Elefantenrunde nach Bundestagswahl Schulz startet Wahlkampf

Martin Schulz hat Angela Merkel in der Elefantenrunde der Parteichefs und Spitzenkandidaten scharf angegriffen. Der SPD-Chef nannte die Kanzlerin "die größte Verliererin".
Angela Merkel und Martin Schulz

Angela Merkel und Martin Schulz

Foto: POOL/ REUTERS

Beim ersten Aufeinandertreffen der Spitzenkandidaten nach der Bundestagswahl hat SPD-Chef Martin Schulz Bundeskanzlerin Angela Merkel härter attackiert als während des gesamten Wahlkampfs. Unter anderem machte er die CDU-Chefin für das starke Ergebnis der AfD verantwortlich.

"Ich glaube, dass Frau Merkel einen Wahlkampf geführt hat, der skandalös war", sagte Schulz in der "Berliner Runde" von ARD und ZDF. "Die systematische Verweigerung von Politik hat ein Vakuum entstehen lassen, das die AfD teilweise geschickt gefüllt hat. Ich glaube, dass Frau Merkel eine große Verantwortung dafür trägt."

"Sie sind die größte Verliererin der Wahlen", sagte ein merklich angriffslustiger Schulz. Die Regierung sei abgewählt. Deshalb bekräftigte der SPD-Vorsitzende die Weigerung seiner Partei, erneut eine Große Koalition einzugehen.

Schulz zeigte sich überzeugt, dass eine Jamaika-Koalition aus CDU/CSU, FDP und Grünen zustande kommt. "Frau Merkel wird, um im Kanzleramt zu bleiben, jede Konzession machen", sagte der SPD-Kanzlerkandidat in Richtung von FDP-Chef Christian Lindner und Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt.

Merkel appellierte an die SPD, trotz des angestrebten Gangs in die Opposition ihre Verantwortung in der noch amtierenden Regierung wahrzunehmen. "Wir leben in stürmischen Zeiten", sagt sie. "Deshalb appelliere ich daran, dass jeder seine Verantwortung wahrnimmt. Und da habe ich auch keine Zweifel."

FDP-Chef Lindner ist bereit für Gespräche über eine mögliche Regierungskoalition. "Wir sind nicht zum Regieren verdammt, aber wir sind natürlich bereit, Verantwortung zu übernehmen", sagte Lindner in der "Elefantenrunde". "Es geht darum, die Stabilität der Bundesrepublik Deutschland in aufgeregten Zeiten zu sichern."

Grünen-Spitzenkandidatin Göring-Eckardt : "Wir sind in einer sehr schwierigen, komplizierten Situation an diesem Wahlabend."

AfD-Chef Jörg Meuthen hat eine "sehr harte, deutliche Opposition" seiner Partei angekündigt. "Die hat dieses Land auch bitter nötig, denn die hat dieses Land bis jetzt nicht gehabt." Auch im Bundestag werde die AfD auf Provokationen setzen. Aber: "Wir werden Ausländerfeindlichkeit ebenso wenig dulden wie rassistische Positionen. Wir haben sie aber auch schlicht nicht." Auf rassistische Äußerungen von führenden AfD-Politikern angesprochen, reagierte Meuthen ausweichend.

syd