Zukunft die saarländische Landesregierung anführen. Rot-Rot hat keine Mehrheit, die SPD wird wie bisher lediglich Juniorpartner in der Großen Koalition sein. Bei der Union können sie ihr Glück kaum fassen.

Vor allem aber: Sie haben den ersten Angriff der Schulz-SPD erfolgreich abgewehrt. So jedenfalls fühlt sich das saarländische Ergebnis aus Sicht von CDU und CSU an. Schon spotten sie über den sogenannten Schulz-Zug, der gestoppt oder entgleist sei.

Die Botschaft der erfolgreichen Wahlkämpferin Kramp-Karrenbauer an die Bundespartei lautet: "Die CDU kann Wahlen gewinnen, wenn sie mobilisiert." Genau das war den saarländischen Christdemokraten in den vergangenen Tagen offenbar gelungen, vor allem mit den Warnungen vor einer rot-roten Koalition.

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Wahlabend im Saarland: Überraschend klar

Für die CDU heißt der Erfolg an der Saar zunächst einmal: durchatmen. Unions-Fraktionsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer ist begeistert: "Seriöses Regieren zahlt sich in unruhigen Zeiten aus", sagt er mit Blick auf Kramp-Karrenbauer und mag dabei insgeheim auch an die Kanzlerin und Parteichefin Angela Merkel gedacht haben. Denn selbst wenn sie es in der CDU nicht zugeben wollen: Das war auch eine Merkel-Testwahl.

Für einen Moment ist die Welt der CDU wieder im Lot. Die Christdemokraten haben die SPD deutlich hinter sich gelassen und die AfD klein gehalten, die die CDU zuletzt in Merkels Heimat Mecklenburg-Vorpommern auf den demütigenden dritten Rang verwiesen hatte.

Merkel stand in der Kritik

Die Nervosität war in den vergangenen Wochen gewachsen - angesichts immer neuer Umfrageerfolge für Schulz und die SPD. Ausgemacht schien Kritikern: Sollte Merkel ausgerechnet die Wahl im kleinen Saarland verlieren, würden die Zweifel an der Parteivorsitzenden zunehmen. In die Kritik wurde auch ihr Generalsekretär Peter Tauber einbezogen, den viele in der Partei für einen schwachen Parteimanager halten und dem sie einen Bundestagswahlkampf nicht wirklich zutrauen.

Im Saarland hat sich nun gezeigt, dass Merkel noch immer zieht: 4000 Zuhörer kamen zu ihrem Auftritt auf dem Schlossplatz von St. Wendel kurz vor der Wahl - weit mehr, als der CDU-Landesverband eingeplant hatte. Mit Merkel, der selbst manche Parteifreunde Amts- und Wahlkampfmüdigkeit attestierten, ist zu rechnen. Und auch das erfolgreiche Mobilisieren der eigenen Wähler durch die Warnung vor einer Links-Koalition gibt der Union Hoffnung für die kommenden Monate.

Video: So lief die Wahl im Saarland

Aber in Wahrheit war die Saarland-Wahl dann doch eine sehr regionale Veranstaltung, nicht nur wegen der gerade einmal 800.000 Wahlberechtigten. Die Niederlage tut dem SPD-Chef und Kanzlerkandidaten Schulz dennoch weh, zumal er dort auch selbst Wahlkampf gemacht hat. Aber er hat sich entschieden, diese Pleite in aller Klarheit abzuhaken - und nach vorne zu schauen. "Das Ziel für diesen Abend haben wir nicht erreicht", sagt er. Das bedeute aber nicht, "dass wir unser großes Ziel nicht erreichen werden".

Sprich: den Sieg bei der Bundestagswahl in sechs Monaten. Allerdings dürfte auch Schulz an diesem Abend klar geworden sein, wie schwer das zu schaffen sein wird. Zwar sind sich führende Genossen sicher, dass die Euphorie in der SPD groß genug ist, um den Saarland-Dämpfer wegzustecken. Aber Schulz alleine wird eben nicht reichen, um Merkels Kanzlerschaft zu beenden. Spätestens, wenn die programmatischen Leerstellen gefüllt werden, wird sich zeigen, wie geschlossen die Sozialdemokraten tatsächlich hinter ihrem Spitzenmann stehen. Und wie willens die Genossen sind, für ihn zu kämpfen.

