Niedersachsen-Wahlumfrage McAllisters FDP-Problem

Regierungschef McAllister steckt in der Klemme: Seine CDU ist die stärkste Kraft in Niedersachsen, doch sein Koalitionspartner schwächelt. Die FDP kommt laut einer neuen Umfrage auf gerade drei Prozent. Es wird eng für Schwarz-Gelb - Hilfe von der Union lehnen führende Liberale jedoch ab.

Rösler und McAllister: Politische Zukunft entscheidet sich am 20. Januar
dapd

Rösler und McAllister: Politische Zukunft entscheidet sich am 20. Januar

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Hannover/Hamburg - Eigentlich läuft es gut für David McAllister. Der Ministerpräsident von Niedersachsen führt in den Umfragen in der Beliebtheitsskala weit vor seinem Herausforderer, dem noch sehr blass wirkenden SPD-Kandidaten Stephan Weil. Die CDU liegt bei 40 Prozent in der neuesten Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des NDR.

Doch all das tritt angesichts der miserablen Werte des Koalitionspartners in den Hintergrund. Bei gerade einmal drei Prozent sieht Infratest dimap die FDP in Niedersachsen - und das seit Monaten. "Wie fest zementiert" seien die Werte der Liberalen, stellt Richard Hilmer, Geschäftsführer von Infratest dimap, fest. Noch immer wiege die Enttäuschung über die liberale Politik im Bund schwer.

Hinzu kommt, dass die Demoskopen auch die Piraten (drei Prozent) und die Linken (drei Prozent) nicht mehr im Landtag von Hannover sehen. Die Grünen erreichen aber 15 Prozent und machen damit einen rot-grünen Machtwechsel möglich. Die SPD liegt derzeit bei 33 Prozent.

Die Christdemokraten sind besorgt, mit Argusaugen verfolgen sie jede Umfrage. Da hilft auch wenig, dass das McAllister-Lager immer wieder versucht, positive Stimmung zu verbreiten, unter dem Motto: Wo drei bis vier Prozent für die FDP sind, sind im Januar auch fünf.

Klar ist, CDU und FDP brauchen einen fulminanten Endspurt, damit Niedersachsen nach dem 20. Januar schwarz-gelb bleibt. Schon wird über mögliche Hilfsmaßnahmen für den angeschlagenen Koalitionspartner spekuliert.

Doch eine Zweitstimmenkampagne der Christdemokraten für die Liberalen ist ein heikles Thema, auch wenn sie grundsätzlich möglich scheint, wie Demoskop Hilmer sagt: "In diesen Wählerschichten gibt es sehr viele strategisch denkende Menschen." Doch rührt so eine Hilfsaktion am ohnehin gebeutelten Selbstbewusstsein der Liberalen, die seit Monaten nicht über die Fünf-Prozent-Hürde kommen. Weder in Niedersachen, noch im Bund.

FDP-Chef Philipp Rösler, ein alter McAllister-Freund aus gemeinsamen Tagen in der niedersächsischen Politik, gibt sich nach Außen unverdrossen optimistisch. Auf den letzten Metern soll die Anhängerschaft in seinem Heimat-Bundesland mobilisiert werden. Eine wichtige Zwischenetappe ist das Dreikönigstreffen am 6. Januar in Stuttgart. Dort will die FDP ein Signal in die Republik, in den Norden, senden.

"Die FDP will keine Almosen"

Eine Zweitstimmenkampagne der CDU lehnen führende FDP-Politiker strikt ab, wie eine Umfrage von SPIEGEL ONLINE ergab. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr sagt: "Die FDP will keine Almosen."

Der liberale Fraktionschef im Bundestag, Rainer Brüderle, erklärt: "Die FDP ist stark genug, um aus eigener Kraft und mit einer überzeugenden Regierungsbilanz bei den Bürgern in Niedersachsen zu punkten." Eines sei den Wählern sicher klar: Gebe es keine Mehrheit für Schwarz-Gelb, werde Niedersachsen bald von Rot-Grün regiert. Das bedeute mehr Schulden, neue Steuern und neue Abgaben. "Außerdem gäbe es dann im Bundesrat einen Betonblock der Vereinigten Linken aus SPD, Grünen und Linkspartei, der alles verhindern würde, was Deutschland erfolgreich macht", so Brüderle.

Auch der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki, der in diesem Frühjahr mit einem fulminanten und engagierten Wahlkampf für seine Partei mehr als acht Prozent herausholte und damit seit längerem mal wieder ein positives Zeichen setzte, ist gegen eine Bettelkampagne: "Sowohl FDP als auch CDU haben bereits angekündigt, dass sie für eine Neuauflage von Schwarz-Gelb werben werden. Beide sehen die größten Schnittmengen mit dem jeweils anderen. Aber selbstverständlich kämpft jeder für sich."

Das betont auch der niedersächsische Spitzenkandidat Stefan Birkner: "Die Taktik legt aber auch in einer guten Koalition jede Partei selbst fest." Der Umweltminister betont aber auch: "Die CDU weiß ja selbst genau, dass ohne die FDP im Landtag Rot-Grün droht, weil es für die CDU allein nicht reichen wird."

Alles oder Nichts

Die Strategie der schwarz-gelben Koalition in Hannover wird wohl auf keine direkte Wahlwerbung der CDU für die angeschlagenen Liberalen hinauslaufen. Indem die Erfolge der Regierung herausgestrichen werden, sollen die Stammwähler beider Lager an die Urnen gebracht werden.

