SPD-Kanzlerkandidat Schulz sucht Kontakt zur Wirtschaft

Martin Schulz hat sich mit den Gewerkschaften verbrüdert, redet viel über Arbeitnehmer. Jetzt will der SPD-Kanzlerkandidat nach SPIEGEL-Informationen auch Genosse der Bosse sein - auf Druck aus der Partei.
Martin Schulz bei einer SPD-Veranstaltung in Berlin (22.3.2017)

Martin Schulz bei einer SPD-Veranstaltung in Berlin (22.3.2017)

Foto: Gregor Fischer/ dpa

Martin Schulz war viel unterwegs in den vergangenen Wochen: Er hat auf Landesparteitagen gesprochen, Gewerkschaftsfunktionäre getroffen, sich in Betrieben die Sorgen der Beschäftigten angehört.

Nur mit Unternehmenschefs und Vertretern der Wirtschaftsverbände hat er sich kaum blicken lassen. Dass sie auch beim Sonderparteitag der SPD am vergangenen Sonntag in Berlin nicht begrüßt wurden, hätten sie wohl locker weggesteckt. Dass Schulz und der scheidende Parteichef Sigmar Gabriel sich aber zugleich demonstrativ mit den Gewerkschaftschefs verbrüderten, stieß einigen dann doch negativ auf.

An den engen Kontakten zu Betriebsräten und Arbeitnehmern will Schulz festhalten, so wird er etwa in den kommenden Wochen wohl bei VW in Wolfsburg, Audi in Ingolstadt und auch MAN in München vorbeischauen.

Mehrere Treffen mit Spitzenvertretern der Wirtschaft geplant

Um allerdings dem Eindruck entgegen zu treten, er kümmere sich allzu einseitig um die Interessen von Arbeitnehmern und Gewerkschaften, plant Schulz nach SPIEGEL-Informationen nun auch mehrere Treffen mit Spitzenvertretern der Wirtschaft (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier).

Unter anderem sind persönliche Termine mit dem Präsidenten des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Dieter Kempf, und dem Chef des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer, vereinbart. Wollseifer und Schulz wollen sich bereits kommende Woche treffen.

Außerdem plant Schulz Reden vor Unternehmern - etwa bei einem Wirtschaftsempfang der SPD-Bundestagsfraktion Ende Mai und beim Tag der Deutschen Industrie im Juni. Dort soll er neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) der Hauptredner sein.

Dass Schulz nun demonstrativ den Kontakt zur Wirtschaft sucht, hat auch mit innerparteilichem Druck zu tun: Wirtschaftsnahe Sozialdemokraten hatten zuletzt das Willy-Brandt-Haus aufgefordert, gezielter den Kontakt zu Unternehmern und Managern zu suchen. Kanzler könne Schulz nur werden, wenn er mit beiden Seiten, Arbeitnehmern und Arbeitgebern, klarkomme, hieß es in der Partei.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.