Max-Strauß-Prozess Zeuge identifiziert "Maxwell"

Im Steuerstrafprozess gegen Max Strauß hat ein Zeuge schwere Anschuldigungen erhoben. Demnach war Strauß tatsächlich "Maxwell" - so wie die Anklage es vermutet. "Maxwell" hieß auch ein Geheimkonto in der Schweiz. Dorthin soll der Waffenlobbyist Schreiber geheime Millionenprovisionen an Strauß überwiesen haben.


Angeklagter Max Strauß: "Schon wieder Maxwell"
DDP

Angeklagter Max Strauß: "Schon wieder Maxwell"

Augsburg - Der ehemalige enge Mitarbeiter von Karlheinz Schreiber hat den Politikersohn Max Strauß als die Person hinter dem Tarnnamen "Maxwell" identifiziert. Der ehemalige stellvertretende Geschäftsführer von Schreibers Straßenmarkierungsfirma Bayerische Bitumen Chemie, Albert Birkner, sagte am Donnerstag im Prozess vor dem Augsburger Landgericht, Schreiber habe Strauß oft "Maxwell" oder "Elsa" nach dem Namen einer amerikanischen Klatschkolumnistin genannt.

Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass Max Strauß hinter Schreibers geheimem Konto "Maxwell" stehe und darüber rund 2,6 Millionen Euro aus Airbus- und Panzer-Geschäften kassiert und nicht versteuert haben soll.

Der Zeuge betonte, der Strauß-Sohn und Schreiber seien enge Freunde gewesen, nachdem ihn der Vater dem Geschäftsmann anvertraut habe. Birkner sagte weiter, er selbst habe seine Freundschaft mit Schreiber in einem "Abschiedsbrief" gebrochen, nachdem er eine fest versprochene Abfindung in Höhe von einer Million Dollar nie erhalten habe. "Schreiber war immer großzügig in Angeboten von Summen."

Er sagte unter Eid aus, nach Telefonaten mit dem Strauß-Sohn, habe Schreiber oft gesagt: "Die Elsa war am Apparat" oder "Schon wieder Maxwell". Er wisse jedoch nicht, ob Strauß jemals Geld von Schreiber bekommen habe, sagte Birkner.

Er habe jedoch auf einem Besuch beim Wiener Opernball miterlebt, wie Schreiber dem damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß ein Kuvert mit 100.000 Mark übergeben wollte. Der CSU-Chef habe damals erwidert: "Nein, so was will ich nicht", ihm darauf aber die Adresse des CSU-Spendensammlers Franz Dannecker gegeben. "Mach es mit dem", habe Strauß gesagt. Schreiber habe Dannecker schließlich das Geld vorbeigebracht.

Schreiber hatte nach eigenen Angaben den Tarnnamen "Maxwell" für Dannecker geführt. In dem Prozess wurde ein bislang unbekanntes Dokument gezeigt, in dem Schreiber in einer Unterlassungsklage gegen den CSU-Spendensammler, diesen bereits 1987 wegen dessen angeblicher Geschwätzigkeit als "Elsa Maxwell" betitelt hatte.

Schreiber hatte vor dem Berliner Parteispenden-Untersuchungsausschuss angegeben, das Geld auf dem Geheimkonto "Maxwell", sei als schwarze Kasse für die CSU bestimmt gewesen, aber nie abgerufen worden. Sein Geschäftsführer Birkner betonte jedoch, Schreiber habe nie pauschal an Parteien Geldspenden verteilt, sondern immer nur an bestimmte Personen, die ihm nützlich erschienen.

Birkner, der nach eigenen Angaben bis 1991 Schreibers Straßenmarkierungsfirma führte und ihn zuvor bei kanadischen Projekten als Übersetzer diente, betonte, er habe den Eindruck gehabt, dass Dannecker Schreiber später gehasst habe, weil der Kauferinger die Familie Strauß in ein Immobiliengeschäft in Kanada hineingezogen habe, bei dem diese sehr viel Geld verloren habe. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft soll Max Strauß das Geld über Maxwell als Entschädigung für diese Verluste erhalten haben.



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