SPD hofft auf die kommenden Landtagswahlen

Schulz erinnert nun auch wieder daran, welch lange Distanz bis zur Bundestagswahl noch vor ihm liegt. "Das ist ein Langstreckenlauf und kein Sprint", sagt er. Und auf dieser Strecke, so hofft man in der Partei, werden die beiden nächsten Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen den Genossen Rückenwind verschaffen: Die Umfragen sprechen dafür, dass die Staatskanzleien in Kiel und Düsseldorf in SPD-Hand bleiben. Dann könnte der Schulz-Zug wieder Fahrt aufnehmen.

Das weiß man auch in der Union. Nach der Wahl wird Merkel die Siegerin aus dem Saarland in der CDU-Zentrale in Berlin empfangen. Den obligatorischen Blumenstrauß wird es geben, lobende Worte obendrein. Das Saarland-Ergebnis nehmen die Christdemokraten gerne mit.

Sie wissen ja nicht, wie oft man sich in nächster Zukunft noch freuen darf.

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Seite 1
biba_123 27.03.2017
1. Zwei Dinge sind gut an dieser Wahl
1. Die Wahlbeteiligung steigt. 2. Die Grünen sind raus!
johann.schmieder 27.03.2017
2. Strategische Zwickmühle
Herr Schulz hat sich selbst eine strategische Zwickmühle geschaffen. Einerseits erweckt er soziale Erwartungen, die sich, auch im Wahlkampf, nur über eine Rot-Rot-Grüne Koalition erfüllen lassen, andererseits mögen die deutschen Wähler so eine Koalition nicht besonders und das bringt der CDU/CSU Stimmen, vor allem von bisherigen Nichtwählern. Bin gespannt, wie er aus dieser Zwickmühle entkommen will.
th.diebels 27.03.2017
3. Die Bundespolitiker sollen sich mal nicht
zu ernst nehmen ! Nicht Schulz oder Merkel standen im Saarland auf dem Wahlschein, sondern u.a. CDU, SPD, usw usw . Auch wenn es keiner glaubt, die Saarländer kennen den Unterschied zwischen Landtagswahlen und Bundestagswahlen ! Leider bleibt es wohl im Saarland beim "altbewährten" . Gruß aus dem Saarland und schönen Tag.
honey@girl 27.03.2017
4. Recht geschieht s!
Dass die Grünen rausgeflogen sind, ist die beste Nachricht des Tages. Sie haben sich zu einer Partei der Verhinderer, Besserwisser, Blockierer, Deutschlandhasser... entwickelt. Und die SPD muss erkennen, dass ein neuer 'Anstrich' nicht bedeutet, dass der Wähler auf einmal die schlechten Inhalte toll findet. Gestern wurden die richtigen abgewatscht!
retterdernation 27.03.2017
5. Das Auftrittsverbot ...
im Saarland für türkische Politiker durch die Ministerpräsidentin AKK - hat in meiner Analyse den Ausschlag für den gigantischen Wahlerfolg der CDU gegeben. Damit hat sich die Ministerpräsidentin klar positioniert - auch wenn es gar keine geplanten Veranstaltungen der Erdogan-Partei gab. Doch darum ging es überhaupt nicht. Das klare Signal - hier bei uns nicht - Ihr bleibt außen vor, hat der ohnehin schon beliebten Politikerin den Respekt verschafft, der zum deutlichen Wahlsieg führte. Auch wenn es natürlich ein Schachzug war - spiegelte es die Meinung vieler Menschen wieder und führte dann an den Wahlurnen zur Geschlossenheit. Und genau damit hat sich AKK vom seichten lavieren der SPD abgegrenzt. Die Menschen in Deutschland wollen offenbar klare Signale - bei den für sie wichtigen Themen. Das rumgenuschel um ein starkes Europa wird dagegen von vielen in Frage gestellt. Man weiß halt ganz genau - was das bedeutet ... im Marketing spricht man in solch Situationen von den Konsumentenbedürfnissen - und die hat die CDU im Saarland deutlicher erkannt - als die SPD ...
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