Ex-Kanzler Schröder und Maschmeyer Fettes Beziehungskonto

Gerhard Schröder und Carsten Maschmeyer pflegten und pflegen eine Freundschaft, von der beide profitierten. Ein neues Buch zeigt, wie ungeniert der Finanzunternehmer den Kanzler umgarnte - und was er sich offenbar davon versprach.

REUTERS

Von


Berlin - Kürzlich feierten Carsten Maschmeyer und Veronica Ferres mit engen Freunden an der Côte d'Azur ihre Hochzeit. Das Brautpaar schritt über einen Teppich aus Rosen, zum Abschluss gab es ein großes Feuerwerk. Unter den Gästen des Finanzinvestors und der Schauspielerin im Hôtel du Cap-Eden-Roc war auch Ex-Kanzler Gerhard Schröder. Und noch weitere Bekannte aus alten Zeiten: Bert Rürup, Wirtschaftswissenschaftler und Rentenexperte, Ex-Wirtschaftsminister Philipp Rösler und Ehefrau. Es fehlte eigentlich nur noch Christian Wulff, Ex-Bundespräsident.

Maschmeyer und der Ex-Kanzler - das ist ein Beziehungsgeflecht ganz eigener Art. Am Donnerstag stellten die "Stern"-Autoren Wigbert Löer und Oliver Schröm in Berlin ihr Buch "Geld Macht Politik. Das Beziehungskonto von Carsten Maschmeyer, Gerhard Schröder und Christian Wulff" vor. Die Autoren der Hamburger Illustrierten warten darin mit pikanten Details aus der Zeit der rot-grünen Regierung auf, die der Sozialdemokrat Schröder von 1998 bis zum Herbst 2005 anführte. Dafür werteten Löer und Schröm Vorstandsprotokolle von Maschmeyers einstigem Versicherungsunternehmen AWD (heute Suisse Life Select), Bankunterlagen, Verträge, Briefe, Faxe und handschriftliche Notizen aus.

Das "Beziehungskonto" und der Erfolg

Das Ergebnis sind neue, tiefe Einblicke in die oft beschriebene Männerfreundschaft des Carsten Maschmeyer zum heutigen Altkanzler und Gazprom-Lobbyisten. Deutlich wird: Maschmeyer antichambrierte und umschmeichelte Gerhard Schröder, was das Zeug hielt. 2002, nach Schröders knapper Wiederwahl, schrieb der Unternehmer an den Kanzler: "Viele Sportler können sich von Ihrer Kämpfernatur eine Scheibe abschneiden. Viele Manager würden mit einem solchen Siegeswillen, Begeisterung und Ausdauer bessere Zahlen in ihren Unternehmen präsentieren." Später ging man zum Du über. Zum 60. Geburtstag (bei Schröders 70. in diesem Herbst war Maschmeyer übrigens auch unter den Gästen) jubelte Maschmeyer euphorisch: "Du bist der 'oberste Vorstandsvorsitzende' aller Unternehmenslenker und führst ein Unternehmen mit 80 Millionen Menschen."

Maschmeyer, wie Schröder ein Aufsteiger aus kleinen Verhältnissen, hat selbst einmal seine Geschäftskünste unter dem Schlagwort vom "Beziehungskonto" zusammengefasst. Was das Beziehungskonto zu Schröder anging, war Maschmeyer besonders aktiv. 2004 schrieb der SPIEGEL über einen Auftritt des Kanzlers vor dem AWD - die "Stern"-Autoren fanden nun heraus, dass sich der Finanzunternehmer dafür mit einer Spende über 10.000 Euro an eine Stiftung revanchierte und darüber Schröders Ehefrau schriftlich informierte.

