Massaker im Kongo Uno-Bericht deckt weltweites Rebellennetzwerk auf

Die berüchtigte kongolesische Miliz FDLR kann sich einem Uno-Bericht zufolge auf ein Netz von Unterstützern auf der ganzen Welt verlassen. Helfer der Rebellen sitzen demnach auch in den USA und Europa. Das Embargo der Vereinten Nationen ist praktisch wirkungslos.


Conakry/Guinea - Eine der brutalsten Rebellenbewegungen im Kongo kann sich laut einem Uno-Bericht auf ein globales Netz an Unterstützern verlassen, darunter sind auch Helfer in den USA und in Europa. Das geht aus einem bislang noch unveröffentlichten Uno-Bericht hervor, der der Nachrichtenagentur AP vorliegt und der im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen diskutiert werden sollte. Der Chef der Rebellen wurde erst vor zwei Wochen in Deutschland festgenommen.

Der Bericht zeigt, dass die Unterstützer den Rebellen der Demokratischen Streitkräfte zur Befreiung Ruandas helfen, an Waffen zu kommen und Geld zu transferieren. Bekannt ist die Gruppe unter der französischen Abkürzung ihres Namens: FDLR. Es handelt sich um eine Hutu-Miliz, die im Kongo Chaos verbreitet.

Der internationalen Gemeinschaft ist es trotz Embargo demnach noch nicht gelungen, die Logistik der FDLR zu unterbrechen. Unterstützer in Nordamerika, Europa und Afrika seien zum Rückgrat der Operationen der FDLR geworden, auch bei der Entwicklung der Militärstrategie, heißt es. Die Uno wirft auch den kongolesischen Streitkräften vor, Waffen und Munition an die Rebellen zu verschieben. Ein kongolesischer Offizier wies dies aber zurück.

Wann der Bericht im Uno-Sicherheitsrat diskutiert wird, ist noch unklar. Möglicherweise geschehe das am Montag, sagte Uno-Sprecher Farhan Haq. Aus diplomatischen Kreisen verlautete aber, es gebe im Sicherheitsrat Bestrebungen, den Bericht zu vertagen, da es darin auch Hinweise gebe, dass die Rebellen aus einigen Mitgliedsländern unterstützt würden.

Hilfe vom Rebellenchef aus Deutschland

Laut dem Uno-Bericht gibt es Hinweise, dass der in Deutschland festgenommene Rebellenchef Ignace Murwanashyaka bei Waffenlieferungen geholfen, Geldtransfers organisiert hat und in direktem Kontakt zu dem Kommandeur im Ostkongo stand, General Sylvestre Muducumura. FDLR-Deserteure sagten den Uno-Ermittlern, dass Muducumura keine größere Operation unternehme, ohne vorher den Chef in Deutschland zu konsultieren.

Neben Deutschland gab es besonders viele telefonische Kontakte in fünf weitere Länder, darunter Belgien und Frankreich. Die Uno konnten einige Kontakte auch bis zu katholischen Wohltätigkeitsorganisationen in Spanien zurückverfolgen. Daneben habe es auch Kontakte von FDLR-Kommandeuren zu Regierungsvertretern in Tansania und Burundi.

Eine Offensive der kongolesischen Streitkräfte gegen die FDLR zu Beginn des Jahres ist weitgehend gescheitert. Die Miliz konnte zwar zunächst aus strategischen Positionen vertrieben werden, hat das verlorene Gebiet seitdem aber wieder weitgehend zurückerobert.

Rukmini Callimachi, AP

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