Ermittlungen der Bundesanwaltschaft Russischer Physiker soll Max-Planck-Institut ausgeforscht haben

Ein russischer Wissenschaftler wird verdächtigt, dem Moskauer Auslandsgeheimdienst Forschungsinhalte aus Deutschland verraten zu haben. Die Bundesanwaltschaft hat nach Informationen des SPIEGEL Ermittlungen aufgenommen.


Wegen des Verdachts der "geheimdienstlichen Agententätigkeit" ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen einen 28-jährigen russischen Wissenschaftler: Ivan A. wird nach Informationen des SPIEGEL verdächtigt, dem russischen Auslandsgeheimdienst SWR vertrauliche Forschungsinhalte verraten zu haben.

Von 2009 bis 2011 forschte er jeweils für mehrere Monate am "Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts" im bayerischen Erlangen. Seine Spezialgebiete: Quantenoptik und Nanophotonik. Es handelt sich um Grundlagenforschung, die etwa bei der Entwicklung von ultraschnellen Quantencomputern eine Rolle spielt.

Ivan A. wurde im Juli vergangenen Jahres am Düsseldorfer Flughafen vorübergehend festgenommen und verhört. Zu diesem Zeitpunkt forschte A. an der Technischen Universität in Eindhoven. Er musste die Niederlande verlassen.

Auf die Spur des Forschers kam das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) bei der Observation eines russischen Diplomaten, der am russischen Generalkonsulat in Bonn akkreditiert war. Einmal im Monat reiste der Mann, den das BfV als Offizier des Auslandsgeheimdienstes enttarnt hatte, nach Aachen. Dort traf er Ivan A. Der bestreitet gegenüber dem SPIEGEL die Vorwürfe.

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insgesamt 31 Beiträge
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asedky 25.07.2015
1. paradoxes verhalten
was fuer ein wiederspruch. der ami spioniert seit jahren alle details der deutschen elite aus und wird, durch die politische haltung, aufgemuntert ordendlich weiterzumachen. dem 28 jaehrigen russen, reisst man, mit recht, auseinander.
mk70666 25.07.2015
2.
?!? Ich dachte die Forschungsergebnisse der Max-Planck-Institute dienen der Allgemeinheit und sind keine Geheimwissenschaft!?
darthkai 25.07.2015
3. Wenn ich die Kompetenz
unserer Geheimdienste, insbesondere des BiV richtig einordne, sollte der Fall recht schnell aufgeklärt sein und der Mann hat nicht spioniert, sondern dem Süd-West Rundfunk ein Interview gegeben...
leser008 25.07.2015
4. Uni Maus
Wen wundert das noch ? Allerdings sind die Max PL Institute auch grossteils selber schuld dran. Um in der nächsten Exzellenz Initiative, im Clusterwahn, die begehrten Fördergelder zu bekommen, brüstet man sich mit einer möglichst internationalen Aufstellung. Da wird in der Praxis durchaus erprobten einheimischen Mitarbeitern der Vertrag nicht verlängert. Dafür aber was Internationales eingestellt. Und nicht alle Agenten sind so deppert, sich offen mit ihrem Leiter zu treffen.
malu501 25.07.2015
5. Bin gespannt,
ob Generalbundesanwalt Range diesmal ernsthaft ermittelt und wie es diesmal mit den gerichtlich belastbaren Beweisen aussieht, die ja in der jahrelangen Spioniererei durch die NSA leider nie ausreichend für eine Anklage waren. Bin gespannt. Wenn dies diesmal der Fall sein sollte, dann dürfte auch dem letzten klar sein, dass der Generalbundesanwalt nicht so unabhängig ist, wie er es per se sein sollte. Dann entlarvt sich die Justiz endgültig als Handlanger der Politik.
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