Ursprünglich hatte Maschmeyer demnach sogar vor, dem Kanzler ein Honorar zu zahlen - er musste sich aber von Schröders langjähriger Büroleiterin belehren lassen, dass das nicht üblich war. Kaum hatte Schröder mit der Agenda 2010 die große Sozialreform angeschoben, die zu Verwerfungen in der SPD führte, schrieb Maschmeyer im Namen mehrerer Unternehmer: "Alle sehen Deine 'Agenda 2010' positiv. Nur noch wenig Ewiggestrige haben nicht verstanden, dass es keine Alternative zu einem Reformkurs in Deutschland gibt." Das Schreiben endet: "In tiefer Hochachtung."

Wie viel bekam Schröder für seine Memoiren von Maschmeyer?

Das System Maschmeyer war, so legen es die Recherchen der Autoren nah, offenkundig erfolgreich: Der Unternehmer konnte nicht nur einen Teil der von seinem AWD formulierten Bedenken bei der Reform der einst unter Schröders Regierung eingeführten "Riester-Rente" durchsetzen, durch die die private Versicherungswirtschaft staatlicherseits massiv gefördert wurde. Auch gelang es ihm, mit Schröders Hilfe den damaligen Rentenexperten im Kanzleramt zu kontaktieren und über Schröders Büro einen englischen Minister für eine Rede vor dem AWD vermittelt zu bekommen.

Als sich Schröders politisches Ende abzeichnete und der Kanzler nach der verlorenen NRW-Wahl im Frühjahr 2005 überraschend Neuwahlen im Bund ansetzte, wurde Maschmeyer aktiv. "Sollten Deine Parteilinken und die Grünen die Wahl 'vermasseln', hast Du anschließend trotzdem große persönliche Chancen, denn Dein Image und Deine Reputation sind durch diesen richtigen Schritt noch besser, und deshalb bieten sich Dir dann vielfältige Möglichkeiten zur Verbesserung der Lebensqualität", schrieb er im Mai desselben Jahres an den Noch-Kanzler.

Knapp ein Jahr nach seiner Wahlniederlage stellte Schröder dann in der SPD-Zentrale in Berlin seine Memoiren vor. Dass Maschmeyer ihm die Buchrechte ab- und anschließend weiterverkaufte, brachte der SPIEGEL bereits im Jahr 2011 ans Licht. Damals hieß es, Maschmeyer habe Schröder rund eine Million Euro bezahlt.

Aus den Akten, die die "Stern"-Autoren durchstöbert haben, geht nunmehr hervor, dass Maschmeyer Schröder einen "Vorschuss in Höhe von EUR 2.016.380,37" inklusive Umsatzsteuer gezahlt hat. Während das Büro Schröders zu all dem keine Stellungnahme abgab, erklärte eine Sprecherin Maschmeyers die Differenz gegenüber SPIEGEL ONLINE mit dem Unterschied zwischen Brutto- und Nettohonorar. Von den zwei Millionen Euro Honorar sei Schröder nach Steuern rund eine Million Euro geblieben.



insgesamt 106 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
logabjörk 13.11.2014
1. Korruption in Reinkultur
Betrüger muß man Betrüger nennen.
paul-48 13.11.2014
2. TANGO KORRUPTI überall in politischen S.ustall
Lobbyisten und Marionetten wissen, dass mit bdem Gesetz das sie 2012/2013 selbst geschrieben und verabschiedet haben ABSOLUT nichts passieren kann! Wie lange noch..........?
vonschnitzler 13.11.2014
3. alter Hut
Das ist doch schon seit Ewigkeiten bekannt!? Dass Gerhard Schröder in Sachen Käufligkeit mit Abstand die Nummer 1 in der Geschichte der BRD ist, ist doch nun wirklich keine Neuigkeit. Aber vielleicht ist es ganz gut, das nochmal in Erinnerung zu rufen. Viele haben das wohl vergessen und/oder verdrängt...
dieter-ploetze 13.11.2014
4. also 1 million netto,das klingt schon anders
vorausgesetzt,dass schroeder voll versteuert hat. das ist ja auch nicht selbstverständlich.
kbank 13.11.2014
5. Tja
Ist doch eigentlich nichts Neues, auch wenn Justiz, Politik und vor allem die SPD nichts davon wissen wollte und will! Nur die Spitze vom Eisberg?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.