Zudem hoffen die Liberalen auch auf Unterstützung aus dem Lager der Unternehmer, Signale dafür gibt es bereits. Rösler ist in Niedersachsen beliebt. Er war, bevor er nach Berlin wechselte, anerkannter Landeswirtschaftsminister. Auch nach dessen Weggang stellt die FDP das Ressort. Einen Bonus, den die Liberalen im langsam beginnenden Wahlkampf auszuspielen hofften.

Für Rösler geht es am 20. Januar schließlich um alles oder nichts. Schafft seine Partei nicht mehr den Sprung in den Landtag, wird er als Bundesvorsitzender der FDP nicht mehr zu halten sein. Und dem CDU-Hoffnungsträger McAllister bliebe dann wohl nur noch das Mandat als Abgeordneter.

insgesamt 25 Beiträge
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helmut-s. 06.12.2012
1. Nicht nachvollziehbar!
Zitat von sysopdapdMcAllister steckt in der Klemme: Seine CDU ist die stärkste Kraft in Niedersachsen, doch sein Koalitionspartner schwächelt. Sechs Wochen vor der Wahl kommt die FDP laut einer neuen Umfrage auf gerade drei Prozent. Es wird eng für Schwarz-Gelb - Hilfe von der Union lehnen führende Liberalen jedoch ab. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/mcallister-muss-um-koalitionspartner-fdp-bangen-a-871341.html
Was hat Spiegel Online denn da wieder geritten? Die Berichterstattung zur aktuellen NDR-Umfrage halte ich doch für sehr überzogen. Richtig ist, dass die CDU stärkste Kraft geworden ist. Der einer Google-Umfrage mächtige Internetnutzer findet eine weitere Umfrage vom 6.12.2012, von der Forschungsgruppe Wahlen. Mit einem besseren Wert für die FDP, die CDU bleibt vorn - Es ist,wie es ist: Umfragen sind Momentaufnahmen, diese beiden jedoch mit klarer Tendenz für schwarz-gelb. Das werden auch Demoskopen bestätigen!
ulrich_seeger 06.12.2012
2.
Infratest und der NDR sind nun schon seit Monaten bemüht, die FDP auf 3 % zu halten. Vielleicht sollte SPIEGEL ONLINE einfach mal die ZDF-Umfrage (Forschungsgruppe Wahlen) von heute zur Kenntnis nehmen, bevor voreilige Schlüsse in die falsche Richtung weisen: da sieht alles ganz anders aus, FDP, Linke und Piraten liegen bei 4 %, die Grünen haben 2 % weniger als in der NDR-Umfrage und die SPD kommt mit 32 % weiterhin nicht aus dem Quark.
bristolbay 06.12.2012
3. Warum so viel Geschrei
Zitat von sysopdapdMcAllister steckt in der Klemme: Seine CDU ist die stärkste Kraft in Niedersachsen, doch sein Koalitionspartner schwächelt. Sechs Wochen vor der Wahl kommt die FDP laut einer neuen Umfrage auf gerade drei Prozent. Es wird eng für Schwarz-Gelb - Hilfe von der Union lehnen führende Liberalen jedoch ab. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/mcallister-muss-um-koalitionspartner-fdp-bangen-a-871341.html
um eine unbedeutende Partei wie die FDP. Oder beginnt bereits jetzt eine Kampagne, um diesen Verein wiederzubeleben. Leute in Niedersachsen, jagt diese alimentierten Berufspolitiker der FDP aus dem Landtag. Zwei Prozent würden diesem Klümpchenverein besser als 3 Prozent zu Gesicht stehen. Und FDP rächt euch nach einer verlorenen Wahl nicht an den kleinen Philipp, den braucht ihr noch, um im Herbst unterzugehen. Tschüss FDP
soziologe79 06.12.2012
4. Alles ist möglich
Zitat von helmut-s.Was hat Spiegel Online denn da wieder geritten? Die Berichterstattung zur aktuellen NDR-Umfrage halte ich doch für sehr überzogen. Richtig ist, dass die CDU stärkste Kraft geworden ist. Der einer Google-Umfrage mächtige Internetnutzer findet eine weitere Umfrage vom 6.12.2012, von der Forschungsgruppe Wahlen. Mit einem besseren Wert für die FDP, die CDU bleibt vorn - Es ist,wie es ist: Umfragen sind Momentaufnahmen, diese beiden jedoch mit klarer Tendenz für schwarz-gelb. Das werden auch Demoskopen bestätigen!
Alle drei kleinen Parteien sieht die FGW bei 4%. Das können wegen der Fehlerqoute real 3 oder 5 % sein. Kleine Verschiebungen können zu völlig anderen Ergebnissen führen.
jujo 06.12.2012
5. ....
Zitat von ulrich_seegerInfratest und der NDR sind nun schon seit Monaten bemüht, die FDP auf 3 % zu halten. Vielleicht sollte SPIEGEL ONLINE einfach mal die ZDF-Umfrage (Forschungsgruppe Wahlen) von heute zur Kenntnis nehmen, bevor voreilige Schlüsse in die falsche Richtung weisen: da sieht alles ganz anders aus, FDP, Linke und Piraten liegen bei 4 %, die Grünen haben 2 % weniger als in der NDR-Umfrage und die SPD kommt mit 32 % weiterhin nicht aus dem Quark.
Auch bei ihren Zahlen kann man rechnen wie man, es gibt einen drei Parteien Landtag und eine rotgrüne Landesregierung, Das sagen die Umfragen z.Z. alles schönschreiben hilft nichts!
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