SPD-Umfragehoch Schulz-Hype macht Union nervös

Der Aufschwung für die SPD ruft die Unionsgranden auf den Plan. Im SPIEGEL attackieren sie SPD-Kanzlerkandidat Schulz - und mahnen die eigenen Leute zur Geschlossenheit.

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer
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CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer


Martin Schulz beflügelt die SPD in den jüngsten Umfragen, er selbst überflügelt sogar die Kanzlerin in der Direktwahlfrage. Deshalb bemühen sich führende Politiker von CDU und CSU nach Kräften, den Erfolg des designierten SPD-Kanzlerkandidaten als kurzfristige Momentaufnahme herunterzuspielen.

"Der Kandidat Schulz hat noch überhaupt nichts Konkretes gesagt", so CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer gegenüber dem SPIEGEL. "Wenn er konkret werden muss, wird auf den Rausch schnell ein ernüchternder Kater folgen." Für Scheuer ist Schulz das "Gesicht einer rot-rot-grünen Linksfront", die es zu bekämpfen gilt. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Auch sein CDU-Kollege Peter Tauber weist darauf hin, dass Schulz bisher inhaltlich noch keine Angriffsfläche biete: "Das wird er bis zur Wahl aber nicht durchhalten können", ist Tauber sich sicher. Allerdings machten die Zahlen auch deutlich: "Es geht um was, wir müssen geschlossen kämpfen."

So sieht es auch der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen, der vor dem alten Unionskonzept einer Politik mit verteilten Rollen warnt: "Was geboten ist, ist Klarheit. Man muss den Gegnern mit Wucht und Geschlossenheit entgegentreten."

In den vergangenen Monaten hatten der Streit um die Flüchtlingspolitik CDU und CSU alles andere als geschlossen erscheinen lassen. An diesem Sonntag und Montag wollen die Parteispitzen sich in München zur offiziellen Versöhnung treffen.

CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn mahnt seine Parteifreunde: "Mit der klaren Haltung kommt die Geschlossenheit. Und mit der Geschlossenheit kommt der Erfolg." Zugleich spöttelt Spahn über den SPD-Kandidaten: "Herr Schulz aus Brüssel hat die SPD aus ihrer tiefen Depression erlöst. Dafür hat bisher viel heiße Luft gereicht."

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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ama

insgesamt 188 Beiträge
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Seite 1
coloneltw 03.02.2017
1. egal wer am Ende gewinnt
es verspricht ein interessanter Wahlkampf zu werden. gerade die Lehren aus der US Wahl werden den Unterschied zw. den Politikern hier und da drüben verdeutlichen. Sie werden beide auf Inhalte setzen. Auf der einen Seite die Kanzlerin, die seit 12 Jahren durchregiert auf der anderen Seite eine neue Hoffnung der SPD, die den Wandel (aber nicht zuviel) geben könnte. Ich vermute auch, dass die AFD unter Trump leiden wird. Viele Wähler werden zurückschrecken dort das Kreuz zu machen wenn sie sehen was es da drüben bedeutet. Auch die kleinen Parteien werden aufpassen müssen nicht aufgerieben zu werden. Denen fehlt die schillernde Person zum Vorzeigen. Insofern ist Schulz schon jetzt ein Gewinn für Vielseitigkeit, Demokratie und Zusammenhalt. Ob man nun SPD wählt oder nicht - es wird spannend und interessant.
m.sielmann 03.02.2017
2. Noch kein Hype
Sicher wäre es begrüßenswert, wenn die SPD den Wählerinnen als Alternative erscheint. Das US System besticht immer wieder dadurch, dass Präsidenten nur für einen begrenzten Zeitraum das Land führen dürfen. In Deutschland aber fehlt diese Automatik. Nur aussichtsreiche Gegenkandidaten führen zu Neuformierungen. Sicher wäre ein erfolgreicher Schulz für die Union, die Grünen und die Linke als Parteien ein Glück, um ihr eigenes profil zu hinterfragen und nachzubessern. Für die SPD allerdings kann es auch von nachteil sein. Denn es entsteht zu sehr der Eindruck, dass es am Spitzenpersonal lag, dass die Partei an Bedeutung verlor und nicht am Profil. Dennoch kann ein Hype so kurz nach der Benennung als Kanzlerkandidat (und durch wen eigentlich?) noch nicht angenommen werden. Vielleicht aber eine erhöhte Aufmerksamkeit und Neugier, die SPD-Politiker/inne/en klug nutzen könnten. Vielleicht klappt es ja diesmal.
Gudrun3 03.02.2017
3. Es gibt 2017 Schwarz-Grün-Gelb,
es sei denn, Schulz zückte irgendwann die "Geheimwaffe", die mit einem Schlag sowohl die SPD auf über 30% katapultieren, sowie die AfD zerlegen könnte: Umfassende Wiederherstellung des Sozialstaates.
ahloui 03.02.2017
4. Nur nicht nervös werden
in Straßburg und Brüssel war Herr Schulz als Einäugiger der König unter den Blinden. Hier muss er liefern..., ich frage mich nur, was... Als Parlamentspräsident ohne wirkliche Verantwortung sich durch Parolen zu profilieren ist nun wahrlich kein Kunststück
fat_bob_ger 03.02.2017
5. Das Problem ist nicht der Kandidat, sondern die Partei
Bisher hat es sie SPD immer wieder geschafft, ihrem Führungspersonal ein Bein zu stellen. Vertritt die SPD nun den Arbeitslosen oder den gutverdienenden Arbeitnehmer beim Daimler? Wollen sie die europäische Freizügigkeit auf dem Arbeitsmarkt oder höhere Löhne in D? Martin Schulz hat bisher zu keinem Thema eine klare Position beziehen können. So will die SPD für mehr Gerechtigkeit sorgen und mit MS gegen Steuerhinterziehung und Steuervermeidung kämpfen. MS hat seinerseits mit dem größten Ermöglicher der Steuervermeidung Herrn Junker jahrelang bestens zusammen gearbeitet. Was hat Herr Schulz denn zu vermelden? Will er einer R2G Koalition vorstehen oder steht er auch für eine Rot/Schwarze Koaliton zur Verfügung? Will er noch mehr Kompetenzen an die EU abgeben? Wie will er mit außenpolitischen Postionen der Linken in einer R2G Koalition umgehen? Steht er für eine steigende Staatsverschuldung, um durch subventionierte Arbeitsplätze in einem vollbeschäftigten Land dem Konsum auf die Sprünge zu helfen. Will er den EU Stabilitätspakt aufkündigen und die EZB mit 2 Billionen Euro Anleihen (und deren 25%igen Eigentümer Deutschland) dafür in die Haftung gehen lassen? Ich verleihe bereits heute H. Schulz den Schwarzen Gürtel der fehlenden politischen Postionen. In drei Monaten könnte noch der Schwarze Gürtel für widersprüchliche Positionen dazu kommen!
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